Anna Rosenwasser: «Das Jüdischste an mir ist wahrscheinlich der Antisemitismus»

Die Autorin und Nationalrätin Anna Rosenwasser erlebt im Alltag Antisemitismus. Je öffentlicher sie auftritt, desto öffentlicher werden auch ihre jüdischen Wurzeln verhandelt. Obwohl sie sich nie entschieden hat, «Judentum-Aktivistin» zu sein.

«Je öffentlicher ich bin, desto öffentlicher werden meine jüdischen Wurzeln verhandelt. In vielen Interviews wird mir die Frage nach meinem Jüdischsein gestellt, obwohl ich nie für mich entschieden habe, dass ich Judentum-Aktivistin sein möchte. Es ist kompliziert, ich habe alle paar Monate eine andere Meinung darüber, ob ich meine jüdischen Wurzeln in der Öffentlichkeit zum Thema machen soll, aus einer antifaschistischen Überzeugung, oder ob ich darüber bewusst schweigen will, aus Selbstschutz.

Antisemitismus erlebe ich als öffentliche Person genauso wie alle anderen Jüdinnen und Juden. Da wird kein Unterschied gemacht, ob ich nach der Halacha jüdisch bin oder nicht. Das Jüdischste an mir ist wahrscheinlich der Antisemitismus, der mir entgegengebracht wird. Immer, wenn ich aufgrund irgendwelcher Statements in der Öffentlichkeit stehe, kommt mindestens eine Reaktion darauf, dass ich als jüdisch gelesen werde. Auch wenn es mit dem Thema nichts zu tun hat. Meist handelt es sich um antisemitische Mikroaggressionen, die einfach unangenehm sind. (…)»

Das sagt Anna Rosenwasser im «Tacheles». Sie ist Nationalrätin und feministische Autorin. (jas)


Anna Rosenwasser | © Screenshot underkath
10. Dezember 2023 | 14:57
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