Schweiz

Ein kleinmütiger und voreiliger Entscheid

Zürich, 21.2.18 (kath.ch) Die muslimische Seelsorge im Asylzentrum Juch geht auf eine Anregung des Interreligiösen Runden Tischs im Kanton Zürich zurück. Entsprechend zeigt sich das Gremium enttäuscht über den Entscheid des Staatssekretariats für Migration, das erfolgreiche Projekt wegen fehlender Finanzen einzustellen, schreibt Markus Köferli, Sekretär des Runden Tischs, in seinem Gastkommentar.  

Das seit dem 1. Juli 2016 laufende Pilotprojekt der muslimischen Seelsorge im Zentrum Juch Zürich-Altstetten wurde vom Staatssekretariat für Migration (Sem) in enger Zusammenarbeit mit der reformierten und katholischen Kirche und dem israelitischen Gemeindebund erarbeitet. Eine wissenschaftliche Evaluation des Projekts hält starke Botschaften als Fazit fest:

Einerseits wirke sich die muslimische der Seelsorge positiv auf das Wohlbefinden der Asylsuchenden und der mit ihnen Arbeitenden aus. Ausserdem sei die Interreligiosität zwischen christlichen und muslimischen Seelsorgenden gelungen, sie bringe einen friedensfördernden Impuls zum Ausdruck.

Hier wird fahrlässig verallgemeinert.

Der Bericht konstatiert die gute Erfahrung der Zusammenarbeit zwischen muslimischen Seelsorgenden und den andern Diensten im Zentrum. Schliesslich wurde ein grosses Interesse festgestellt nicht nur der beteiligten Vereinigung Islamischer Organisationen Zürich (Vioz) als muslimischer Partnerorganisation, sondern auch weiterer muslimischer Dachverbände, ihre Erfahrungen und Ressourcen für eine mögliche Ausweitung auf andere Bundeszentren einzubringen.

Dass dieses erfolgreiche Pilotprojekt mit gesamtgesellschaftlichem Nutzen nun durch das Sem aus finanziellen und legalistischen Gründen per Ende Juni eingestellt wird, ist kleinmütig und voreilig. Auch werden damit einmal mehr selbsternannte Experten wie Frau Keller-Messahli unterstützt, die in der Tagesschau vom 16. Februar jegliche Zusammenarbeit mit islamischen Verbänden ablehnte. Hier wird fahrlässig verallgemeinert und ein rigoroses Bedrohungsszenario gepredigt, das keiner ernsthaften Analyse standhält.

Wir bleiben dran!

Der Interreligiöse Runde Tisch im Kanton Zürich, der 2013 die Erweiterung der Seelsorge beim Sem angeregt hat, bedauert den Entscheid. Die Zürcher Involvierten wurden – trotz gegenteiliger Versprechen im letzten Sommer – nicht einbezogen. Zumindest für das Zentrum Juch hätten doch gemeinsam auch Mittel und Wege gefunden werden können, dieses erwiesenermassen positiv wirkende Projekt weiterzuführen. Wir bleiben dran!


Das Geld reicht nicht. | © Sylvia Stam
21. Februar 2018 | 12:10
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