Carlo de Stasio
Namenstag

Carlo de Stasio: Ich habe meine Mutter nie kennen gelernt

Carlo de Stasio ist nach Karl Borromäus benannt, dem Erzbischof von Mailand. Der ging als Kirchenreformer der Gegenreformation in die Geschichte ein. Seine leibliche Mutter hat der Priester Carlo de Stasio nie kennen gelernt. Umso mehr freut er sich über die Namenswahl.

Raphael Rauch

Warum Sie Ihre Eltern Carlo genannt?

Carlo de Stasio: Mein Name kam aus dem Mund meiner leiblichen Mutter wie ein Seufzer. Da ich sie nie getroffen habe, weiss ich nicht, warum sie diesen Namen für mich gewählt hat. 

Franziska Driessen-Reding (links) mit Papst Franziskus. Rechts mit Don Carlo de Stasio.
Franziska Driessen-Reding (links) mit Papst Franziskus. Rechts mit Don Carlo de Stasio.

Gefällt Ihnen Ihr Name?

De Stasio: Ich liebe meinen Namen! Ich möchte Artikel 7.1 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes zitieren, die am 20. November 1989 angenommen wurde: Das Kind wird unmittelbar nach seiner Geburt registriert und hat von da an das Recht, einen Namen zu erhalten, eine Staatsangehörigkeit zu erwerben und, soweit möglich, seine Eltern zu kennen und von ihnen erzogen zu werden. In meinem Fall war es nicht möglich, meine leiblichen Eltern zu kennen. Aber dank der Frau, die mich geboren hat, habe ich das Recht auf einen Namen, auf Würde, auf eine Zukunft erhalten. Ich bin ihr unendlich dankbar.

Karl Borromäus, Glasfenster in der Kirche St. Josef, Zürich
Karl Borromäus, Glasfenster in der Kirche St. Josef, Zürich

Was verbinden Sie noch mit Ihrem Namen?

De Stasio: Karl Borromäus ist in Italien ein wichtiger Heiliger. Der 4. November ist in Italien zugleich der Tag der nationalen Einheit und der Tag der Streitkräfte – bis 1975 war er sogar ein gesetzlicher Feiertag.

Audienz bei Papst Franziskus am 11.11.2021: Links umrandet Carlo de Stasio, rechts umrandet Franziska Driessen-Reding.
Audienz bei Papst Franziskus am 11.11.2021: Links umrandet Carlo de Stasio, rechts umrandet Franziska Driessen-Reding.

Haben Sie einen Spitznamen?

De Stasio: Nein.

Wie hätten Sie als Mädchen geheissen?

De Stasio: Keine Ahnung. Ich mag den Namen Livia.

Was bedeutet Ihnen die wörtliche Bedeutung des Namens «Karl»?

De Stasio: Der Name ist germanischen Ursprungs und bedeutet «freier Mann». Gemeint ist jemand, der die Macht hat, das Gute zu tun. Wäre mein Leben anders verlaufen, wenn meine Mutter mich Giorgio oder Francesco statt Carlo genannt hätte? Sicherlich hätte sich etwas geändert, aber was genau? 

«Ich liebe die Freiheit, Fehler zu machen, zu zweifeln, ein Suchender zu sein.»

An was denken Sie?

De Stasio: Ich glaube nicht an das heidnische Konzept des Schicksals. Aber ich liebe es, frei zu sein. Ich liebe es, ich selbst zu sein, nicht so sein zu müssen wie die anderen. Ich liebe die Freiheit, Fehler zu machen, zu zweifeln, ein Suchender zu sein. Und all dies hat mit der Bedeutung meines Namens zu tun.

Der Mailänder Erzbischof und Kardinal Karl Borromäus (hier auf einem Gemälde von 1892) war für die Berufung der Kapuziner in die Innerschweiz mitverantwortlich.
Der Mailänder Erzbischof und Kardinal Karl Borromäus (hier auf einem Gemälde von 1892) war für die Berufung der Kapuziner in die Innerschweiz mitverantwortlich.

Was bedeutet Ihnen der heilige Karl Borromäus?

De Stasio: Es ist eine Ehre, auf diesen Patron zählen zu können. Der heilige Karl ist ein Vorbild für einen Priester. Er war kein Heiliger weit weg von den Gläubigen, sondern ein Mann von nebenan. 

Carlo de Stasio mit Jugendlichen
Carlo de Stasio mit Jugendlichen

Wie feiert man in Italien den Namenstag?

De Stasio: In Italien sind die Geburtstage viel wichtiger. Zum Namenstag gibt’s einfach gute Wünsche. Leider geht die Tradition der Verbundenheit mit den Namenspatronen immer mehr verloren.

* Der Italiener Carlo de Stasio arbeitet als Priester für das Bistum Chur. Er ist Bischöflicher Beauftragter für die Migrantenseelsorge im Generalvikariat für Zürich und Glarus. 


Carlo de Stasio | © zVg
4. November 2022 | 18:21
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