Gilles Roduit
Schweiz

Kanoniker Gilles Roduit tritt als Pfarrer zurück

Der Walliser Chorherr Gilles Roduit gibt sein Amt als Pfarrer ab. Er war mit Vorwürfen wegen sexuellen Übergriffen konfrontiert.

Roduit war erst am 12. Mai nach einer mehrmonatigen Auszeit und einem Hungerstreik wieder in sein Amt eingesetzt worden. Er sah sich weiterhin «sehr regelmässig mit unwiderruflichen Urteilen konfrontiert, die ihn verurteilen und ihm die Türen verschliessen», heisst es in der Mitteilung des Pfarreirats der Region Saint Maurice.

«Ich bin traurig, dass ich meine Stelle aufgeben muss, aber ich bin mit dieser Entscheidung im Frieden», sagt Gilles Roduit gegenüber cath.ch. Der Kanoniker wird nicht mehr in Pfarreien arbeiten. «Alles ist offen für die Zukunft», fügt er hinzu.

Kurze Botschaft des Pfarreirats

In einer kurzen Botschaft auf der Website nimmt der Pfarreirat den Rücktritt von Gilles Roduit zur Kenntnis. Er hatte seinen Entscheid den Gemeindemitgliedern in der Messe am 21. September mitgeteilt. «Während die Zivil- und Kirchengerichte alle Fälle, für die er angeklagt wurde, eingestellt haben, wurde Gilles regelmässig mit unwiderruflichen Urteilen konfrontiert, die ihn verurteilen und ihm die Türen verschliessen. Und was ist mit den anonymen Briefen?», heisst es in der Erklärung.

In den Ruhestand versetzt

Der Priester Roduit war kurz nach der Ausstrahlung der am 19. November 2023 ausgestrahlten «Mise au point»-Untersuchung des Westschweizer Fernsehens RTS über alte Missbrauchsfälle in der Abtei in den Ruhestand versetzt worden.

Die Abtei Saint-Maurice
Die Abtei Saint-Maurice

Der Kanoniker war in einem Fall von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige angeklagt worden. Am 26. Februar gab die Abtei schliesslich bekannt, dass die vorläufigen Massnahmen gegen den Dekan und Pfarrer aufgehoben worden waren. Sie erinnerte daran, dass diese Schritte zur Aufhebung von den kirchlichen Behörden beschlossen worden waren, «um einen ausreichend breiten und tiefen Einblick in die jeweilige Situation zu erhalten».

Die Abtei erinnerte an die rechtlichen Schritte in diesem Fall – das heisst, an ein Urteil zur Einstellung des Verfahrens im Jahr 2005, an eine Entscheidung zur Nichtwiederaufnahme des Verfahrens im Jahr 2021 und an eine Entscheidung zur Ablehnung der Beschwerde im Jahr 2022.

Die Institution wies darauf hin, dass es keine belastende Anklage mehr gebe. Der Fall des Pfarrerdekans war auch dem Heiligen Stuhl vorgelegt worden, der nach einer Untersuchung zu denselben Schlussfolgerungen kam.

Unangemessenes Verhalten

Eine zweite Sendung von «Mise au Point» am 7. Juli hatte neue Erkenntnisse gebracht. Dabei handelte es sich insbesondere um Zeugenaussagen über unangemessene Verhaltensweisen des Domherrn. Mehrere junge Frauen beschwerten sich über unangemessene Gesten und Äusserungen, die der Kanoniker ihnen gegenüber gemacht haben soll, als sie Teenager waren. Diese Meldungen wurden an die von Saint-Maurice beauftragte externe Untersuchung weitergeleitet.

Gilles Roduit im Gottesdienst
Gilles Roduit im Gottesdienst

Domherr weist Anschuldigungen zurück

Gegenüber Journalisten des französischen Fernsehens RTS wies der Domherr die jüngsten Anschuldigungen zurück: «Ich weise jede Verwicklung in die Tatsachen zurück, über die Sie berichten und deren Ursprung und Verbindung zu meiner Person ich nicht kenne.» Am 8. Juli veröffentlichte die Abtei ein Zitat des Kanonikers, in dem er sagte: «Wenn ich während meiner Amtszeit Menschen durch mein Verhalten verletzt habe, bitte ich sie aufrichtig und von Herzen um Verzeihung.»

In Hungerstreik getreten

Als er nichts über eine mögliche Wiedereinstellung vernahm, trat der Domherr in den Hungerstreik und wurde schliesslich am 12. Mai von der Diözese Sitten wieder in sein Amt als Pfarrer eingesetzt.

Die Notre-Dame du Scex in Saint-Maurice. Hier in der Ermitage hungerte Gilles Roduit fünf Tage lang.
Die Notre-Dame du Scex in Saint-Maurice. Hier in der Ermitage hungerte Gilles Roduit fünf Tage lang.

«Es wird schwierig sein, dessen bin ich mir bewusst. Mein Leben ist seit fünf Monaten schwierig. Man hat mir dieses unauslöschliche Etikett angeheftet, und ich muss lernen, mit diesem Kreuz zu leben», sagte der Kanoniker damals gegenüber cath.ch.

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«Die hierarchischen Verantwortlichen (Abtei und Diözese) sind auf der Suche nach einem Priester, der als ‘Interimslösung’ einspringen könnte. Eine offizielle Mitteilung wird in Kürze veröffentlicht», präzisiert der Pfarreirat. Gilles Roduit bleibt Kanoniker in der Abtei. (cath.ch/com/bh)


Gilles Roduit | © Screenshot cath.ch
26. September 2024 | 15:00
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