Die Kirche St. Hilarius in Näfels
Schweiz

«Es besteht die Hoffnung, dass Ruhe einkehrt»: Kirchgemeinde Näfels hat einen neuen Kirchenrat

Nach rund zweieinhalb Jahren Zwangsverwaltung durch einen Sachwalter der Landeskirche hat die Glarner Kirchgemeinde Näfels nun einen neuen Kirchenrat gewählt. Gibt es Hoffnung, dass die jahrelangen Konflikte beendet sind und Frieden in St. Hilarius einkehrt? Kath.ch ist auf vorsichtigen Optimismus gestossen. Sachwalter Andreas Schiesser zieht im Interview mit kath.ch ein Fazit seiner Arbeit und kommt zum Schluss, dass das Duale System ein «Schönwetterkonstrukt» sei.

Wolfgang Holz

Nach dem Rücktritt des gesamten Kirchenrates im Oktober 2023 stand die Kirchgemeinde Näfels für insgesamt rund zweieinhalb Jahre unter der Zwangsverwaltung der Landeskirche. Der Rücktritt zum damaligen Zeitpunkt bildete quasi den Höhepunkt der Dauerquerelen zwischen Kirchenrat und Pfarrer.

Neuer Seelsorger und neuer Kirchenrat

Seit August 2025 hat die Pfarrei einen neuen Seelsorger: Gregor Barmet ist Pfarradministrator. Und es gibt nach zweieinhalb Jahren endlich wieder einen neu gewählten Kirchenrat. Eine beachtliche Anzahl an Stimmberechtigten in der Dorfturnhalle Näfels, die vor kurzem zur Frühjahrs-Kirchgemeindeversammlung erschienen, wählten die sechs Kandidierenden «mit überwältigendem Mehr», wie Sachwalter Andreas Schiesser öffentlich mitteilte.

Direkt ins Amt gewählt wurden dabei als Präsident Peter Hauser aus Näfels und als Kirchengutsverwalter Alex Hager aus Mollis. Die weiteren gewählten Ratsmitglieder sind Gianluca Civilla – erstmals ein Italiener – sowie Stefan Fischli aus Näfels und Rino Lacher und Ramona Landolt aus Mollis. Ihre Ressorts werden ihnen an einer konstituierenden Sitzung zugeteilt.

Haussegen nun nicht mehr schief?

So weit so gut. Fast schon so gut, als ob künftig der Haussegen in der Kirchgemeinde Näfels, der jahrelang schief hing wegen Kompetenzstreitigkeiten und Rivalitäten zwischen Pfarramt und Pfarrer einerseits und Kirchenrat andererseits, nun endlich wieder gerade hängt. So mancher Gläubige in Näfels meint sogar, es habe sich wohl ein Pfingstwunder ereignet.

Kirchgemeindeversammlung in Näfels am 10. Juni 2022
Kirchgemeindeversammlung in Näfels am 10. Juni 2022

«Es besteht die Hoffnung, dass nun Ruhe einkehrt», nimmt Kantonalkirchenratspräsident Magnus Oeschger gegenüber kath.ch Stellung. Die Kirchenratswahlen seien ordnungsgemäss über die Bühne gegangen und die Kandidierenden mit grosser Mehrheit gewählt worden. Demnächst werde es eine Sitzung geben, die über die Übergabe der Kirchgemeindegeschäfte des Sachwalters an den neuen Kirchenrat befinde, der dann selbstständig weiteragiere. «Es kann aber auch sein, dass wir den Sachwalter als Begleitung noch eine Weile belassen», so Oeschger.

«Der neue Pfarradministrator hat ebenfalls sehr zur Beruhigung des Kirchenlebens beigetragen und wirkt aus meiner Sicht sehr integrierend.»

Denn mit der Arbeit des Sachwalters in den vergangenen rund zweieinhalb Jahren ist die Landeskirche laut Oeschger sehr zufrieden gewesen. Alles habe geklappt, die Löhne seien immer ausbezahlt worden, der Notbetrieb habe funktioniert, und der Sachwalter habe auch einen neuen Pfarradministrator ins Amt gesetzt.

«Der neue Pfarradministrator hat ebenfalls sehr zur Beruhigung des Kirchenlebens beigetragen und wirkt aus meiner Sicht sehr integrierend – nicht zuletzt auch aus der Perspektive heraus, dass er nun wohl länger in der Pfarrei bleiben wird», lobt Oeschger.

