Unterwegs zum Taizé-Treffen in der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Schweiz
Unterwegs zum Taizé-Treffen in der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann

Basel im Taizé-Fieber

Basel, 29.12.17 (kath.ch) Noch bis zum 1. Januar findet in Basel und Umgebung das 40. Europäische Jugendtreffen von Taizé statt. Es ist das erste Treffen dieser Art, an dem sich gleichzeitig drei Länder, die Schweiz, Frankreich und Deutschland, beteiligen. Gegen 20’000 Jugendliche versetzen das Dreiländereck in das Taizé-Fieber.

Vera Rüttimann

Tarir | © Vera Rüttimann

Tarir steht mit einem breiten Lachen inmitten des Menschenstroms vor dem Eingang der Sportparks St. Jakob in Basel. Mit seinem Schild mit der Aufschrift «Church Team» sucht er noch Helfer, die ihm helfen sollen, die Jugendlichen, die zum ersten Abendgebet des Taizé-Treffens in der St. Jakobs-Arena wollen, zu kanalisieren. Während draussen das Treffen noch als ein grosses Durcheinander erscheint, herrscht in der umfunktionierten Eishalle schon eine Parallelwelt: Das Innere des nüchternen Baus ist in oranges Licht getaucht.

Hunderte Kerzen flackern. Auf Wänden wird eine grosse Madonna projiziert. Auf Iso-Matten sitzen Jugendliche, die aus ganz Europa angereist sind. Allein mehr als 240 Busse sind am Donnerstag in Basel, im französischen Saint-Louis und im deutschen Lörrach eingetroffen.

Unterwegs zum Taizé-Treffen in der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann

In der Halle werden Lieder angestimmt. Ein langgezogenes «Halleluja» erklingt aus den Kehlen der Tausenden von Jugendlichen, wenig später auch das neue Bruder Klaus-Lied «Gib mich ganz zu Eigen dir», das in Taizé dieses Jahr neu komponiert wurde.

Ein Abenteuer des Vertrauens

Achmed | © Vera Rüttimann

Ein Abenteuer des Vertrauens nennen die Brüder von Taizé ihr Jahresendtreffen, das sie seit 1978 durchführen. Nach dem Gebet in den Messehallen macht sich Achmed aus Cluny auf den Weg zu seiner Unterkunft. Die Jugendlichen werden auf 95 Gastgemeinden in Basel und der Umgebung von Mulhouse, Zofingen, Schopfheim und Delémont verteilt.

Dort treffen sie ihre Gastfamilien. Flugs versuchen sie eines der grünen Trams, die vor dem St. Jakobshalle halten, zu erwischen. Während der rasanten Fahrt hört man deutsch, französisch, kroatisch, schwedisch und polnisch. Ein europäisches Sprachen-Potpourri.

Achmed hat in St. Louis bei einer Gastfamilie seinen Schlafplatz gefunden. Er hat Glück. Rechtzeitig zum Treffen wurde die Verlängerung einer Strassenbahnlinie in die französische Stadt fertig. Die Reporterin verliert ihn aus den Augen.

Es wird ihm wohl so ergangen sein wie Hunderten in dieser Nacht: Bei Ankunft findet der Ankömmling ein Durcheinander aus Rollkoffern, Isomatten und Schlafsäcken vor. Er teilt nun plötzlich den Schlafraum mit fremden Leuten. Doch auch in Achmeds Unterkunft wird sich wohl schnell dieses Taizé-typische Gemeinschaftsgefühl ausgebreitet haben.

Sich freuen

Am Freitagmorgen treffen sich die Jugendlichen in ihren Gastgemeinden zur ersten Morgenandacht. Dieses Jahr widmen sich die Jugendlichen in ihrem Vormittagsprogramm in Austauschgruppen einem Text von Frère Alois, der auf seine jüngsten Besuche in Südsudan, im Sudan und in Ägypten Bezug nimmt und in dem er vier Vorschläge für 2018 macht, die unter dem Thema «Eine Freude, die nicht versiegt» stehen.

Die Titel lauten: Die «Quelle der Freude freilegen», «Auf den Schrei der Allerärmsten hören», «Freude und Trauer mit anderen teilen» und «Sich über die Gaben freuen, welche die anderen Christen empfangen haben».

Nicht mehr so viele, aber intensiv dabei

Taizé ist visuell präsent in Basel. Die Jugendlichen nehmen die grossen Plätze vor dem Münster, dem Rathaus oder vor der Elisabethenkirche mit Tänzen und Gesängen ein. Aus überfüllten Trams und Zügen winken fröhlichen Menschen. Die Gebete in den Stadtkirchen und in den Hallen sind gut besucht. Doch Taizé hat schon grössere Jahresendtreffen gesehen.

Auch wenn heute nicht mehr wie in den neunziger Jahren 100’000 Menschen kommen, haben die Taizé-Treffen dennoch für viele noch immer eine ungebrochene Anziehungskraft. «Es kommen nicht mehr so viele wie in den 90er-Jahren, als viele Jugendliche in Ost- und Mitteleuropa erstmals frei reisen konnten. Aber die, die heute hier sind, sind inhaltlich intensiver dabei», betont Prior Alois Löser.

