Bestatter-Verband: Auflösen im Tank nicht zwingend günstiger
Sich umweltfreundlicher bestatten lassen – das finden auch Bestatter in der Schweiz sinnvoll. Laut dem Verband der Schweizer Bestatter (SVB) ist allerdings beim Auflösen von Leichen im Lauge-Tank noch vieles unklar.
Erzbischof Tutu liess sich aus Umweltschutzgründen mittels alkalischer Hydrolyse bestatten. Anders als bei einer Kremation, bei der der Körper von Verstorbenen durch Feuer aufgelöst wird, geschieht dies bei der Hydrolyse in einem Tank mit Lauge. Das soll energieschonender und damit grüner sein.
In der Schweiz verboten
Auch in der Schweiz halten Bestatter die hierzulande bislang verbotene Methode für berücksichtigenswert. Laut dem Schweizer Verband der Bestattungsdienste (SVB) ist aber noch vieles rund um die neue Bestattungsform ungewiss. «Eine neue Methode wird sich nur durchsetzen, wenn sie wirklich ökologischer und günstiger als eine Kremation ist. Das kann man von dieser Methode bisher nicht mit Bestimmtheit sagen», sagt Adrian Hauser. Er ist Vizepräsident und Sprecher des Verbandes.
Ungelöste praktische Fragen
Aus seiner Sicht sind noch einige praktische Fragen ungelöst. «Es ist sicherlich auch ein Kriterium, wie der Leichnam in der Zwischenzeit auf dem Friedhof aufgebahrt werden kann. Das ist bisher nur mit einem Sarg möglich.»
Bei der Kremation brauche es den Sarg, um den Körper einzuäschern. Bei der alkalischen Hydrolyse muss man laut Hauser hingegen nach einer Aufbahrung den Körper wieder aus dem Sarg oder einem Mehrwegbehältnis nehmen, um den Leichnam danach in den Tank zu überführen.
Längere Dauer, tiefere Kosten?
Gemäss Hauser dauert der Vorgang fast doppelt so lange wie eine Kremation – bis zu drei gegenüber eineinhalb Stunden. Dies lasse den Preis ansteigen.
«Die Kremation ist ökologisch nicht unbedenklich.»
Grundsätzlich spreche aber nichts gegen die Methode. Sie sei schlicht noch zu unbekannt, findet Hauser. Auch eine Aufhebung des Verbots wäre aus seiner Sicht in Ordnung.
Ökologie wichtiges Argument
Dass die Kremation nicht sehr umweltfreundlich sei, ist für Hauser indessen klar. «Die Kremation ist ökologisch nicht unbedenklich. Sollte sich der Tank mit der Lauge wirklich als ökologisches Highlight herausstellen, bin ich überzeugt, dass diese Methode eine Zukunft hat.»
Schon jetzt sei Ökologie in der Branche ein wichtiges Thema. Viele Bestatter hätten bereits jetzt auf ökologischere Fahrzeuge umgestellt und führten ihre Büros möglichst papierlos. «Wir alle müssen uns täglich bemühen, dem Gedanken der Ökologie Rechnung zu tragen.»
Bestattung grosses Geschäft in den USA
Oder geht es schlicht um neue Geschäftsmöglichkeiten? Jedenfalls kommt für Hauser nicht von ungefähr, dass das Verfahren bislang vor allem in England und USA ein Thema ist – in jenen Ländern also, die «um einen Leichnam ein grosses Geschäft aufgezogen haben», wie Hauser sagt.
Allerdigs geht es bislang statt um Auflösung eher um den Erhalt. In England und Amerika werde praktisch jeder Leichnam einbalsamiert – die Gründe sind Hauser nicht bekannt.
In der Schweiz gilt die Vorschrift, dass während 96 Stunden nach dem Eintreten des Todes ein Leichnam beerdigt oder kremiert werden muss. Ausnahmen kann der jeweilige Kantonsarzt bewilligen. (uab)
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