Demonstration der Allianz «Es reicht» im März 2014 | © 2014 Sylvia Stam
Schweiz
Demonstration der Allianz «Es reicht» im März 2014 | © 2014 Sylvia Stam

«Es reicht nicht», sagt die Allianz «Es reicht!»

Luzern, 28.2.19 (kath.ch) In der Öffentlichkeit würden kritische und enttäuschte Stimmen zu den Ergebnissen des Anti-Missbrauchsgipfels in Rom vorherrschen. Die Allianz «Es reicht!»,  die für eine glaubwürdige katholische Kirche einsteht, sieht dies differenzierter. Sie anerkennt die erfolgten Schritte, sieht aber noch grossen Handlungsbedarf.

Differenziert und durchaus anerkennend nimmt die Allianz zur Kenntnis, dass die Schweizer Bischofskonferenz an ihrer Versammlung diese Woche «ein klares Statement» zum Missbrauch in der Kirche abgegeben habe. Die Allianz «Es reicht!» ist eine Vereinigung von 14 Deutschschweizer Organisationen innerhalb der katholischen Kirche.

Massnahmen vereinheitlichen

Wie es in einer am Donnerstag publizierten Stellungnahme heisst, müssten die Massnahmen nun konsequent umgesetzt und vereinheitlicht werden, damit sie überhaupt greifen könnten: «Es sind erste Schritte in die richtige Richtung, aber das reicht noch nicht.»

Die Allianz beurteilt die am Sonntag abgeschlossene Anti-Missbrauchskonferenz zwiespältig. Sie kritisiert, dass Opfer nicht direkt mitsprechen konnten und kein «Perspektivenwechsel», keine Verhandlungsoffenheit festzustellen gewesen sei, insbesondere betreffend der «strukturellen und inhaltlichen Ursachen des Machtmissbrauchs». Damit meint sie die Hierarchiegefälle und Abhängigkeitsverhältnisse, die Ungleichverteilung von Macht zwischen Laien und dem Klerus sowie zwischen den Geschlechtern und ausserdem den Pflichtzölibat und die Sexualmoral.

Der Ruf der Kirche ist nachrangig

Positiv beurteilt die Allianz, dass das Thema in Rom «zur Chefsache» erklärt und unverschlüsselt auf den Tisch gebracht wurde. Anerkennend hebt sie auch hervor, dass die Opfer als solche anerkannt und der «bisher oft praktizierten zynischen Umkehrung von Opfer- und Täterrolle kein Raum gelassen» wurde.

In ihrer Stellungnahme stellt die Allianz auch konkrete Forderungen. So müsse der Schutz und die Fürsorge auch für Opfer und potentielle Opfer über alles gestellt werden, insbesondere über die Schonung von Tätern oder die Sorge um den guten Ruf der Institution katholische Kirche.

Zudem wird auch eine systematische Öffnung von Archiven gefordert. Sämtliche erfolgten Missbräuche müssten statistisch aufgearbeitet und veröffentlicht werden. Kirchliche Anlaufstellen müssten unbefangen über das Handeln oder Unterlassungen von Bischöfen urteilen können. Die Allianz schlägt einen Austausch der zuständigen Stellen auf nationaler Ebene vor.

«Systemursachen» verändern

Die Allianz will aber auch, dass in der katholischen Kirche die «Systemursachen» des Missbrauchs erkannt und verändert werden. Sie meint damit die geltende Sexualmoral und die ungleiche Verteilung von Macht zwischen Mann und Frau, Klerus und Laien.

Abschliessend wird in der Mitteilung festgehalten, dass die Mitglieder der Allianz Hand bieten, «bei der Erarbeitung und Umsetzung dieser Massnahmen mitzuwirken – zum Schutz ihrer eigenen Mitglieder und anderen Gefährdeten, aber auch zum Wohl der Kirche und ihrer wertvollen Botschaft». (ms)

Allianz «Es reicht»

Die Allianz «Es reicht» ist ein Zusammenschluss von katholischen Verbänden, die sich für Reformen in der katholischen Kirche einsetzen. Zur Allianz gehören unter anderen der Schweizerische Katholische Frauenbund, die Herbert-Haag-Stiftung, die Katholische Arbeitnehmerinnen-und Arbeitnehmer-Bewegung, die Pfarrei-Initiative, der Verein Tagsatzung.ch sowie der Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen. Die Allianz trat als solche erstmals im März 2014 an die Öffentlichkeit, als sie mit einer Demonstration in St. Gallen den damaligen Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz, Markus Büchel, aufforderte, sich für einen Administrator im Bistum Chur einzusetzen. Ende 2016 machte sie sich mit einer Petition «Für einen Neuanfang im Bistum Chur» stark. Gefordert wurde ein Administrator für das Bistum Chur nach dem Rücktritt von Bischof Vitus Huonder. (sys)

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum