Schweiz

Zürcher Katholiken: «Zürcher Bischof wäre näher bei den Menschen»

Zürich, 7.3.16 (kath.ch) Ein Bischof, der in Zürich statt in Chur sitzt, wäre näher am urbanen Zentrum Zürich. Hätte Zürich einen eigenen Bischofssitz, könnte sich die katholische Kirche in der Öffentlichkeit besser einbringen, sagt Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur bei der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Anlass des Interviews ist die Lancierung einer Umfrage zu einem eigenen Bistum Zürich durch den Churer Bischof Vitus Huonder.

Sylvia Stam

Ist die Umfrage von Bischof Vitus Huonder ein erster Schritt in Richtung eines Bistums Zürich?

Simon Spengler: Es ist ein weiterer Schritt, der erste Schritt war Ende 2012 das Gesuch der Zürcher Kirche um ein eigenes Bistum Zürich.

Deuten Sie es seitens des Bistums Chur als ersten Schritt zur Teilung?

Spengler: Seitens Chur ist es ein erster Schritt in Richtung eines möglichen Bistums Zürich. Bischof Vitus Huonder sucht eine gute pastorale Lösung. Wir wissen aber nicht, was bei der Umfrage herauskommen wird.

Was wären wichtige Änderungen für die Zürcher Katholiken, wenn sie ein eigenes Bistum hätten?

Spengler: Der Bischof wäre näher bei den Menschen, im urbanen Zentrum Zürich. Die Anliegen der Zürcher Katholiken würden ganz anders wahrgenommen. Umgekehrt könnte sich die Kirche viel besser einbringen, ihre Stimme würde in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen, denn Zürich ist nun einmal die Wirtschafts- und Medienmetropole der Deutschschweiz. Voraussetzung wäre natürlich, dass ein Zürcher Bischof dialogbereit wäre und in der Kirchenbasis die nötige Akzeptanz hätte.

Hätte ein eigenes Bistum Zürich auch finanzielle Konsequenzen?

Spengler: Da sind noch viele Fragen offen, etwa jene, wie es mit den Urschweizer Kantonen weitergehen würde. In Zürich selber gäbe es wenig Veränderungen, denn strukturell haben wir jetzt bereits ein Generalvikariat. Die Bürokratie könnte man daher schlank halten. Neu wäre einfach das eigentliche Bischofamt.

Was würde ein eigenes Bistum Zürich für die Urschweizer Kantone bedeuten?

Spengler: Dies würde wohl die Frage nach einem Bistum Innerschweiz wieder aufwerfen, zu dem dann auch unter Umständen Luzern gehören würde. Aber sowohl das Bistum Basel wie auch die Luzerner Kirche haben bereits abgewinkt. Die Luzerner möchten wegen der Mitsprache bei der Bischofwahl beim Bistum Basel bleiben.

Denkbar wäre vielleicht auch, dass die Kantone der Urschweiz bei Chur blieben oder zum Bistum Zürich dazukämen. Was für finanzielle Konsequenzen ein eigenes Bistum Zürich für die anderen Bistumskantone hätte, kann ich im Einzelnen nicht sagen. Zürich zahlt viel an übergeordnete Institutionen wie die Römisch-Katholische Zentralkonferenz, aber zum Beispiel auch an die Theologische Hochschule Chur. Einen verbindlichen Finanzausgleich unter den Bistumskantonen gibt es heute nicht. Auch darüber könnte in einem späteren Schritt in geeigneter Form gesprochen werden.

Wie steht die Katholische Kirche im Kanton Zürich einer Schaffung eines Bistums Urschweiz gegenüber?

Spengler: Das wäre vielleicht eine sinnvolle Lösung. Der Teufel steckt aber oft im Detail, so stellt sich etwa die Frage, ob ein solches Bistum finanziell überlebensfähig wäre. Vielleicht sind auch nicht alle Urschweizer Kantone diesbezüglich derselben Meinung. Abgesehen davon gibt es heute schon einen Vertreter der Urschweiz in der Bischofskonferenz, nämlich den Abt von Einsiedeln. (sys)

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Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur der Katholischen Kirche im Kanton Zürich | © Peter Knup
7. März 2016 | 15:46
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