Alina Erni: «Wir jungen Frauen sind bereit, uns für eine moderne Kirche einzusetzen»
Rund 15 junge Frauen weltweit werden für das katholische Frauennetzwerk Catholic Women’s Council an der Weltsynode in Rom präsent sein. Sie planen eigene und gemeinsame Aktionen mit anderen Frauengruppierungen. Aus der Schweiz dabei ist die Zürcher Studentin Alina Erni.
Regula Pfeifer
Wie wird das Catholic Women’s Council an der Weltsynode Präsenz zeigen?
Alina Erni*: Unsere Delegation wird in der ersten Oktoberwoche vom 1. bis 5. Oktober in Rom vertreten sein. Also gerade zum Start der Weltsynode. Uns war es wichtig, bereits von Beginn an Präsenz zu zeigen.
Wir werden sowohl unsere eigenen Events veranstalten, als auch an Aktionen anderer Gruppen wie der «Women’s Ordination Conference» teilnehmen. Wir sind eng vernetzt mit dem «Comité de la jupe» aus Frankreich und seiner Aktion «Why not me», unseren Mitgliedorganisationen und natürlich unseren lokalen und kontinentalen CWC-Gruppen.
«Wir zeigen das lange Erbe von Frauen im Dienst der Kirche auf, das bis heute andauert.»
Was für Aktionen sind das?
Erni: Unsere Aktion «Sanctuary-Zufluchtsort» wird am 3. Oktober stattfinden. Wir bauen sechs Altäre auf zu Phoebe, Junia und Maria von Magdala und anderen historisch-biblischen Frauen. Damit zeigen wir das lange Erbe von Frauen im Dienst der Kirche auf, das bis heute andauert. Und wir rufen alle Menschen auf, mit ihren Text-, Ton- und Bild-Dokumenten daran teilzunehmen.
Ein gemeinsamer Event mit «Women’s Ordination Conference» findet am 4. Oktober statt. Wir werden zur Synodenhalle im Vatikan gehen mit der Botschaft «Weshalb nicht ich?» Auch da ist mitmachen erwünscht, überall auf der Welt.
«Wir sind daran, mit ganz jungen Delegierten in Kontakt zu treten.»
Werdet ihr Kontakt pflegen zu Synodenteilnehmenden – wenn ja, zu welchen?
Erni: Auf jeden Fall wollen wir uns auch mit den Synodenteilnehmer:innen verknüpfen. Wir aus dem deutschsprachigen Raum sind sehr glücklich darüber, dass Helena Jeppesen-Spuhler als Delegierte bei der Synode mit dabei ist. Letztes Jahr konnten wir durch sie einen sehr guten Einblick in die Synode erhalten und hoffen, dass wir unsere Kontakte von 2023 erweitern können. Es gibt auch ganz junge Delegierte. Natürlich sind wir daran, mit ihnen in Kontakt zu treten.
Wer wird dabei sein von euch?
Erni: Dieses Jahr haben wir junge CWC-Frauen die Planung der Aktionen in Rom übernommen. Das CWC-Board – also die Leitungsgruppe – und der Trägerverein unterstützen uns bei der Logistik des Treffens.
Wer sind diese jungen Frauen, die mitmachen?
Erni: In Rom werden wir eine Gruppe von knapp 15 jungen Frauen mit sechs verschiedenen Nationalitäten vor Ort sein. Die anderen Frauen stammen aus Polen, Südafrika, den USA, Indien, Frankreich, Spanien – letztere vertritt die grosse spanischsprechenden CWC-Gruppe.
Die meisten vertreten wiederum ihre eigene lokale Gruppe innerhalb des CWC. Sie sind also bereits sehr aktiv in ihren jeweiligen Ländern und bringen viel Engagement und Know-how mit. Unsere Gruppe konnte sich aus Kontakten anlässlich der Weltsynode in Rom 2023 bilden.
«Ich werde als junge Frau aus der Schweiz dabei sein.»
Wie viele Schweizerinnen sind dabei?
Erni: In der jungen CWC-Gruppe werde ich als junge Frau aus der Schweiz dabei sein. Zudem wird mit Franziska Zen-Ruffinen ein Schweizer Mitglied des CWC-Boards in Rom präsent sein.
Was ist euer Ziel?
