Gabi Corvi.
Schweiz

Gabi Corvi: «Ich möchte nicht, dass man die Stimme des SKF schwächt, indem man das ‹K› eliminiert»

Im Mai entscheidet der Schweizerische Katholische Frauenbund (SFK) über eine Namensänderung. Gabi Corvi (54) lehnt diese vehement ab. Die Mitte-Politikerin ist Mitglied in zwei Ortsvereinen und kirchlich engagiert. «Der Frauenbund nimmt sich aus dem Spiel, wenn er das ‹K› streicht», sagt sie im Interview mit kath.ch.

Barbara Ludwig

Sind Sie Mitglied in einem lokalen katholischen Frauenverein?

Gabi Corvi*: Ich bin Mitglied in der Frauengemeinschaft Schänis und der Frauengemeinschaft Maseltrangen. Wir haben zwei Gemeinschaften. Denn unsere Pfarrei ist eine Doppelpfarrei, die die beiden Dörfer Schänis und Maseltrangen umfasst. Als Präsidentin des Kirchenverwaltungsrates gehört es sich eigentlich, dabei zu sein. Ich besetze aber kein Amt in einem der Vereine.

Tragen die Ortsvereine das Wort «katholisch» im Namen?

Corvi: Nein. Ich wohne seit 18 Jahren in Schänis. Ob sie früher einmal das «K» im Namen trugen, ist mir nicht bekannt.

«Wenn wir Katholikinnen und Katholiken uns selbst so schlecht sehen, werden wir auch so wahrgenommen.»

Beim SKF steht die Streichung des «K» zur Debatte – nach über 100 Jahren. Es heisst, das «K» schrecke ab und sei keine gute Marke. Vor allem seit der Publikation der Missbrauchsstudie werde es mit Klerikalismus, Homophobie und Unterdrückung von Frauen assoziiert. Erleben Sie das auch so in Ihrem Alltag?

Corvi: Das Wort «katholisch» in einen positiven Zusammenhang zu bringen, ist seit der Veröffentlichung der Studie schwieriger geworden. Das beobachte auch ich. Doch es ist nun einmal ein Fakt: Wir sind katholische Kirche mit all ihren Facetten und Ausprägungen, mit all dem Guten, aber auch dem Schlechten, das passiert ist. Ob «katholisch» deswegen eine schlechte Marke ist? Das bezweifle ich. Wenn wir Katholikinnen und Katholiken uns selbst so schlecht sehen, werden wir auch so wahrgenommen. Wenn wir dieses «K» nicht als etwas Gutes verkaufen, als etwas, das Menschen unterstützt und Gemeinschaft fördert – wenn wir das nicht schaffen, dann liegt das an uns Beteiligten.

Kirche St. Sebastian in Schänis SG.
Kirche St. Sebastian in Schänis SG.

Aus Sicht der Befürworterinnen der Namensänderung sprechen gerade die negativen Assoziationen, die das Wort «katholisch» bei manchen Leuten hervorrufe, für eine Streichung. Können Sie das nachvollziehen?

Corvi: Ja. Ich selber sehe es aber nicht so. Die Marke «katholisch» steht für eine mehr als 100-jährige Identität des Dachverbandes, sie ist sein Alleinstellungsmerkmal. Deshalb verstehe ich nicht, warum man die Marke kippen möchte. Es ist doch das «K», das den Frauenbund auszeichnet. Ich nehme ihn als progressiv wahr. Gerade deshalb kann er einen Gegenpol bilden zu konservativen Vorstellungen von Kirche.

«Für mich funktioniert das nicht: Gegen aussen nur Frauenbund sein zu wollen und im Hintergrund katholisch bleiben.»

Warum finden Sie es so wichtig, dass das «K» im Namen bleibt?

Corvi: Weil es für eine Positionierung steht. Ich bin eine Frau, die sich gerne positioniert. Weil ich mich positioniere, kann ich senden, das heisst eine Botschaft zu den Menschen tragen. Positioniere ich mich nicht, kann ich auch nicht senden. Es braucht doch eine Zugehörigkeit, ein Ja zu dem, was man ist. Zwar sagen die Befürworterinnen der Streichung, sie gehörten noch immer zur Kirche. Für mich funktioniert das aber nicht: Gegen aussen nur Frauenbund sein zu wollen und im Hintergrund katholisch bleiben.

