Bischof Vitus Huonder | © Georges Scherrer
Schweiz
Bischof Vitus Huonder | © Georges Scherrer

Bischof Vitus Huonder bleibt bis Ostern 2019 im Amt

Chur, 4.5.17 (kath.ch) Papst Franziskus hat die Amtszeit von Vitus Huonder um zwei Jahre verlängert, teilt das Bistum Chur am 4. Mai mit. Der Churer Bischof freut sich über das Vertrauen des Papstes, das dieser mit seiner Entscheidung zum Ausdruck bringe. Gleichzeitig sagt er in einem Interview mit der Luzerner Zeitung, wieso er sich diskriminiert fühlt.

Papst Franziskus habe das Rücktrittsgesuch geprüft, das ihm der Bischof von Chur am 21. April 2017 übermittelt hat. «Nach Abwägung aller Umstände hat der Papst entschieden, die Amtszeit des Bischofs um zwei Jahre zu verlängern, bis Ostern 2019», heisst es auf der Homepage des Bistums Chur wörtlich.

Auch der Vorgänger blieb länger.

Erst nach Ablauf dieser zwei Jahre wird somit die Neubesetzung des Bischofssitzes stattfinden. Vitus Huonder weist in seinem Schreiben an die Mitarbeitenden des Bistums ausserdem darauf hin, dass auch sein Vorgänger Amédée Grab bis zur Vollendung seines 77. Lebensjahrs im Amt geblieben sei.

Papst setzt auf Kontinuität

«Der Vertrauensbeweis seitens des Papstes hat mich gerührt und mit grosser Dankbarkeit erfüllt», schreibt Vitus Huonder in seinem Brief. Der Papst setze mit seiner Entscheidung auf Kontinuität. Dies ermögliche ihm, «noch nicht abgeschlossene Arbeiten weiterzuführen».

Was genau diese noch offenen Arbeiten sind, müsse er noch mit dem Bischofsrat besprechen. Das sagte Bischof Vitus Huonder im Interview mit der Luzerner Zeitung (LZ, 4. Mai). «Ich denke etwa an die Umsetzung der Beschlüsse der Familiensynode.» Voraussichtlich werde das Bistum Chur noch vor der Sommepause diese Schwerpunkte öffentlich bekanntgeben.

In seiner verlängerten Amtszeit wolle sich der Bischof mit all seinen Kräften einsetzen um den Hirtendienst fortzusetzen «zum Heil der Seelen und zum Wohl der Kirche von Chur», heisst es in seinem Brief.  Er wolle «in voller Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre und Disziplin» wirken, sagte er gegenüber der LZ.

Katholische Kirche ist infiziert und fiebrig.

Dass diese Disziplin auch auf Widerstand gestossen ist, vergleicht Bischof Huonder mit einer Infektion, an der die katholische Kirche Schweiz leide. Infiziert sei sie mit «Abweichungen von der kirchlichen Lehre und Disziplin sowie von Missbräuchen in der Liturgie», so Huonder im Interview. Er sei jedoch guten Mutes, was die Genesung der Kirche betreffe. «Infektionen sind meist mit Fieber verbunden. Aber das Fieber hilft auch, dass der Organismus wieder gesundet.»

Nicht alle gegen Huonder

Der Bischof machte gegenüber der LZ deutlich, dass er zu Unrecht in den Medien so negativ dargestellt werde. Es würden nicht alle Aspekte seiner Aussagen gewürdigt, sondern stets gleich die Konfrontation gesucht.

Wer die Lehre ändern will, soll das nicht bei mir deponieren.

Ebenso würden viele von den 700’000 Gläubigen des Bistums Chur «immer wieder dankbar auf den Bischof» zukommen und sagen, «dass dessen Haltung sie in ihrem Glauben bestärkt», so Huonder. Es werde auch zu Unrecht meistens über, statt mit ihm gesprochen. Er sei jederzeit zum Gespräch bereit, «man könne natürlich auch auf mich zukommen», so der Bischof weiter. Wichtig sei jedoch, im Gespräch die Meinung des anderen zu respektieren – auch wenn kein gemeinsamer Nenner gefunden werde.

Lieblingswort: Disziplin

Gleichzeitig sagte er jedoch, «wer die Lehre ändern will, soll das in Rom deponieren, nicht bei mir». Für ihn würden seine Kritiker demnach die Lage im Bistum Chur und rund um ihn nicht beruhigen wollen. «Es geht ihnen um die Veränderung des überlieferten Glaubens der Kirche oder ihrer Disziplin, etwa hinsichtlich der Priesterweihe oder Zölibats.» Diese Ziele unterstütze er nicht, im Gegenteil müsse er als Bischof der Kirchenlehre treu bleiben.

Dass es jedoch Gläubige gibt, die nicht mehr ganz so diszipliniert leben, wie er sich wünscht, ist ihm bewusst. Laut dem Bischof müssen Seelsorger mit solchen Menschen arbeiten wie mit anderen: Sie so nehmen, wie sie sind. Aber: Die Umkehr zu «einer Neuausrichtung auf Gott» sei unbedingt nötig. Dass er Teile der Gesellschaft mit seiner disziplinierten Treue zum «Glauben der Kirche» provoziere, könne er nicht ändern, so Huonder weiter. «Der Glaube Jesu war schon zu Jesu Zeiten eine Provokation.»

Ich hoffe, es wird mit Respekt aufgenommen.

Laut LZ hofft der Bischof, dass der Entscheid des Papstes um dessen Amtsverlängerung «mit Respekt aufgenommen wird». Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat am 4. Mai schon mit dem von Huonder erhofften Respekt geantwortet. «Wir haben die Entscheidung erfahren und natürlich respektieren wir sie», schreibt Charles Morerod, Präsident der SBK, in der Mitteilung. (sys/ft)

 

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