Mahmud Moschee Zürich | © 2015 Sylvia Stam
Schweiz
Mahmud Moschee Zürich | © 2015 Sylvia Stam

Eine Drittel der Muslime in der Schweiz macht offenbar schlechte Erfahrungen

Bern, 3.1.18 (kath.ch) Rund ein Drittel der Muslime in der Schweiz machen negative Erfahrungen. Das ist einer nicht-repräsentativen Studie zu unternehmen, welche das Meinungsforschungsinstitut GFS in Bern am Mittwoch veröffentlichte.

Georges Scherrer

Statistiken haben es an sich, dass sie verschieden interpretiert werden können. Die Zeitung «Blick» veröffentlichte am Mittwoch die «exklusive Studie» des GFS unter dem Titel «Jeder zweite Muslim fühlt sich diskriminiert» und zwar eine Mehrheit von «55 Prozent». Die Zahl kam wie folgt zustande. 30 Prozent gaben gegenüber GFS an, eine persönliche Diskriminierung selbst erfahren haben. 25 Prozent erklärten, dass Personen aus ihrem Umfeld eine solche Erfahrung gemacht hätten.

Der «Blick» konnte diese Zahlen vorab publizieren. Wie eine Sprecherin des Umfrageinstituts in Bern gegenüber kath.ch erklärte, habe GFS einen Medienpartner gesucht und sei auf die Boulevardzeitung zugegangen. Interessant ist auch, wie diese Umfrage entstand. In Auftrag gegeben wurde sie gemäss GFS von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) in der Schweiz. Diese Organisation wird als verlängerter Arm der AKP in Europa angesehen, der Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Muslime türkischer Herkunft «überrepräsentiert»

Die Daten für die Umfrage wurden um die Jahreswende 2016/2017 über ein «Schneeballverfahren» erfasst. Mehrere muslimische Verbände in der Deutschschweiz lieferten eine Liste von Personen, die befragten werden konnten. Diese gaben weitere Namen von Personen, an welche das Institut gelangen konnte. Befragt wurden schliesslich 511 Personen.

49 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nicht einem ortsansässigen Verein angehörten. Rund zwanzig Prozent erklärten, sie hätten nicht das Gefühl, der muslimischen Gemeinde der Schweiz anzugehören.

Selbstkritisch merkt GFS Bern an, dass die Studie «gewisse Lücken und systematische Abweichungen» enthält. Überrepräsentiert seien Muslime türkischer Herkunft. «Die Pilotstudie müsste aber in einem erweiterten Setting wiederholt werden», schreibt das Meinungsforschungsinstitut in seinem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. So müssten mehr Leute aus Albanien, Bosnien, dem asiatischen und afrikanischen Raum angesprochen werden.

Beleidigungen und Vandalismus

Gemäss der Pilotstudie machen rund ein Drittel der befragten Muslime in der Schweiz negative Erfahrungen. 36 Prozent erlebten es als negativ, wenn sie auf ihre Religion angesprochen würden. 35 Prozent hätten «Hasskriminalität» erfahren. Als Hasskriminalität wird gemäss der Erklärung von GFS Bern eine Form der Gewaltkriminalität verstanden, die sich gegen Personen richtet, die als «fremd» oder «anders» empfunden werden.

Damit ein Übergriff als Hasskriminalität definiert werden könne, sei eine Straftat Voraussetzung. Gewaltverbrechen und Sachbeschädigungen von fremdem Eigentum würden etwa als solche Straftaten gelten. Gemäss GFS Bern würden «hasskriminelle Erfahrungen» im öffentlichen Raum oder bei der Arbeit gemacht. Dazu gehörten Beleidigungen, Vandalismus und die – «allerdings selten rapportierte», so GFS – handtätige Gewalt.

Kopftuch Anlass zur Diskriminierung

Häufig würden solche Erfahrungen beim Tragen von Kopftüchern gemacht. Diese seien dann «überhaupt erst Anlass für Diskriminierungen». 30 Prozent berichteten von Diskriminierungen, der sie selber zum Opfer fielen. «Mit 55 Prozent, die entweder selber oder über Personen aus dem eigenen Umfeld Diskriminierung erlebten, sind Diskriminierungserfahrungen unter Muslimen weit verbreitet», schreibt GFS.

Als klar negativ nehmen 85 Prozent der Befragten die Darstellung des Islams durch die Medien wahr. Die Medien hätten zur Verschlechterung des Verhältnisses zwischen den Muslimen und Nicht-Muslimen beigetragen. Über 90 Prozent sind der Ansicht, dass in den Medien über die Muslime negativ berichtet werde. Über das Christentum werde hingegen positiv oder neutral geschrieben, erklärten 71 Prozent der Befragten.

Gratiszeitungen sind wichtigste Info-Quelle

GFS wollte auch wissen, wo sich die Befragten informieren. Am beliebtesten sind die Gratiszeitungen. 63 Prozent lesen diese. Den Gratiszeitungen folgen Schweizer Nachrichtenportale im Internet und danach das Schweizer Fernsehen. Ein Fünftel der Befragten liest «bezahlte Tageszeitungen».

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