Helena Jeppesen-Spuhler: Frauen haben Recht auf Gleichberechtigung in Kirche
Die Vatikan-Studie zeigt, dass die «Frauenfrage» in der Kirche dringend ist. Der Schlussbericht ist ein wichtiger Schritt, sagt Helena Jeppesen-Spuhler. Doch jetzt beginnt die eigentliche Arbeit: Ortskirchen seien nun gefordert, Frauen mehr Raum, Verantwortung und Sichtbarkeit zu geben.
Jacqueline Straub
Freuen Sie sich über die vom Vatikan veröffentlichte Studie zur Klärung der «Frauenfrage»?
Helena Jeppesen-Spuhler*: Ja. Jetzt geht es darum, auf allen Ebenen der Kirche mit den Erkenntnissen aus diesem Bericht weiterzuarbeiten. Gerade in der jetzigen Weltlage, wo Frauenrechte wieder stärker unter Druck geraten, braucht es von der katholischen Kirche ein klares Bekenntnis zur Gleichberechtigung, auch in der eigenen Institution. Daran müssen wir beim synodalen Prozess hartnäckig weiterarbeiten. Für die Weiterarbeit an der Umsetzung der Synodenergebnisse war es notwendig, dass der Schlussbericht der Studiengruppe 5 nun herauskam. Zahlreiche Gruppierungen aus vielen Erdteilen haben dazu unmittelbar nach der Synodenversammlung im Oktober 2024 Eingaben gemacht.
Das Bistum Basel hat sich auch daran beteiligt.
Jeppesen-Spuhler: Ja, genau. Das Bistum Basel hat zum Beispiel einen Bericht zur jahrzehntelangen Erfahrung mit Frauen in leitenden Positionen eingesandt. Im Schlussbericht werden aus Österreich und der Schweiz Beispiele genannt. Das freut mich besonders. Unsere Eingaben, unser Widerstand, das Mitdenken und Mitarbeiten waren wichtig.
Hätten Sie sich konkrete Empfehlungen gewünscht?
Jeppesen-Spuhler: Nein, nur eine klare Aussage zur Gleichberechtigung. In einer synodalen Kirche kommen die Impulse und Empfehlungen aus den Ortskirchen, nicht aus Rom. Wir müssen lernen, umzudenken, und nicht «von oben», von Rom oder vom Bischof, Anweisungen zu erwarten.
«Die Zulassung zu allen Weiheämtern bleibt ein wichtiges Thema.»
Was ist nun notwendig?
Jeppesen-Spuhler: Es geht jetzt darum, diesen Bericht auf Ebene der Bistümer und Kontinentalkirchen, in Verbänden und Räten zu studieren und konkrete Schritte umzusetzen, dass Frauen mehr Raum, mehr Entscheidungsverantwortung und Sichtbarkeit bekommen, dass liturgische Sprache und die Auswahl der Lesetexte in den Gottesdiensten auch die Realität der Frauen widerspiegelt.
Reicht es, wenn Papst Leo XIV. – wie auch schon sein Vorgänger Papst Franziskus – Frauen in vatikanische Leitungsämter beruft?
Jeppesen-Spuhler: Nein. Das reicht bei Weitem nicht, ist aber ein wichtiger Schritt. Die Zulassung zu allen Weiheämtern bleibt ein wichtiges Thema, wie es im Schweizer Bericht für die Synode formuliert wurde. Der Bericht der Kommission für das Diakonat hat festgestellt, dass die Frage offen bleibe.
«Frauen tragen die Kirche.»
Was braucht es nun?
Jeppesen-Spuhler: Es braucht hier Handlungsspielräume für die Ortskirchen. Gerade die Frage des Diakonats für die Frauen kann wie beim ständigen Diakonat für die Männer den Ortskirchen überlassen werden. Die Weltsynode hat in Rom die wichtige Frage nach dem Ausschluss berufener Frauen diskutiert. Es war ein geisterfüllter Moment, der die Versammlung bewegt hat. Zu dieser Frage erwarte ich beim Papst weiterhin ein offenes Ohr.
Was wünschen Sie sich in den nächsten Schritten bezüglich der «Frauenfrage» in der katholischen Kirche?
Jeppesen-Spuhler: Weltweites Vorangehen, Umsetzung von allem, was kirchenrechtlich schon möglich ist. Kreative Vernetzung und weiterhin mutigen Widerstand. Denn Frauen tragen die Kirche. Sie haben ein Recht darauf, gleichberechtigt wirken und handeln zu können.
*Helena Jeppesen-Spuhler ist Mitglied der Europäischen Synodal-Taskforce und war Schweizer Synodenteilnehmerin bei der Weltsynode in Rom.
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