Bernhard Waldmüller, Ständiger Diakon in Kriens
Namenstag

Bernhard Waldmüller: «Bernhard Lichtenberg war über weite Strecken ein einsamer Rufer»

Der Berliner Priester Bernhard Lichtenberg rief zum Gebet für die Juden auf und wurde daraufhin von den Nazis verhaftet. «Er ist ein echter Mann des Gewissens», sagt der ständige Diakon Bernhard Waldmüller. Er feiert heute Namenstag.

Jacqueline Straub

Heute wird des Heiligen Bernhard Lichtenbergs gedacht. Wann ist er Ihnen das erste Mal begegnet?

Bernhard Waldmüller*: Ich habe von ihm zum ersten Mal gehört, als ich mich für meine Maturaarbeit zum Thema «Katholische Kirche im Nationalsozialismus» eingelesen habe. Bernhard Lichtenberg war ein Priester in Deutschland und trat während der NS-Zeit öffentlich für die Verfolgten ein. Er wurde ins Konzentrationslager Dachau gebracht, starb aber in einem Krankenhaus, da er schwer herz- und nierenkrank war. Auch im Studium ist mir Bernhard Lichtenberg begegnet – und zwar in einem Seminar über Widerstand im Nationalsozialismus. 

Seliger Bernhard Lichtenberg in Berlin.
Seliger Bernhard Lichtenberg in Berlin.

Was bedeutet Ihnen Bernhard Lichtenberg?

Waldmüller: Er ist eine sehr eindrückliche Gestalt und leider auch über weite Strecken ein einsamer Rufer. Er ging weit über das hinaus, was die meisten Bischöfe und Priester damals getan haben und hat dafür einen hohen Preis bezahlt. Er ist ein echter Mann des Gewissens. 

Was bedeutet Ihr Name Bernhard?

Waldmüller: Der Name stammt von den beiden germanischen Wurzeln «bern» (Bär) und «hard» (stark) ab. Bernhard bedeutet also «stark wie ein Bär».

Bernhard Waldmüller
Bernhard Waldmüller

Gefällt Ihnen diese Bedeutung?

Waldmüller: Um ehrlich zu sein, konnte ich mit der Bedeutung noch nie viel anfangen.

Warum haben Ihre Eltern Sie Bernhard genannt?

Waldmüller: Als meine Mutter mit mir schwanger war, besuchte sie das Grab des Seligen Bernhard Lehner. Er war ein Gymnasiast, der schon mit 14 Jahren starb und offenbar in seinem Glauben tiefen Eindruck hinterlassen hatte. Sie hat sich damals vorgenommen, ihr Kind Bernhard zu nennen, wenn es ein Sohn wird. 

Der aufgebahrte Leichnam des Berliner Domprobsts Bernhard Lichtenberg am 5. November 1943 in Hof.
Der aufgebahrte Leichnam des Berliner Domprobsts Bernhard Lichtenberg am 5. November 1943 in Hof.

Gefällt Ihnen der Name?

Waldmüller: Ja, inzwischen schon. Denn er ist nicht so häufig. Als Kind fand ich ihn aber immer zu lange. 

Haben Sie einen Spitznamen?

Waldmüller: Seit 30 Jahren nicht mehr.

Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Mädchen geworden wären?

Waldmüller: Das weiss ich nicht. 

Auf den Spuren von Bernhard Lichtenberg: Papst Johannes Paul II. traf 1996 Vertreter der jüdischen Gemeinde in Berlin.
Auf den Spuren von Bernhard Lichtenberg: Papst Johannes Paul II. traf 1996 Vertreter der jüdischen Gemeinde in Berlin.

Es gibt auch den Heiligen Bernhard von Clairvaux. Was verbinden Sie mit ihm?

Waldmüller: Er ist eine faszinierende Person. Er war ein grosser Prediger, ein geistlicher und theologischer Schriftsteller mit riesigem Charisma und Unternehmergeist. Und er war prägend für seine Zeit. Er hatte aber auch Schattenseiten. Dennoch: Für mich ist er eine ganz besondere Person. 

Ein Bild von Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux in der ehemaligen Zisterzienserabtei Salem
Ein Bild von Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux in der ehemaligen Zisterzienserabtei Salem

Welche Eigenschaft hätten Sie gerne von ihm?

Waldmüller: Ich hätte gerne etwas von seinem Mut, seinem Charisma und seiner Begeisterungsfähigkeit.

Feiern Sie Ihren Namenstag?

Waldmüller: Ja, allerdings ganz bescheiden.

* Bernhard Waldmüller stammt aus Bayern und ist seit über 30 Jahren in der Schweiz. Er ist ständiger Diakon und Leiter des Pastoralraums Kriens LU. Er ist zudem im Bereich Leitung und Spiritualität als Referent und Autor tätig. Bis vor kurzem war er «Wort zum Sonntag»-Sprecher.

Bernhard Waldmüller feiert heute Namenstag. Sein Patron Bernhard (Bernd) Lichtenberg war Priester in Berlin-Charlottenburg. Weil er zum Gebet für Juden und andere Häftlinge in Gefängnissen und Konzentrationslagern aufgerufen hatte und in der Kirche öffentlich für «Nichtarier» betete, wurde er verhaftet. Als er nur noch 35 Kilogramm wog, wurde der Berliner Dompfarrer in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er bald darauf, am 5. November 1943, starb.


Bernhard Waldmüller, Ständiger Diakon in Kriens | © zVg
5. November 2022 | 07:38
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