Juso-Vorstoss in Luzern: Gedenktag von St. Leodegar lässt sich nicht verschieben
Die Juso wollen den Feiertag des Luzerner Stadtheiligen St. Leodegar vom 2. Oktober auf den 1. Mai verschieben. Kirchenrechtlich sei dies nicht möglich, heisst es bei der Katholischen Kirche der Stadt. Denn: Heiligen-Gedenktage begeht die Kirche weltweit stets an deren Todestag.
Barbara Ludwig
Seit Jahrhunderten feiern die Luzernerinnen und Luzerner ihren Stadtpatron, den heiligen Leodegar, am 2. Oktober. Am 2. Oktober 678 oder 679 ist der Mann, einst Bischof vom burgundischen Autun, gestorben.
Doch erst seit 1999 müssen die Luzerner am Gedenktag des Heiligen nicht arbeiten. In diesem Jahr wurde der 2. Oktober zum kommunalen öffentlichen Ruhetag erklärt. Dann sind auch die Ladengeschäfte geschlossen. Wenn es nach den Luzerner Jungsozialistinnen und -sozialisten (Juso) geht, soll sich dies nun ändern. In der vergangenen Woche kündigte die Partei an, sie wolle einen Vorstoss zur Verschiebung des Feiertags ins städtische Parlament einbringen, wie die «Luzerner Zeitung» berichtete.
Wunschdatum 1. Mai
Der Feiertag zu Ehren von St. Leodegar soll demnach nicht abgeschafft, aber verschoben werden. Als Wunschdatum schwebt der Partei der 1. Mai vor. Aus ihrer Sicht hätte dies dem Bericht zufolge mehrere praktische Vorteile. Zum einen könnte der Stadtheilige weiterhin gebührend gefeiert werden und zum andern – so mutmasst die Partei – wäre das Verständnis für geschlossene Läden am 1. Mai wohl deutlich grösser als am 2. Oktober.
Darüber hinaus würde Luzern neu einen arbeitsfreien «Tag der Arbeit» erhalten. Der «Tag der Arbeit» wird von linken Parteien und Gewerkschaften begangen. Bislang ist der 1. Mai in acht Kantonen der Schweiz ein arbeitsfreier Feiertag, in zwei Kantonen ist er als halber Feiertag anerkannt, wie aus einer Übersicht des Magazins «Der Beobachter» hervorgeht. «Mit dem international bedeutsamen Feiertag am 1. Mai könnte die Stadt den Tag allen arbeitenden Menschen und ihren Bedürfnissen widmen», sagte Valentin Humbel, Präsident der Juso Luzern, gegenüber der Zeitung.
Ein politischer Entscheid
Der Heilige aus dem siebten Jahrhundert ist aber nicht nur Stadtpatron, sondern auch Kirchenpatron der Pfarrei St. Leodegar im Hof. Deshalb fragt sich, was die Kirche vom Vorhaben der Jungpartei hält? «Wir respektieren den Wunsch der Juso, gesellschaftlichen Themen wie Arbeit und Gerechtigkeit einen grösseren Stellenwert zu geben», teilt Ingrid Schmid auf Anfrage mit. Schmid ist Mediensprecherin der Katholischen Kirche Stadt Luzern. An welchem Tag die Stadtluzernerinnen und -luzerner ihren Feiertag haben möchten, sei grundsätzlich ein politischer Entscheid. «Rein kirchenrechtlich» sei eine Verschiebung des Gedenktags von St. Leodegar aber nicht möglich, so Schmid.
Das bestätigt auch Claudia Nuber, die Leiterin der Pfarrei St. Leodegar im Hof. «Die Heiligen-Gedenktage sind nicht verschiebbar. Sie sind international in der katholischen Kirche immer am gleichen Tag, und zwar jeweils am Todestag des Heiligen oder der Heiligen.»
«Bestandteil der Luzerner Identität»
Der Feiertag zu Ehren des heiligen Leodegar sei ein «bedeutender Bestandteil der Luzerner Identität und Geschichte», erklärt Ingrid Schmid weiter. Seit Jahrhunderten erinnere er an die Wurzeln der Stadt, die eng mit dem Wahrzeichen Hofkirche und der Entwicklung Luzerns verbunden seien. «So richtet sich sogar der Beginn der Luzerner ‹Määs› (Herbstchilbi) immer nach dem Leodegar-Tag.» Sie beginne immer am Wochenende nach dem 2. Oktober.
Die Pfarrei begeht den Leodegar-Tag laut Claudia Nuber seit Jahrhunderten mit einem Festgottesdienst, musikalisch begleitet vom Stiftschor. Anschliessend gibt es jeweils einen Apéro. «Das Pfarrhaus wird beflaggt, die Kirche wird festlich geschmückt, so etwas mit der wertvollen Büste des Heiligen Leodegar aus dem Kirchenschatz», so Nuber. Vor allem aber werde jedes Mal eine besondere Festpredigerin oder ein besonderer Festprediger eingeladen.
Auch das Chorherrenstift feiere den Patron, so die Pfarreileiterin. In St. Leodegar im Hof ist seit 1456 ein Kollegiatstift zuhause. Es entstand aus einem früheren Kloster.
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