Im Lassalle-Haus. | © zVg
Schweiz
Im Lassalle-Haus. | © zVg

25 Jahre nach der Neuausrichtung bleibt das Lassalle-Haus offen für Neues

Menzingen ZG, 25.10.2018 (kath.ch) Das «Lassalle-Haus» im zugerischen Menzingen trägt den Namen eines Pioniers der Spiritualität in die Welt hinaus. Mit der Neuausrichtung vor 25 Jahren gelang es den Schweizer Jesuiten, ihr Bildungshaus neu zu positionieren.

Martin Spilker

1993 Jahren wurde aus dem Bildungshaus Bad Schönbrunn das «Lassalle-Haus». Der Name geht auf Hugo Enomiya Lassalle (1898-1990) zurück. Der in Japan tätige Jesuit war Wegbereiter des Zen in der westlichen Welt. Und für Niklaus Brantschen war er Vorbild für seine Idee, dem Bildungshaus eine völlig neue Ausrichtung zu geben.

Im Lassalle-Haus. | © zVg

Ein Wagnis

An einem Anlass des Gönnervereins für das «Lassalle-Haus» Mitte Oktober blickten Brantschen und Tobias Karcher, Direktor seit neun Jahren, auf die gemachten Erfahrungen zurück und warfen einen Blick nach vorn. Am gleichen Anlass konnte dazu passend die Neuauflage von «Mein Weg zum Zen» von Hugo Enomiya Lassalle sowie das neue Buch von Niklaus Brantschen (siehe separater Text) vorgestellt werden.

Der 80-jährige Brantschen erinnerte an die Diskussionen über die inhaltliche Neuausrichtung des Bildungshauses. «Bad Schönbrunn», das war ein Name, der für ein vielfältiges Angebot christlicher Spiritualität und Bildung stand. «Wir kamen nicht umhin, die Frage nach dem Personal, wie auch nach den Programminhalten zu stellen», erklärte Brantschen bei seinem Blick zurück.

Keinen Machtkampf gesucht

Es habe Bedenken, Zweifel und Widerstand gegen die Neuausrichtung gegeben. Dies sowohl innerhalb der Gemeinschaft der Jesuiten, wie auch von aussen. Aber auch er habe Zweifel gehabt, ob es gelingen werde, sich unter diesem Namen und mit der neuen Ausrichtung zu positionieren.

Das Zendo im Lassalle-Haus. | © zVg

Brantschen aber wollte keinen Machtkampf. Unterstützung erhielt er dabei vom St.-Katharina-Werk, insbesondere von Pia Gyger. Die 2014 verstorbene Ordensfrau, ebenfalls Zen-Meisterin, prägte das Haus ebenso stark mit. Mit Meditationskursen nach östlicher Form, Kalligrafie oder Yoga standen Angebote auf dem Programm, die in kirchlichen Bildungshäusern Neuland waren. So aber gelang es, ein neues Publikum anzusprechen.

Immer auch geistiges Zentrum

1995 folgte ein nächster Schritt: Pia Gyger und Niklaus Brantschen gründeten das «Lassalle-Institut», das sich an Führungspersonen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft richtet. Das Institut ist inzwischen international bekannt und vernetzt. So haben sich letztes Jahr in Menzingen Vertreter verschiedener Religionen zu einer Fachtagung über Investitionsfragen getroffen.

Seit 2015, nach der kompletten Sanierung der Gebäude, tritt das «Lassalle-Haus» unter einem ganz neuen Erscheinungsbild auf: «Stille bewegt» steht auf dem Logo. Damit wurde der bekannte Markenname Bad Schönbrunn endgültig weggelassen. Nach wie vor aber ist das Haus geistliches Zentrum der Jesuiten in der Schweiz. Hier verbringen auch die Novizen der Gemeinschaft einen Teil ihrer Ausbildung.

Stete Weiterentwicklung nötig

Tobias Karcher | © Sabrina Durante/zVg
Das «Lassalle-Haus» ist ein Vierteljahrhundert nach der Neuausrichtung auf Kurs. Für den Leiter Tobias Karcher aber steht fest, dass weitere Veränderungen unabdingbar sind. Grosse Kirchen- und Gesellschaftsfragen sollen nicht nur Bildungsangebote sein. Wie Tobias Karcher ausführte, wird dies beispielsweise in Form einer vegetarischen – und damit ökologischeren – Küche deutlich. Und Ökumene wird durch die Mitarbeit einer reformierten Pfarrerin im Haus konkret gemacht.

«Hier gibt es keine Sieger oder Verlierer.»

Neue Inhalte werden hinzukommen. Das entspricht ganz der Ausrichtung der Jesuiten, die in ihrer eigenen Ausbildung «nie fertig» sind, wie sie es auf ihrer Internetseite umschreiben. Tobias Karcher hat am Gönneranlass bereits wieder Anregungen für die Weiterentwicklung mitgenommen. Niklaus Brantschen beobachtet dies mit gelassener Zufriedenheit.

Brantschen weiss, es hätte nach der Neuausrichtung auch ganz anders kommen können. Dass man nach 25 Jahren «Lassalle-Haus» in dieser Form zurück und nach vorn blicken könne, sei grossem Engagement zu verdanken. Ein Engagement bei dem es, hier spricht der Zen-Meister, «keine Sieger oder Verlierer» gibt.

Die Kapelle im Lassalle-Haus. | © zVg
Die Kapelle im Lassalle-Haus. | © zVg
Niklaus Brantschen | © Sabrina Durante/zVg
Niklaus Brantschen | © Sabrina Durante/zVg
Parkanlage im Lassalle-Haus. | © zVg
Parkanlage im Lassalle-Haus. | © zVg

Niklaus Brantschens «gesegnete Unruhe»

«Zen verlangt, nicht wohltemperiert zu sein», sagte der Jesuit und Zen-Meister Niklaus Brantschen am Gönneranlass des Lassalle-Hauses Mitte Oktober. Brantschen sprach von einer «gesegneten Unruhe» oder auch der «verfluchten Ruhe». Der kleine Exkurs diente als Einleitung zu seinem neuen Buch mit dem Titel «Ich habe zu wenig geflucht».

Es sind Aufzeichnungen von Gesprächen, die die Autorin Ursula Eichenberger und Niklaus Brantschen während Spaziergängen und Wanderungen geführt haben: an acht Orten in der Schweiz, zu acht Lebensstationen – für jeweils zehn Lebensjahre – von Brantschen. Die Rückkehr an diese Stätten «liess Erinnerungen lebendig werden, an vergangene Zeiten anknüpfen», umschreibt Eichenberger ihre Beobachtungen beim Gesprächspartner.

Doch warum dieser Buchtitel? Niklaus Brantschen hatte in seinem letzten Buch «Zwischen den Welten daheim» (Patmos-Verlag, 2017) bereits auf das Verhältnis von Segnen und Fluchen hingewiesen. «Wählen wir das Segnen!», war dort sein Schlusssatz. Bei der Buchvernissage im Lassalle-Haus sprach Brantschen von «heiligem Zorn», dem er heute mehr Platz einräumen würde. Für ihn gilt aber auch: «Um auf den Tisch hauen zu können, muss man Boden unter den Füssen haben.» (ms)

Weitere Buchvorstellungen: Pfarreiheim «zum Barfüesser» Luzern, Donnerstag, 25. Oktober, 19 Uhr; Buchhandlung «ZAP», Brig, Dienstag, 6. November, 19.30 Uhr.

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