Bundesrätin Sommaruga mit ehemaligen Verdingkindern, 2016  | © Georges Scherrer
Schweiz
Bundesrätin Sommaruga mit ehemaligen Verdingkindern, 2016 | © Georges Scherrer

8000 «Verdingkinder» haben sich beim Bund gemeldet

Bern, 3.4.18 (kath.ch) Rund 8000 Personen haben sich beim Bundesamt für Justiz gemeldet und eine Genugtuungssumme beantragt, weil sie in ihrer Jugend Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen oder Fremdplatzierungen geworden waren. Diese «Verdingkinder» konnten sich bis Ende März an den Bund wenden.

Betroffene erhalten bis 25’000 Franken Entschädigung. Bis zum 31. März konnten sie sich beim Justizdepartement melden, wo sich der «Fachbereich Fürsorgerische Zwangsmassnamen» um ihren Antrag kümmert.

Die definitiven Abschlusszahlen liegen noch nicht vor, wie eine Sprecherin der «Wiedergutmachungsinitiative» am Dienstag gegenüber kath.ch erklärte. Anträge, die bis Ende März brieflich abgegeben worden seien, würden berücksichtigt. Der Vizedirektor des Bundesamtes für Justiz, Luzius Mader, hat gegenüber der «Berner Zeitung» von Dienstag erklärt, die Zahl der Gesuche sei Ende März «stark» gestiegen.

Ein Flyer für die Altersheime

Bis heute haben rund tausend Betroffene den Betrag erhalten. Seit dem vergangenen Dezember werde das Geld ausgezahlt, so die «Berner Zeitung». Gemeinsam mit der Guido-Fluri-Stiftung hatte das Bundesamt in Altersheimen, Arztpraxen ober über die Pro Senectute und Spitex-Organisationen mit einem Flyer auf das Angebot aufmerksam gemacht. Der Bund hatte damit gerechnet, dass sich 15’000 Betroffene melden würden. Nun sind es weniger.

Die «Berner Zeitung» zeigt den Fall der Bernerin Mili Kusano auf. Die Frau habe bis zuletzt mit sich gerungen, bis sie sich entschied, sich beim Bund zu melden.

Gegenvorschlag bringt rasche Hilfe

Im September 2016 hat der Nationalrat einen Gegenvorschlag zur Wiedergutmachungsinitiative angenommen. Die Annahme des Gegenvorschlags ermöglichte es, dass den «Verdingkindern» sofort geholfen werden konnte. Die Initiative hätte dem Volk vorgelegt werden müssen. Die Initianten der Initiative unter der Leitung von Guido Fluri sprachen sich darum für den Gegenvorschlag aus.

Der Abstimmungskampf um die Initiative hätte dazu geführt, dass noch lebende, zum Teil betagte Opfer lange auf ihre Entschädigung hätten warten müssen. Mit einem Fest feierte das Initiativkomitee damals den Entscheid des Nationalrates. An dem Anlass nahm auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga teil. (gs)

Zehntausende wurden auf beschämende Art zwangsversorgt

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