Fürchten Sie negative Folgen, wenn der Frauenbund aufs «K» verzichtet?

Corvi: Mit einer Namensänderung könnte für die Kirche die Legitimation wegfallen, den Frauenbund weiter finanziell zu unterstützen. Es wäre problematisch, nur noch halbherzig dabei zu sein und gleichzeitig Geld von der Kirche zu bekommen.

Zudem nimmt sich der Frauenbund aus dem Spiel, wenn er das «K» streicht. Er verlöre seine Identität. Ein Puzzleteil würde fehlen in der katholischen Landschaft. Der SKF repräsentiert die wichtige Stimme der katholischen Frauen. Ich fände es schade, wenn sich die Frauen nach über 100 Jahren wieder zurückzögen. Ein solcher Schritt hätte Signalwirkung. Um weiterhin und noch stärker mitwirken zu können in der Kirche, braucht es im Gegenteil die Zugehörigkeit und das «K» im Namen.

«Seine Stimme soll weiterhin von den Männern in katholischen Kreisen gehört werden.»

Wäre ein Dachverband ohne «K» im Namen noch legitimiert, sich zu kirchlichen Angelegenheiten und gesellschaftlichen Fragen, die auch die Kirche beschäftigen, zu äussern – wie er das in seiner langen Geschichte schon so oft getan hat?

Corvi: Das kann ich nicht abschliessend beantworten. Mir selber ist es wichtig, dass der Frauenbund sich weiter zu verschiedenen Themen äussert. Seine Stimme soll nicht versiegen, sie soll weiterhin von den Männern in katholischen Kreisen gehört werden. Darum möchte ich nicht, dass man seine Stimme schwächt, indem man das «K» eliminiert.

Pfarrkirche von Maseltrangen SG.
Pfarrkirche von Maseltrangen SG.

Die SKF-Frauen haben es eben satt, sich für ihre Zugehörigkeit zur Kirche zu rechtfertigen zu müssen.

Corvi: Es hapert am Selbstbewusstsein der katholischen Frauen in der Kirche. Es liegt nicht an uns Frauen, uns für das, was in der Kirche schlecht läuft, zu rechtfertigen. Wir müssen an der Kirche und ihren Strukturen arbeiten, das ist unbestritten. Das Schlechte, das passiert ist, explizit natürlich die Missbräuche, macht auch mich betroffen. Doch diese Konfrontation muss man aushalten. Sich durch die Hintertüre rausschleichen, indem man das «K» aus dem Namen streicht – das geht für mich nicht. All die Arbeit, die in der katholischen Landschaft – gerade auch von den Frauen – seit über 100 Jahren gemacht wurde, wäre für die Katz.

Werden Sie an der Delegiertenversammlung im Mai teilnehmen und dort über den Antrag mitentscheiden?

Corvi: Nein. Ich bin nicht eingeladen.

Und wenn Sie Ihre Stimme abgeben könnten?

Corvi: Dann würde ich für die Beibehaltung des bisherigen Namens stimmen. Ich bin bei der Mitte-Partei dabei, auch dort war ich gegen die Abschaffung des «C» im Namen. Ich bin konsequent im Dabeibleiben, weil ich eher die Chancen darin sehe. Auch wenn es ein «Change Management» (Veränderung der Organisation, d.Red.) braucht, sollte man sich nicht vorschnell von etwas verabschieden. Die katholischen Frauen haben sich echt weiterentwickelt – der Name aber darf bleiben.

*Gabi Corvi (54) präsidiert den Kirchenverwaltungsrat der Kirchgemeinde Schänis-Maseltrangen im St. Galler Linthgebiet. Zudem ist sie Mitglied im Verwaltungsrat des Zweckverbandes der Kirchgemeinden der Seelsorgeeinheit Gaster. Corvi arbeitet unter anderem als freie Journalistin für verschiedene Medien und engagiert sich in der Politik, sie ist im Vorstand der Ortspartei «Die Mitte Schänis» und in der Parteileitung «Die Mitte Linth».

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Gabi Corvi. | © zVg/Markus Timo Rüegg
19. Februar 2025 | 17:15
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