Erwin Koller (rechts) an einer Tagung im Romero-Haus Luzern | © Vera Rüttimann
Schweiz
Erwin Koller (rechts) an einer Tagung im Romero-Haus Luzern | © Vera Rüttimann

«Das Wahlrecht des Churer Domkapitels ist nicht tangiert!»

Luzern, 22.11.16 (kath.ch) Das Churer Domkapitel werde keineswegs umgangen, wenn nach dem Rücktritt von Bischof Vitus Huonder ein Administrator eingesetzt würde. Das sagt Erwin Koller, Sprecher der Allianz «Es reicht» im Gespräch mit kath.ch. Es müsste lediglich warten, bis Ruhe im Bistum eingekehrt sei. Koller gibt allerdings zu, dass die Allianz mehr Vertrauen in Papst Franziskus hat als in das aktuelle Churer Domkapitel.

Sylvia Stam

Die Einsetzung eines Administrators, wie es die kürzlich lancierte Petition verlangt, würde das Churer Domkapitel umgehen. Warum soll das Domkapitel umgangen werden?

Erwin Koller: Wir kritisieren nichts am Domkapitel oder an dessen Wahlrecht. Wir sagen lediglich, es brauche eine Pause. Im Moment ist im Bistum Chur so vieles zerrüttet, dass zuerst Ruhe einkehren muss, damit nachher ein normales Wahlverfahren stattfinden kann, wie es vorgesehen ist.

Führt denn ein Administrator zwingend zu mehr Ruhe?

Koller: Er muss entsprechend ausgesucht werden. Man ist in der Personalfrage, wen man zum Administrator macht, freier als bei der Wahl eines Bischofs. Ein Administrator kann beispielweise auch aus einem anderen Bistum kommen oder ein Ordensmann sein. Dass er eine sehr anspruchsvolle Aufgabe hat, ist unbestritten.

Man ist in der Personalfrage des Administrators freier als bei der Bischofswahl.

Aber warum soll ein Administrator in die jetzige Situation hinein mehr Ruhe bringen als ein neuer Bischof? Man weiss ja in beiden Fällen nicht, was für eine Person das sein wird.

Koller: Das ist richtig. Aber ein Administrator würde mit einem befristeten Auftrag für diese Aufgabe geholt. Diesen Auftrag muss Rom geben. Wir spielen den Ball dorthin zurück, wo das Unbehagen herkommt. Mit der Petition bitten wir um diesen Auftrag.

Sie haben also mehr Vertrauen in Rom als in das Domkapitel.

Koller: Ja. Wir hoffen, dass es in Rom ausser Papst Franziskus noch andere gibt, die das Herz auf dem rechten Fleck haben. Wenn diese mehr Wert auf die Seelsorge legen als auf eine Ideologie, dann müssten sie ein Interesse daran haben, dass im Bistum Chur Ruhe einkehrt. Natürlich steht im Hintergrund auch die Tatsache, dass das Domkapitel durch die Herren Haas und Huonder entsprechend zusammengesetzt ist, dass man sich an den Fingern abzählen kann, wie die Wahl herauskommen wird.

Beim Domkapitel kann man sich an den Fingern abzählen, wie die Wahl herauskommen wird.

Soll mit der Petition also die Wahl von Martin Grichting zum Bischof verhindert werden?

Koller: Das ist nicht unser Ziel. Grichting wäre tatsächlich eine Fortsetzung der jetzigen verfahrenen Situation. Ich möchte mich aber zu Personen nicht äussern. Der Administrator kann ein Konservativer oder ein Fortschrittlicher sein, aber es muss jemand sein, der Brücken bauen will. Er darf kein Reaktionärer sein, der einen ideologischen Kurs durchzieht.

In den Medien kursiert der Name des Generalministers der Kapuziner, Mauro Jöhri. Halten Sie ihn für einen valablen Kandidaten?

Koller: Ich kenne ihn zu wenig.

Was sagen Sie zum Vorwurf des Juristen Niklaus Herzog  gegenüber der «Obwaldner Zeitung» (18. November), «ausgerechnet die Petitionäre, die auf ein Mitspracherecht der Ortskirche insistieren, verlangen, dass das Domkapitel auf sein Wahlrecht verzichtet»?

Koller: Das haben wir nicht verlangt. Wir haben nie geschrieben, dass das Domkapitel verzichten müsse. Das Wahlrecht des Domkapitels ist nicht tangiert! Aber ich wehre mich dagegen, dass man der Konfrontation mit einem gewaltigen Problem der Seelsorge in der Diözese Chur dadurch aus dem Weg zu gehen versucht, dass man juristische Paragraphen auflistet. Juristische Debatten sind in diesem Kontext ein Ablenkungsmanöver.

Die Allianz «Es reicht» ist ein Zusammenschluss von katholischen Verbänden, die sich für Reformen in der katholischen Kirche einsetzen. Zur Allianz gehören unter anderen der Schweizerische Katholische Frauenbund, die Herbert-Haag-Stiftung, die Katholische Arbeitnehmerinnen-und Arbeitnehmer-Bewegung, die Pfarrei-Initiative, der Verein Tagsatzung.ch sowie der Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen.

Viel Spekulation um die Nachfolge von Bischof Huonder


Allianz "Es reicht!" lanciert am 11. November 2016 in Chur die Petition "Gemeinsam für einen Neuanfang im  Bistum Chur. | © zVg
Allianz "Es reicht!" lanciert am 11. November 2016 in Chur die Petition "Gemeinsam für einen Neuanfang im Bistum Chur. | © zVg
Kathedrale Chur mit Haupteingang | © 2015 Georges Scherrer
Kathedrale Chur mit Haupteingang | © 2015 Georges Scherrer

Weihbischof Peter Henrici zur Debatte: Nicht den Teufel an die Wand malen

Der frühere Weihbischof Peter Henrici stellt in der Debatte um die Bischofswahl in Chur klar: Wenn nach dem ordentlichen Rücktritt eines Bischofs bis zur Wahl eines Nachfolgers ein sogenannter Administrator eingesetzt wird, hat das überhaupt keine Auswirkung auf das verbriefte Bischofswahlrecht. In einer Stellungnahme auf kath.ch begründet der 88-Jährige seine Haltung.

Verlust des Bischofswahlrechts in Chur? Nicht den Teufel an die Wand malen

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