Der Vorsitzende der Kenianischen Bischofskonferenz, Kardinal John Njue | © KEYSTONE Sayyid Azim
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Der Vorsitzende der Kenianischen Bischofskonferenz, Kardinal John Njue | © KEYSTONE Sayyid Azim

Kardinal aus Kenia: Afrikanische Flüchtlinge brauchen Arbeit zu Hause

München, 22.4.2015 (kath.ch) Der Vorsitzende der Kenianischen Bischofskonferenz, Kardinal John Njue, hat dafür plädiert, den nach Europa drängenden Afrikanern Arbeitsmöglichkeiten in ihren eigenen Ländern zu bieten. Nicht alle, die fliehen wollten, täten dies, weil sie verfolgt würden oder ihnen Gewalt drohe, erklärte Njue am Mittwoch, 22. April, bei einem von «Missio München» veranstalteten Pressegespräch.

Die meisten bräuchten schlicht eine Tätigkeit, etwa in der Landwirtschaft, wo sie Gemüse anbauen und verkaufen könnten, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die in Kenia wachsende katholische Kirche bemühe sich, vor allem auch jungen Menschen auf ihrem Lebensweg zu helfen, betonte Njues Stellvertreter, Bischof Philip Arnold Subira Anyolo.

So werde in den Pfarreien genau hingeschaut, wer sich als intelligent erweise. Diese Leute würden dann auch gefördert, nur könnten eben nicht alle auf die Universität gehen. Ziel sei es, die Christen in Kenia zu einer wahren Gemeinschaft werden zu lassen, um entsprechendes Selbstbewusstsein und damit Zutrauen zu entwickeln, betonte der Kardinal.

Den Terroranschlag der islamistischen Al-Shabaab-Milizen auf die Universität von Garissa Anfang April nannte Njue eine «schmerzliche Erfahrung». Dabei habe es sich um Radikale gehandelt, von denen sich auch die islamischen Führer in Kenia umgehend distanziert hätten. Bei dem Attentat waren über 150 Personen, vorwiegend Christen, getötet worden. Der Kardinal unterstrich jedoch, dass sich der interreligiöse Dialog seit Jahren in dem ostafrikanischen Land gut entwickelt habe.

Gegen Räumung von Flüchtlingslager

Kritisch sieht der Kardinal die Forderung der kenianischen Regierung an das Uno-Flüchtlingshilfswerk, als Konsequenz auf den Anschlag das weltweit grösste Flüchtlingslager Dadaab an der Grenze zum Sudan zu schliessen. Dort sind offiziell 350.000 Bewohner gemeldet, die Zahl dürfte aber weit höher liegen. Grund für die Anordnung sei die Vermutung, dass das Lager von islamistischen Kräften unterwandert sei.

 

Mit einer Räumung würden auch Unschuldige bestraft und ausserdem wirklich Verfolgte wieder der Gefahr im Sudan ausgesetzt, sagte Njue. Die katholische Kirche sei deshalb bereits im Gespräch mit der Regierung. Was sie zu sagen habe, werde auch gehört, betonte der Kardinal. Deshalb hoffe er, dass es nicht zu einer Räumung kommen werde. Notwendig sei auf Dauer eine politische Lösung. Zugleich verwies Njue auf das Problem der Korruption in Kenia. So seien viele Sudanesen nur in das Land gelangt, weil sie die sudanesischen Grenzbeamten bestochen hätten. (kna)

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