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Katholisches Projekt «Underkath» sucht die besten jungen Video-Blogger

Zürich, 26.1.18 (kath.ch) Das Katholische Medienzentrum sucht mit einem Wettbewerb zusammen mit Partnern den katholischen YouTube-Star. Youtube ist mit Abstand bei den Jugendlichen die beliebteste Internet-Plattform. Dort schauen sie sich Musikvideos, Schmink- oder Basteltipps an. Neu sollen sie auch vermehrt Infos zur eigenen Weltanschauung finden.  Gemeinsam mit den Wettbewerbsgewinnerinnen und Wettbewerbsgewinnern soll im Herbst eine Community im Social Web aufgebaut werden.

Georges Scherrer

«Mit dem Projekt möchten wir das Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der Kirche und an kirchlichen Themen stärken», sagt Norman Zöllner, einer der Initianten des Projekts und Social-Media-Manager bei kath.ch. Über einen Wettbewerb werden 14 bis 22-jährige Video-Blogger, so genannte «Vlogger», gesucht. Das Projekt trägt den Namen «Underkath». Bei Jugendlichen macht es klick. Ältere Leute runzeln die Stirn. «Underkath» schliesst an den Begriff «Undercut» an. Dieser bezeichnet eine Frisur, bei der man «sieht, was unten drunter ist», sagt Thomas Boutellier, der Verbandspräses der Katholischen Pfadi. Er gehört der Projektgruppe an.

Bei dieser Haartracht wird das Haar über den Ohren und dem Nacken vollkommen wegrasiert. «Man sieht die Wurzeln, und das, was daraus wächst», erklärt der Verbandspräses.

Thomas Boutellier

«Man sieht die Wurzeln, und das, was daraus wächst»

Thomas Boutellier, Verband Katholische Pfadi

Thomas Boutellier

Eine Runde wett machen

Auch bei Rennspotftans schlägt das Herz beim Begriff «Undercut» höher. In der Formel 1 bezeichnet er einen Boxenstopp, der gut organisiert ist: Ist dieser Halt im richtigen Moment angelegt und sind die Reifen schnell genug ausgewechselt, gewinnt der Rennfahrer eine Runde.

Boutellier deutscht diesen renntechnischen Begriff aus: «Wir als Kirche geben uns alle Mühe mit den jungen Menschen auf Augenhöhe zu sein. Manchmal gelingt es, oft aber nicht. Vielleicht holen wir mit dem Einbezug Jugendlicher und den neuen Medien nun ein paar Schritte auf.»

Über Ton und Bild zur Jugend finden

Die katholische Kirche möchte also mit modernen Mitteln gegenüber den Jugendlichen eine Runde gut machen. Die Mitglieder der katholischen Kirche kennen die Haltung der Kirchenoberen und auch die Dogmen. Die Meinung der Jugendlichen sei aber kaum bekannt, «weil wir die Jugendlichen nicht mehr in der Kirche haben», sagt Boutellier. Das Projekt Underkath möchte erfahren, wie Jugendliche mit einer katholischen Weltanschauung Religion leben.

«Nicht mehr auf der Strasse, sondern im Netz»

Man müsse darum die Jugendlich holen, wo sie auftreten. Für den Grossteil der jungen Menschen seien die einzigen Berührungspunkte zur Kirche noch die Firmung oder ein gelegentlicher Gottesdienstbesuch an Weihnachten oder Ostern. Underkath will das Feld der Kontaktnahme erweitern. Die Kirche wendet sich darum an die Video-Blogger.

Die «Vlogger» als Identifikationsfiguren

Über diese Vlogger taucht die Kirche «in die Lebenswelt der Jungen ein», sagt Boutellier. Mit den sozialen Medien, welche zu den Leitmedien für diese Generation geworden seien, könne eine andere Art von «aufsuchender Jugendarbeit» gemacht werden – und dies nicht mehr auf der Strasse, sondern im Netz. «So können wir Jugendliche, junge Erwachsene und Interessierte mit Themen und Meinungen erreichen, welche wir sonst nicht mehr erreichen.»

