Fiesch VS wartet auf Änderung des Katastrophen-Gelübdes

Fiesch VS, 16.7.10 (Kipa) Seit der ersten Prozession der Gläubigen von Fiesch im Jahr 1678 hat sich der Aletschgletscher bis heute um 3,5 Kilometer zurückgezogen. Kein Wunder, dass die Fiescher davon ausgehen, dass ihr Gebet erhört wurde. Nun möchten sie, dass der Gletscher, der schwer unter dem Klimawandel leidet, wieder wächst. Sie gelangten im vergangenen Herbst mit einem Abänderungsantrag für das «Katastrophen-Gelübde» aus dem 17. Jahrhundert an den Papst. Doch Rom blieb die Antwort bisher schuldig.

Auch ohne Änderung des Wortlauts ihres Antrags an den Papst werden die Fiescher am 31. Juli zu ihrer Wallfahrt aufbrechen. Der Weg führt von der Pfarreikirche Fiesch über Ernen zur hochgelegenen Kapelle «Maria Heimsuchung». Rund 100 Personen nehmen jeweils an diesem Aufstieg teil, der fünf bis sechs Stunden dauert, erklärte der Organisator des Anlasses, der Gommer Regierungsstatthalter Herbert Volken, auf Anfrage.

Die Prozession geht auf das 17. Jahrhundert zurück. 1678 hatten die Bewohner der Dörfer Fieschertal und Fiesch das Gelübde abgelegt, tugendhaft zu leben und gegen das Wachstum des Aletschgletschers zu beten. Dieses Gelübde wurde vom damaligen Pfarrer Johann Joseph Volken, einem Vorfahren des heutigen Regierungsstatthalters, dem damaligen Papst Innozenz XI. übermittelt.

Delegation in Rom

Nun bedroht die Erderwärmung die Gletscher weltweit, und so auch eines der Wahrzeichen des Wallis: den Aletschgletscher. Dieser schmilzt und schmilzt. Eine Delegation, angeführt vom Gommer Regierungsstatthalter, überbrachte darum Papst Benedikt XVI. vergangenes Jahr am 16. September einen Abänderungsantrag für das «Katastrophen-Gelübde» aus dem 17. Jahrhundert.

Dieses Gelübde soll mit Genehmigung des Papstes in eine Bitte um Beistand gegen den Klimawandel abgeändert werden. Der Vatikan hat jedoch bis heute auf das überbrachte Begehren der Walliser nicht geantwortet, sagte Volken. Über die Änderung eines solchen Gelübde könne nur der Papst befinden. – Der Aletschgletscher erreichte seine grösste Ausdehnung im 19. Jahrhundert.

(kipa/gs/job)

16. Juli 2010 | 15:44
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