Feiertage: Pfingsten

Taube

Pfingsten

Taube

Pfingsten ist wie Ostern ein im Kalender beweglicher Feiertag, der 50 Tage nach Ostern gefeiert wird. Am Pfingstsonntag – dieses Jahr am 31. Mai – endet die Osterzeit.

Was ist Pfingsten?
Das Pfingstereignis dargestellt auf einem Kirchenfenster.

Abschluss der Osterzeit

Mit dem Pfingstfest endet die Osterzeit. 50 Tage nach dem Osterfest feiert die Kirche das Erscheinen des Heiligen Geistes auf der Erde. «Vom Himmel her ein Brausen», wie es in der Apostelgeschichte heisst, hat die Jünger Jesu erfasst und «Feuerzungen» verteilten sich auf ihnen.

Die Apostel begannen nach diesem Ereignis selber zu predigen und tauften die Menschen «im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes».

Geburtstag der Kirche

Pfingsten kann so als die Geburtsstunde der Kirche im eigentlichen Sinn bezeichnet werden. Das Fest hat heute aber auch einen bedeutenden ökumenischen Aspekt: Es erinnert daran, dass die bestehende Trennung in verschiedenen Konfessionen so nicht gewollt war. “Der Heilige Geist und die Einheit der Kirche, Pfingsten und die Ökumene sind untrennbar miteinander verbunden.” (Franz Vogelsang)

An Pfingsten erinnert auch der Segensspruch des Bischofs oder seines Beauftragten bei der Firmung: «Sei besiegelt mit der Gabe Gottes, dem Heiligen Geist».

Die Pfingstgeschichte in der Bibel

(Apostelgeschichte, Kapitel 2)

«Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen liess sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes grosse Taten verkünden.

Alle gerieten ausser sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? Andere aber spotteten: Sie sind vom süssen Wein betrunken.»

Brauchtum

Das Pfingstfest, obschon nach Ostern das bedeutendste Kirchenfest, kennt wenig Brauchtum. Traditionelle Frühjahrsbräuche, wie das Tanzen um den Maibaum, werden aber beispielsweise in Bayern noch gepflegt.

Es gibt aber vom Schweizer Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler eine wunderbare Geschichte zu Pfingsten:

Der Pfingstspatz

Viel weniger bekannt als der Osterhase ist der Pfingstspatz. Er legt allen Leuten am Pfingstsonntag ein Grashälmlein auf den Fenstersims, eines von der Art, wie er es sonst zum Nestbau braucht. Das merkt aber nie jemand, höchstens ab und zu eine Hausfrau, die es sofort wegwischt.

Der Pfingstspatz ärgert sich jedes Jahr grün und blau über seine Erfolglosigkeit und ist sehr neidisch auf den Osterhasen, aber ich muss ehrlich sagen, das mit den Eiern finde ich auch die bessere Idee.

(Aus Franz Hohler: Wegwerfgeschichten. © 1974 Zytglogge Verlag. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.)

Die Seite «Brauchtum Schweiz» nennt allerdings die süsse Ostertaube als Abschluss der Osterzeit ein «Muss». – Warum nicht? Die Taube steht im Christentum als Symbol des Heiligen Geistes und passt entsprechend zu Pfingsten. Wer also noch einmal backen mag: Hier geht’s zum Rezept.

Meditatives

 

Komm, Heiliger Geist,

du Geist der Wahrheit, die uns frei macht.

Du Geist des Sturmes, der uns unruhig macht,

Du Geist des Mutes, der uns stark macht.

Du Geist des Feuers, das uns glaubhaft macht.

Komm, Heiliger Geist,

du Geist der Liebe, die uns einig macht.

Du Geist der Freude, die uns glücklich macht.

Du Geist des Friedens, der uns versöhnlich macht.

Du Geist der Hoffnung, die uns gütig macht.

Komm, Heiliger Geist!

(Leonardo Boff)

 

Die Gaben des Heiligen Geistes

mögen Feuer zur Erde bringen,

sodass die Gegenwart Gottes

in neuem Licht gesehen werden kann,

an neuen Orten, auf neuen Wegen.

Mögen unsere eigenen Herzen entflammt werden,

sodass kein Hindernis, wie gross es auch sein mag,

sich der Botschaft Gottes darin in den Weg stellen kann.

Mögen wir von ganzem Herzen dem Wort Gottes trauen,

um es mutig auszusprechen,

um ihm gläubig zu folgen,

um es in anderen zur Flamme zu entfachen.