«Bruchlinien» noch vorhanden

Andererseits verhehlt der Vertreter der Landeskirche nicht, dass die «Bruchlinien» in der Kirchgemeinde nach wie vor vorhanden seien. «Dies war insbesondere wieder vor den Wahlen spürbar.» Sprich: In der Kirchgemeinde Näfels sei eine gewisse Unruhe nichts Ungewöhnliches, so Oeschger, weil es einerseits sehr konservative Kräfte und sehr progressive Kräfte gebe. «Andererseits wollen so manch alteingesessene Familien ihren Einfluss geltend machen.»

Blick auf Näfels GL.
Blick auf Näfels GL.

In der Tat. Die Ruhe nach dem Sturm infolge der jüngst erfolgreichen Kirchenratswahlen muss noch längst nicht dauerhaft sein. Ein Kenner der Kirchenszene in Näfels, der seinen Namen nicht online lesen will, bestätigt zwar, dass nun eine gewisse Ruhe in der Kirchgemeinde eingetreten sei. «Doch es ist eher eine Ruhe des Stillschweigens als des inneren Friedens», betont er.

In Näfels 152 Kirchenaustritte

Traurig sei dabei vor allem, dass eine Gleichgültigkeit unter den Gläubigen zu spüren sei, die nicht mehr sehr zahlreich die Gottesdienste besuchen würden und sich scheuten, sich öffentlich zu äussern. Nicht zuletzt habe man von 2021 bis 2024 mehr als 300 Kirchenaustritte in der Gemeinde Glarus-Nord, zu der Näfels gehört, hinnehmen müssen.

Gregor Barmet, seit August 2025 Pfarradministrator in der Pfarrei St. Hilarius in Näfels
Gregor Barmet, seit August 2025 Pfarradministrator in der Pfarrei St. Hilarius in Näfels

Wobei es in Näfels 152 Kirchenaustritte gewesen seien. «Es herrscht quasi Funkstille in der Kirchgemeinde», ist der Näfelser überzeugt. Positiv findet er, dass der neue Kirchenratspräsident ein Unternehmer sei. Zudem sei der neue Pfarradministrator sehr bemüht um den inneren Frieden und hinterlasse einen klugen Eindruck.

Varandas bleibt vage

Apropos. Obwohl kath.ch versucht hat, Kontakt mit dem neuen Kirchenratspräsidenten aufzunehmen – telefonisch und mit Fragen per Mail – sind Antworten ausgeblieben. Und Luis Varandas, Bischofsstellvertreter und Generalvikar der Bistumsregion Zürich-Glarus, antwortet kath.ch per Mail in Sachen Zukunft der Kirchgemeinde Näfels lediglich: «Da ich keine Information von der Kirchgemeinde Näfels erhalten habe, kann ich Ihre Fragen zum (neuen Kirchenrat, die Red.) nicht beantworten. Selbstverständlich würde es mich freuen, wenn der Kirchenrat wieder vollzählig besetzt werden kann und somit wieder handlungsfähig wird.»

Der kirchliche Frieden in Näfels scheint also noch immer fragil. Und was sagt eigentlich der neue Pfarradministrator Gregor Barmet zur Zukunft der Kirchgemeinde Näfels angesichts des neu gewählten Kirchenrats? Noch nicht viel. Denn, wie sich inzwischen herausgestellt habe, so Barmet gegenüber kath.ch, sei die Kirchgemeindeversammlung anscheinend zu spät einberufen worden. «Das heisst, es könnte noch einen Rekurs geben – wir wollen eigentlich erst Stellung nehmen, wenn die Wahl vollumfänglich gültig ist.»

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Aus Sicht des Sachwalters Andreas Schiesser ist die Wahl zur Kirchgemeindeversammlung indes nicht zu spät einberufen worden und es sei bislang auch keine Stimmrechtsbeschwerde bei ihm eingegangen. «Deshalb ist aus meiner Sicht die Wahl gültig.»

«Schönwetterkonstrukt»: Duales System

Zweieinhalb Jahre lang managte Andreas Schiesser die Geschicke der Kirchgemeinde Näfels als Sachwalter im Auftrag der Kantonalkirche, weil es in Näfels keinen Kirchenrat mehr gab. Im Interview mit kath.ch blickt er zurück auf seine Zeit.

Sind Sie froh, Herr Schiesser, dass Sie nach zweiweinhalb Jahren Zwangsverwaltung im Namen der Landeskirche nun einen neuen Kirchenrat etablieren konnten?

