Was der Heilige Geist mit der Taube zu tun hat
Warum feiern wir Pfingsten? Umfragen zeigen regelmässig, dass die Hintergründe nur wenigen bekannt sind. Aber kaum jemand möchte auf das lange Wochenende verzichten.
Gottfried Bohl
«Hat was mit der Auferstehung zu tun, oder?», «Irgendwas mit Palmzweigen…», «Wurde da nicht Jesus begraben?» – Regelmässig zeigen Umfragen, dass ein grosser Teil der Menschen in Deutschland und anderswo nur wenig weiss über die Hintergründe von Pfingsten. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beantwortet einige wichtige Fragen rund um das christliche Hochfest.
Worum geht es an Pfingsten?
Pfingsten ist für Christen das Fest des Heiligen Geistes. In der Bibel heisst es, der Heilige Geist kommt auf die Apostel herab, als diese mit Jesu Mutter Maria im Abendmahlssaal warten. Das Fest wird 50 Tage nach Ostern und 10 Tage nach Christi Himmelfahrt gefeiert. Der Begriff «Pfingsten» kommt vom griechischen «Pentekoste hemera» (fünfzigster Tag).
Wie wird das Kommen des Heiligen Geistes in der Bibel beschrieben?
Beim Evangelisten Lukas liest sich das in der Apostelgeschichte so: «Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie (die Jünger) waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen liess sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.» In Jerusalem lockte dieses seltsame Ereignis laut Bibel eine neugierige Menge an, darunter auch Ägypter, Römer, Kreter und Araber. Sie waren «ausser sich vor Staunen», denn jeder hörte die Jünger in seiner eigenen Muttersprache reden.
Was bedeutet das Fest für die Kirche?
Pfingsten gilt als Geburtstag der Kirche. Der Heilige Geist ist neben Gott als Vater und Jesus als seinem Sohn der Dritte im Bunde, was Christen auch als Dreifaltigkeit Gottes bezeichnen. Das Sprachenwunder soll zeigen, dass die Botschaft für die ganze Welt von Bedeutung ist. Wie Weihnachten und Ostern hat das Hochfest in Deutschland zwei Feiertage. In vielen katholischen Bistümern finden dann die jährlichen Priesterweihen statt. Außerdem endet die Pfingstaktion des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis mit der Spendensammlung in allen Gottesdiensten.
Was wird am Pfingstmontag gefeiert?
Für den zweiten Feiertag am Montag gibt es keinen theologischen Grund. Viele katholische Pfarreien in Deutschland nutzen den Tag heute für ökumenische Feiern und Initiativen zusammen mit den evangelischen Gemeinden. Traditionell nutzen auch viele kirchliche Jugendgruppen und -verbände das Pfingstwochenende für Zeltlager und ähnliche Grossveranstaltungen.
Ist der Pfingstmontag überall Feiertag?
In Deutschland ist er bundesweiter Feiertag, auch wenn es gerade wieder neue Initiativen gibt, dies zu ändern – etwa von Wirtschaftsverbänden. In vielen anderen europäischen Ländern und der Schweiz gibt es ebenfalls einen arbeitsfreien Pfingstmontag. In Frankreich wurde er 2005 abgeschafft, 2008 aber wieder eingeführt. In Italien und somit auch im Vatikan ist der Pfingstmontag kein gesetzlicher Feiertag – genau wie in den meisten Ländern ausserhalb Europas.
Was bedeutet den Menschen das Fest?
In einer Ende Mai veröffentlichten aktuellen VouGov-Umfrage sagte fast jeder Zweite in Deutschland (47 Prozent), Pfingsten habe für ihn keine persönliche Bedeutung. Nur für 18 Prozent ist der christliche Hintergrund des Festes wichtig. 27 Prozent nutzen den Tag für Familienfeste oder Grillfeiern mit Freunden. 13 Prozent nutzen die Zeit, um zu verreisen und 10 Prozent, um bestimmte Märkte zu besuchen.
88 Prozent finden aber, Feiertage seien grundsätzlich sinnvoll zur Erholung, zur Stärkung von psychischer Gesundheit und des Gemeinschaftslebens. 64 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die religiöse Bedeutung von Feiertagen wichtig sei. Nur eine Minderheit von 29 Prozent ist der Meinung, dass der Stellenwert von Feiertagen in der Gesellschaft generell zu hoch sei. 75 Prozent sprachen sich gegen die Streichung dieses Feiertags aus. 73 Prozent sehen die Abschaffung von Feiertagen grundsätzlich nicht als richtigen Weg, um die Wirtschaftskraft eines Landes zu erhöhen. 75 Prozent waren der Meinung, dass Feiertage etwa durch erhöhten Tourismus oder Gaststättenbesuch zu mehr Konsum führen und somit die Wirtschaft stärken.
Welche Bräuche gehören zu Pfingsten?
Anders als zu Weihnachten und Ostern hat sich wenig eigenes Brauchtum entwickelt. Immer schon wird Pfingsten auch als Frühlingsfest gefeiert. Dazu gehören etwa Flurumritte und Prozessionen, die der neuen Saat Segen bringen sollen. In einigen Gegenden wurden vor allem im Mittelalter Tauben durch ein Loch im Kirchendach nach oben gezogen oder nach unten gelassen, um den schwer zu begreifenden Heiligen Geist anschaulich darzustellen. In anderen Kirchen regnete es Rosenblätter, die an die Feuerzungen erinnern sollten.
In manchen Regionen gibt es zudem Pfingstbräuche, die dem Maibrauchtum ähneln. Dazu gehört etwa allerlei Schabernack in der Nacht zum Pfingstmontag oder auch das Aufstellen eines geschmückten Baums an der Hauswand der Liebsten.
Und was hat die Taube mit Pfingsten zu tun?
Da der «Heilige Geist» nur schwer fassbar ist, hat man ihn sich zuerst als junges Mädchen vorgestellt, später als Mann mit drei Gesichtern. Seit dem späten Mittelalter herrscht die Taube als Symbol vor. Schon im Alten Testament liess Noah von der Arche Tauben aufsteigen, um zu testen, ob die Sintflut vorbei ist. Die Verbindung zum Heiligen Geist entstand im Neuen Testament bei der Taufe Jesu im Jordan. Da heißt es bei Matthäus: Als Jesus aus dem Wasser stieg, «öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen».
Die Taube ist aber auch in anderen Kulturen wichtig: Seit der Antike galt sie als Sinnbild von Sanftmut, Einfalt und Unschuld – weil man annahm, die Taube besitze keine Galle und sei daher frei von allem Bösen und Bitteren. Im alten Indien und bei einigen germanischen Stämmen galt sie als «Seelenvogel». Auch im Islam sind die gurrenden Tiere heilig, weil sie den Propheten Mohammed auf der Flucht beschützt haben sollen. (kna)
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