Erni: Der CWC appellierte wiederholt, dass die Rolle der Frauen im synodalen Prozess von wichtiger Bedeutung ist. Leider wurden Fragen zur Gleichberechtigung und zum Zugang zu höheren Ämtern von der Weltsynode vernachlässigt oder ausgelagert. Damit sind auch Frauen von der Synodalität ausgeschlossen. Unser Ziel ist es, diesen Stimmen eine Plattform zu bieten, die von der Synode vernachlässigt werden.
«Wir wollen ein Zeichen setzten, dass sich auch junge Personen interessieren.»
Uns von der jungen Gruppe ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass es noch junge Personen gibt, die sich interessieren und bereit sind, sich für eine moderne inklusive Kirche einzusetzen. Wir wollen zu einer Kirche beitragen, die sich mit der Gesellschaft und nicht gegen sie entwickelt.
Wir sehen uns auch in Verantwortung für viele junge und auch ältere Menschen, vor allem Frauen, die die Hoffnung auf eine inklusive, zukunftsorientierte Kirche, die das Prinzip «Gleiche Würde Gleiche Rechte» lebt, verloren haben, aus Organisationen ausgetreten sind und deren Stimme dadurch nicht mehr hörbar und deren Gesicht nicht mehr sichtbar ist.
Worauf freuen Sie sich?
Erni: Ich freue mich besonders darauf, mich mit verschiedenen Personen zu vernetzen. Ich denke vor allem bei den jungen Leuten aus Reformbewegungen ist das wichtig, uns sichtbar zu machen und auch den Synodenteilnehmenden zu zeigen, dass wir bereit sind Verantwortung für eine Kirche mit Zukunft zu übernehmen.
«Erst habe ich das CWC-Organisationsteam bei technischen Angelegenheiten unterstützt.»
Wie sind Sie dazu gekommen, sich beim CWC zu engagieren?
Erni: Zuerst habe das ich das Organisationsteam bei technischen Angelegenheiten unterstützt, etwa dem Managen vom Zoom während dem Online-Events. Ich durfte dann auch zweimal mit nach Rom – im Oktober 2022 und 2023. Als das CWC-Board dieses Jahr dann die junge Gruppe ins Leben gerufen hat, war für mich schnell klar, dass ich hier gerne mitarbeiten möchte.
Die Aktion «Sanctuary-Zufluchtsort» findet am 3. Oktober in der Casa Internazionale delle Donne an der Via della Lungara 19 in Rom statt. Um13.30 Uhr Liturgie , 14 Uhr Öffnung des Altarraums, 19 -21 Uhr: Empfang. Mehr Infos zur «Women’s Ordination conference» am 4. Oktober in Rom. Link zum Catholic Women’s Council.
*Alina Erni studiert Religionswissenschaften in Zürich und ist Mitglied der jungen Gruppe des Catholic Women’s Council (CWC). Sie ist eine Nichte der Walliserin Franziska Zen Ruffinen, die in der Leitung des Catholic Women’s Council engagiert ist. Das Interview wurde schriftlich geführt.
Engagierte Seniorinnen freuen sich über Nachwuchs
«Wir CWC-Seniorinnen sind überaus stolz und glücklich über unsere ‹young group›», schreibt Franziska Zen Ruffinen an kath.ch. Die Oberwalliserin ist im zentralen Gremium des Catholic Women’s Council (CWC) aktiv, dem CWC-Board. Sie wird zu Beginn der Weltsynode ebenfalls in Rom präsent sein. «Wir sind uns natürlich bewusst, dass jüngere Menschen andere Organisationsformen leben, agiler und schnelllebiger sind», sagt sie. «Gerade diese Denkweise brauchen wir, um uns zu erneuern.» Denn die jungen Frauen hätten «eine unverkrampftere Art sich interkulturell zu bewegen».
«Das weltweite Netzwerk des CWC wird durch die persönlichen Kontakte junger gleichgesinnter Frauen enorm befeuert», so Zen Ruffinen. Die «Young Group» trage die Botschaft des CWC und die Erfahrungen der älteren CWC-Frauen weiter in die junge Generation. Es gehe darum, die Diskriminierung von Frauen weltweit anzugehen. Diese zeige sich unterschiedlich – von subtilen Formen bis zu sexueller und körperlicher Gewalt. Und dabei spiele die römisch-katholische Kirche eine unrühmliche Rolle: «Die katholische Kirche als globale starke Kraft und religiöse Führung gibt dieser Diskriminierung leider eine moralische und religiöse Legitimation.» Viele jungen Menschen fügten sich nicht mehr in diese «gottgegebene» Ordnung ein, so Zen Ruffinen. (rp)
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