Andreas Schiesser: Ja, die Suche nach Mitgliedern für einen neuen Kirchenrat erwies sich als äusserst schwierig, was meiner Meinung nach ein allgemeines gesellschaftliches Problem ist und nur zum Teil mit der Situation in Näfels zu tun hat. Es sind immer weniger Leute bereit, sich im Sinne der Allgemeinheit zu engagieren. Eine Sachwalterschaft ist immer eine ausserordentliche Situation, die nur so lange wie nötig anhalten sollte. Meine Aufgabe ist es, die laufenden Geschäfte sicherzustellen. Das heisst, ich verwalte den Status Quo, eine Weiterentwicklung des Gemeindelebens kann nur sehr begrenzt stattfinden.

Andreas Schiesser war seit November 2023 als Sachverwalter in Näfels eingesetzt.
Andreas Schiesser war seit November 2023 als Sachverwalter in Näfels eingesetzt.

Waren diese zweieinhalb Jahre eine schwere Zeit für Sie?

Schiesser: Schwer würde ich nicht sagen, aber sicher herausfordernd. Es gab in dieser Zeit Höhen und Tiefen, manchmal machten wir zwei Schritte vorwärts und einen zurück. Rückblickend brauchte es wohl diese Zeit, um einen Neustart wagen zu können. Andererseits waren dies zweieinhalb Jahre für mich auch eine sehr lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte.

«Ich hatte während der ganzen Zeit ein engagiertes Seelsorgeteam an meiner Seite, welches das kirchliche Leben mit viel Herzblut und Engagement aufrechterhalten hat.»

Wie hat man sich das kirchgemeindliche Leben in der Kirchgemeinde Näfels ohne Kirchenrat rückblickend vorzustellen? Ging da überhaupt irgendwas?

Schiesser: Das Gemeindeleben wird ja hauptsächlich durch die Pfarrei geprägt, gottseidank hatte ich während der ganzen Zeit ein engagiertes Seelsorgeteam an meiner Seite, welches das kirchliche Leben mit viel Herzblut und Engagement aufrechterhalten hat.

Um was mussten Sie sich als Zwangsverwalter am meisten kümmern, was waren Ihre grössten Sorgen?

Schiesser: Wie auch die Privatwirtschaft ist die Kirche nicht vom Fachkräftemangel verschont. In meiner Amtszeit gab es einige personelle Wechsel, so dass das Suchen und Finden geeigneter Personen einen wesentlichen Teil meiner Zeit in Anspruch nahm. Glücklicherweise fanden wir für die vakanten Positionen aber immer kompetenten Ersatz.

Wie steht die Kirchgemeinde Näfels nun da nach mehr als zwei Jahren Zwangsverwaltung?

Schiesser: Ich glaube, die Kirchgemeinde ist zur Ruhe gekommen, was mein erklärtes Ziel war. Der grösste Teil der Mitglieder wünscht sich einen Neustart und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Das hat unter anderem das Dorffest am Pfingstwochenende gezeigt, bei dem die Kirchgemeinde mit einem Festtagsgottesdienst eingebunden war. Mit Pfarrer Gregor Barmet haben wir einen umsichtigen und engagierten Leiter an der Spitze der Pfarrei, dem es in kürzester Zeit gelungen ist, eine gute Verbindung zu den Gläubigen in Näfels, Mollis und auf dem Kerenzerberg, aber auch zur Dorfbevölkerung ganz allgemein, zu knüpfen.

Haben Sie viel Kontakt zu den Mitgliedern und Gläubigen der Pfarrei Näfels gehabt?

Schiesser: In Näfels gibt es einige sehr engagierte Personen, mit denen ich in regelmässigem Kontakt stand. Auch besuchte ich immer wieder mal einen Gottesdienst und war bei den Pfarreiforen dabei. Ich habe versucht, den Puls der Gemeindemitglieder zu spüren.

«Allerdings ist das Duale System nach meiner Meinung schon ein bisschen ein «Schönwetterkonstrukt», das bei tiefergreifenden Konflikten keine echten Problemlösungsstrategien bereithält.»

Sind Sie nach wie vor ein Fan des dualen Systems nach der Erfahrung von Näfels?

Schiesser: Ich habe mit den drei Pfarrherren Weglarzy, Karber und Barmet sehr gut und konstruktiv zusammengearbeitet. Wenn sich ein jeder auf seine Aufgaben konzentriert, und man im regelmässigen Austausch ist, funktioniert das duale System sehr gut. Allerdings ist es nach meiner Meinung schon ein bisschen ein «Schönwetterkonstrukt», das bei tiefergreifenden Konflikten keine echten Problemlösungsstrategien bereithält. (woz)


Die Kirche St. Hilarius in Näfels | © Regula Pfeifer
3. Juni 2026 | 17:00
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