Die jugendlichen Vlogger sollen in einem katholischen Selbstverständnis ihre Ansichten zur Welt oder zu kirchlichen Themen via Video an die Interessierten heranbringen. «Wir erhoffen uns so einen Einblick in die Lebenswelt, aber auch die Möglichkeit, verschiedene Meinungen abzuholen. Die Vloggs sollen zu Diskussionen und Nachdenken führen», so Boutellier.

Ein Wettbewerb als Start zur Youtube-Plattform

Das Projekt «Underkath» startet mit einem Wettbewerb für Vlogger. Ihre Filme müssen bis Ende März eingereicht werden. Diese Filme sollen unter dem Thema «Warum braucht es mich auf der Welt?» ihre Lebensweise innerhalb ihrer katholischen Heimat aufzeigen, sei es in einem Verband, einer Bewegung oder einer Pfarrei.

«Darüber hinaus setzen sie sich mit anderen Lebenswelten sowie mit jugendrelevanten Fragestellungen aus Themenfeldern wie Spiritualität, Lifestyle und Kultur auseinander», heisst es in einer Medienmitteilung des Katholischen Medienzentrums kath.ch in Zürich. Dieses trägt das Projekt. In der Projektgruppe, die den Wettbewerb verantwortet, hat es zudem Fachleute für Jugendarbeit, Medienspezialisten.

Das Projekt will das Interesse der Jugendlichen an der Kirche stärken.

Aus den eingesandten Vlogger-Beiträgen wird eine Jury, der ein bekannter Vlogger und Spezialisten aus den Bereichen Bild, Ton und Sozialen Medien angehören, die zwölf besten Beiträge auswählen. Mit diesen Videos soll im Herbst unter der Bezeichnung «Underkath» ein neuer Youtube-Kanal gestartet werden, dies rechtzeitig auf den Beginn der Bischofssynode zur Jugend, die im Oktober 2018 in Rom stattfindet.

Das Gesicht hinter der Meinung

Boutellier umreisst die Zielgruppe etwas detaillierter: «Der Wettbewerb richtet sich an junge Frauen und Männer, welche in der heutigen Zeit leben und dies zeigen wollen. Die bereit sind, ein Gesicht für eine Meinung zu sein». Wer eine Undercut-Frisur trage, egal, ob Mann oder Frau, der werde gesehen. Soll es auch mit den Vloggern sein.

Die Meinungen sollen aber nicht einfach «neu, modern und trendig» sein. Auch eine «eher traditionelle Meinung» zu bestimmten Themen sei wichtig. Es wäre ein Trugschluss zu denken, nur weil die Welt «hip» sein wolle, seien es die Menschen auch. Gerade Jugendliche würden oft eine spannende, von Tradition geprägte Haltung vertreten. Das ganze Spektrum der katholischen Kirche solle abgebildet werden. Die Konsumenten der Vloggs sollen sich eine eigene Meinung bilden, sich in den Vloggern wiederfinden und spiegeln können: «Es gibt da nicht richtig oder falsch.»

«Das würde das Projekt ganz sicher bereichern.»

Religion muss bei Youtube ihren Platz haben. «Eine Religion, die nichts mehr mit dem Leben zu tun hat, nicht mehr in der Lebenswelt anzutreffen ist und nur Themen bearbeitet, die nicht mehr aktuell sind, verliert ihren Wert», betont Boutellier. «Mit den Vloggs können wir Themen der jungen Menschen in ihrer Lebenswelt abbilden» – manchmal sichtbarer, manchmal im Hintergrund.

Die Traumvariante

Katholisch heisst nicht Ausschluss von nicht-katholischen Jugendlichen. Die Wettbewerbsbedingungen schreiben zwar von katholischen Jugendlichen. «Wenn sich jetzt aber ein reformiert aufgewachsener Jugendlicher meldet und uns überzeugt, dass er einen wichtigen Beitrag leisten kann, warum nicht?», bemerkt Boutellier.

Eine «Traumvariante» würde dann bestehen, wenn Jugendliche ökumenisch auftreten, zum Beispiel als Paar, bei dem ein Teil katholisch und der andere reformiert ist oder einer anderen Religion angehört. «Es müsste aber so sein, dass die beiden ihre Vloggs nicht nur auf sich, sondern auch auf das Trennende und Verbindende ausrichten. Das würde das Projekt ganz sicher bereichern.» Davon ist Boutellier überzeugt.

Hier geht es zu den Wettbewerbsbedingungen.

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