Möge Jesus,

der Frauen mit seinem Heiligen Geist erfüllte,

die Welt und die Kirche mit neuem Respekt beschenken

für die Kraft und die Gegenwart des Geistes.

(Sr. Joan Chittister, OSB)

 

Renovabis faciem terrae (Erneuere das Angesicht der Erde)

Gott deine geistin erneuert das gesicht der erde

erneuere auch unser herz

und gib uns deinen geist der klarheit und des mutes

denn das gesetz des geistes

der uns lebendig macht in christus

hat uns befreit von dem gesetz der resignation

Lehre uns

wie wir mit der kraft des windes und der sonne

leben und andere geschöpfe leben lassen

lehre uns

die kraft der kleinen leute zu spüren

und keine angst mehr zu haben

wenn wir widersprechen und widerhandeln

dem luxus auf kosten aller anderen geschöpfe

lehre uns

die immer grössere freude

beim lebendigwerden in deiner lebendigen welt

weil wir unser ende nicht fürchten

Gott

deine geistin erneuert das gesicht

der erde

erneuere auch unser herz

und lass uns wieder miteinander leben

lehr uns

zu teilen statt zu resignieren

das wasser und die luft

die energie und die vorräte

zeig uns

dass die erde dir gehört

und darum schön ist

(Dorothee Sölle)

 

«Hausgeburt»

Nicht mit Hochamt
hat es angefangen
nicht mit Hochwürden
und Heiligem Stuhl, sondern
heiliger Kraft –
atmender Segen.

Nicht mit Scham und Schuld
hat es angefangen
nicht mit Beichte
und Busse, sondern
entfachter Lust auf Leben –
osterleicht.

Nicht mit Versenkung
hat es begonnen, sondern
Ekstase
– alle ausser sich
erschütterte Herzen
aufgesperrte Türen und
Gewandelten, die sich den Tod
aus den Augen reiben.

Am Anfang nichts
von heiliger Ordnung
von ewiger Wahrheit, reiner Lehre
und Enge in der Brust, sondern
Weite, und Wind
der den Staub aus den Gedanken und
die Angst von den Seelen weht
Ein Beben und Brausen
Ein Rauschen in den Köpfen
Ein Sturm in den Herzen
Taumel und trunken und
Mutfunken, die überspringen –
ein Lungenzug Hoffnung
ein Atemzug Himmel.

Am Anfang Menschen
mit leeren Händen
Kinder, Mütter, Fischer und Frisöre
Fremde, Heimische, Ungelernte, Studierte
– einerlei
und geistverwandt
die in Bewegung kommen
die Fahrt aufnehmen
die es auf die Strassen treibt
– Ort der Ewigen
Nichts von Starre, von Steife und
gestärkten Kragen
Nichts von Räucherwerk und
ewigem Licht, eingesperrt, sondern
Feuer und Flamme
frei und wild –
Begeisterung, die Blüten treibt.

Nirgendwo abgelaufene Silben
abgedroschene Phrasen, sondern
eben erst zur Welt gekommene Worte
staunende Ohren
Sprache, unerhört
die alle verstehen
inwendig-auswendiges Reden
ergriffenes Wort – lebensgefährlich
furchtlos und frei
mitten ins Herz.

Träume für die Alten
Aussichten für die Jungen
Gerechtigkeit und Friede, die sich
in den Armen halten
Die grossen Taten Gottes
– Auszug und Aufstand
die Stadt aus Licht, in allen
Mundarten, Muttersprachen, Dialekten
vielstimmiger vollmundiger Psalm.

Nicht mit Hochamt
hat es angefangen
nicht mit Hochwürden
und Heiligem Stuhl, sondern
heiliger Kraft –
Segen
grenzenlos.

(Jacqueline Keune)

 
 

Pfingsten: Fabel oder Fakt?

Gedanken von Denis Theurillat, Weihbischof des Bistums Basel

 

Was ist aus dem «neuen Pfingsten» geworden?

Beitrag von Mariano Delgado, Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg

Zwei Minuten für ein Bild

"Pfingsten", Aquarell von Pater Karl Stadler (1921-2012)

Bücher und mehr

Andrea Schwarz: Windhauch – Feueratem. Eigentlich ist Pfingsten ganz anders. (Herder)

Das Thema Pfingsten im Unterricht (Katholische Kirche Kanton Luzern)

“Pfingsten” – Videokassette von Norbert Meissner (1989)


Impressionen


Mehr Informationen zu Pfingsten erhalten Sie auf der Seite des Liturgischen Instituts