Hört man sich am Treffen um, wird klar, was vielen hier gefällt: Hier stehen nicht kopflastige, theologische Analysen im Zentrum, sondern die Begegnung mit Menschen in ihrem konkreten kirchlichen Alltag. Eine Spiritualität zudem, die mit ihren Mantra-artigen Gesängen, Stille-Momenten und sensibler Farbgestaltung der Räume als sehr sinnlich wahrgenommen wird.

Auf Entdeckungsfahrt in Basel

Basel erweist sich als gute Wahl für dieses Treffen. Bei vielen Jugendlichen ist eine ausgesprochene Neugier auf diese Stadt zu beobachten. Klar, einige shoppen hier ausgiebig, doch viele wissen auch, dass zwischen der Region Basel und der Kommunität von Taizé seit langem eine enge Beziehung besteht und Basel über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Station für die Entwicklung des Christentums in Europa war.

Ältere wissen zudem, dass hier 1989 wenige Monate vor dem Mauerfall in Berlin die Ökumenische Versammlung «Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung» stattgefunden hat. Nicht wenige widmen sich nach dem Gebet der Kultur und finden sich im Museum Jean Tinguely oder in der Fondation Beyeler in Riehen ein.

Wider die resignative Stimmung

Verpflegung am Basler Taizé-Treffen | © Vera Rüttimann

Um 17 Uhr treffen sich die Teilnehmer erneut bei der St. Jakobshalle, diesmal zur Essensausgabe. Die Jugendlichen reihen sich geduldig in die Warteschlangen ein. Mit geschickten Handgriffen landen flugs zwei Brötchen, Streichwurst, ein Pudding, zwei Äpfel und zwei Päckchen Kekse in einer Plastiktüte. Besonders begehrt sind die Brötchen. Sie stammen von einer Bäckerei aus dem aargauischen Laufenburg, die insgesamt acht Tonnen extra für das Treffen liefert.

Andere zieht es bereits wieder in die Messehalle, nicht nur der Wärme wegen. Manche bleiben vor der grossen Kreuzikone stehen und überlegen, wie das zu Ende gehende Jahr für sie persönlich gelaufen ist.

Hoffnung vermitteln

Während des Abendgebetes verbreitet Frère Alois mit seinen Worten Optimismus. Die ersten Tage des Basler Taizé-Treffens stimmen den Prior von Taizé hoffnungsfroh. Alle, die hier am Rheinknie beten, diskutieren und singen, setzen für den gebürtigen Deutschen ein Zeichen gegen die resignative Stimmung, die viele Menschen in Europa derzeit erfasst habe.

Was den Prior von Taizé und die anwesenden Jugendliche in diesen Tagen ebenfalls positiv stimmt: Es ist das erste Mal, dass das Treffen so international aufgestellt ist. Die persönlichen Begegnungen über die Landesgrenzen der Schweiz, Frankreichs und Deutschlands hinweg machen dieses Treffen für viele  besonders attraktiv. Das gemeinsame Singen, Schweigen und nachdenken ist für nicht wenige zudem die schönste Art, Silvester zu feiern.

«Basel ist ein gutes Beispiel, dass das Christentum eins sein kann»

Anstehen vor der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Anstehen vor der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Verpflegungs-Station am Basler Taizé-Treffen | © Vera Rüttimann
Verpflegungs-Station am Basler Taizé-Treffen | © Vera Rüttimann
Verpflegung am Basler Taizé-Treffen | © Vera Rüttimann
Verpflegung am Basler Taizé-Treffen | © Vera Rüttimann
Verpflegung am Basler Taizé-Treffen | © Vera Rüttimann
Verpflegung am Basler Taizé-Treffen | © Vera Rüttimann
Warten vor der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Warten vor der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Taizé-Treffen in der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Taizé-Treffen in der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Taizé-Treffen in der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann
Taizé-Treffen in der Basler St. Jakobshalle | © Vera Rüttimann

Spannende Workshops

Nach dem Mittagsgebet in verschiedenen Basler Kirchen können sich die Jugendlichen jeweils an Thementreffen zu Fragen des sozialen Engagements, des Glaubens und des inneren Lebens sowie zur Kunst beteiligen. Erfahrene Treffen-Besucher empfinden das Angebot diesmal als besonders spannend und breit gefächert. Ein Taizé-Bruder spricht zum Thema: «Wenn das Vertrauen des Herzens am Anfang von allem stünde …» In einem anderen Workshop treffen der deutsche Religionskritiker Friedrich Nietzsche, der 1869 in Basel weilte, und Frère Roger, der Gründer der Taizé-Gemeinschaft aufeinander.

Der Basler Weihbischof Denis Theurillat und Carmen Kiser vom Bruder Klaus-Museum informieren über Niklaus von Flüe. Der Jesuit, Theologe und Chemiker Beat Altenbach spricht in der St. Clara-Kirche zum Thema «Glaube und Naturwissenschaft-Konflikt und gegenseitige Ergänzung.» Während einer Führung durch das Basler Münster erfährt man Wissenswertes  über «Living Stones». Im Kunstmuseum Basel gibt es die geheimnisvollen Bilder von Marc Chagall zu entdecken.

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