Internetportal gloria.tv: Bischof von Chur tadelt ein bisschen

Chur, 10.3.13 (Kipa) Bischöfe mit Hakenkreuzen im Zusammenhang mit der Debatte um die «Pille danach»: Solche Bilder waren am 18. Februar auf der englischsprachigen Seite des katholischen Internetportals gloria.tv zu sehen. Weil hinter dem Schweizer Ableger von gloria.tv der Priester Reto Nay, Pfarradministrator in Sedrun GR, steckt, ist der Churer Bischof bei Nay vorstellig geworden. Der Erfolg der bischöflichen Intervention hielt sich allerdings in Grenzen, wie einer Medienmitteilung des Bistums Chur von Sonntag zu entnehmen ist, nachdem die Zeitung «Südostschweiz am Sonntag» darüber berichtet hatte.

Bischof Vitus Huonder habe Nay bereits am 20. Februar aufgefordert, den entsprechenden Videobeitrag auf gloria.tv zu löschen «und sich schriftlich davon zu distanzieren», schreibt Bischofssprecher Giuseppe Gracia. In der Folge habe Nay dem Bischof versichert, die englischsprachigen Seiten von gloria.tv nicht zu verantworten. Er habe auch keine Möglichkeit, den betreffenden Videobeitrag löschen zu lassen. Gracia: «Aufgrund dieser Sachlage sieht sich der Bischof von Chur nicht berechtigt, weitere Schritte einzuleiten.»

Der Bischof von Chur halte dennoch «mit aller Deutlichkeit» fest, «dass diffamierendes oder verhetzendes Gedankengut von Mitarbeitenden seiner Diözese in keiner Weise unterstützt oder verbreitet werden darf». Gracia weist darauf hin, dass gloria.tv eine Privatinitiative ist und ohne kirchlichen Auftrag arbeitet. – Nay hat früher auch auf dem inzwischen eingestellten Internetportal kreuz.net publiziert und war dafür im Frühjahr 2012 vom Churer Bischof ermahnt worden.

Keine kirchlichen Inhalte mehr auf gloria.tv

Am 20. Februar hat sich die Deutsche Bischofskonferenz nachdrücklich von gloria.tv distanziert, nachdem auf einer englischsprachigen Seite des Portals mit Zusammenhang mit der Debatte um die «Pille danach» Bischöfe mit Hakenkreuzen gezeigt worden waren. Die Bischofskonferenz werde dafür sorgen, dass Inhalte von der kirchlichen Internetseite kirche.tv nicht mehr von gloria.tv verwendet würden, sagte Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Der Internetseite gloria.tv sei vollends «die Seriosität abhanden gekommen».

Bisher war die von kirche.tv produzierte Rubrik «Tagessegen», in der ein katholischer Geistlicher täglich neue Segensworte spricht, auch bei gloria.tv zu sehen. Der «Tagessegen» wird von der in Frankfurt ansässigen Katholischen Fernseharbeit produziert und kostenlos zur freien Verwendung im Internet angeboten.

Bereits Mitte Januar hatte die Fernsehredaktion der Diözese Würzburg ihren Kanal auf der Internetseite gloria.tv gelöscht. Der Bereichsleiter Medien im Ordinariat, Dominik Faust, sagte, die Seite sei kein Umfeld mehr, «in der wir unsere Beiträge sehen wollen». Im Jahr 2009 hatte die Fernsehredaktion des Bistums Würzburg auf gloria.tv einen eigenen Kanal eröffnet, der automatisch mit den in Würzburg produzierten Beiträgen beliefert wurde.

Sitz in Moldawien

Das Portal gloria.tv hat seinen legalen Sitz in Moldawien und arbeitet in mehreren Sprachen. Kirchenpolitisch steht es traditionalistischen Randgruppen der katholischen Kirche nahe. Sein Motto lautet «the more catholic the better» (Je katholischer umso besser).

Gemäss Impressum tritt gloria.tv insbesondere ein «für die Wahrung, Förderung und Ausbreitung der katholischen Kirche und des katholischen Glaubens, für das Lebensrecht ungeborener und behinderter sowie alter und kranker Menschen und für die Bewahrung von Ehe und Familie».

(kipa/so/com/job)

10. März 2013 | 12:22
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