Herzlicher Friedensgruss für den definitiv aufgenommenen Bruder Benedikt Meier
Schweiz

Bruder Benedikt: «Bei der Friedensgruss-Umarmung spürte ich die Freude»

Bruder Benedikt Meier hat am Wochenende die Ewige Profess im Kloster Disentis gefeiert. Damit verpflichtet sich der 37-Jährige zu einem Leben im Bündner Benediktinerkloster – und zwar «in guten wie in schlechten Tagen». Er sagt: «Ich sehe nichts, was meinen Entscheid umstürzen könnte.»

Regula Pfeifer

Welches war der intensivste Moment an der Ewigen Profess am letzten Samstag?

Benedikt Meier: Während der Feier der Ewigen Profess haben wir nicht nur monastische Gesänge gesungen. Auf meinen Wunsch hin sang der Jodlerklub vom Ägerital die «Jodlermesse» von Jost Marty. Das hat mich sehr berührt. Jost Marty ist mein Urgrossonkel.

Jodlerklub vom Ägerital singt die «Jodlermesse» von Jost Marty.
Jodlerklub vom Ägerital singt die «Jodlermesse» von Jost Marty.

Weiter hat mich der Friedensgruss emotional stark bewegt. Nachdem ich die eigentliche Profess abgelegt und die Professurkunde verlesen hatte, folgte der Friedensgruss. Da gibt man jedem Mitbruder ein Zeichen des Friedens, konkret eine Umarmung. Da spürte ich, wie sie sich freuen und wie ich mich freue.

Sie haben im Vorfeld gesagt, die Ewige Profess lasse sich vielleicht mit einer Hochzeit vergleichen. Haben Sie es nun so erlebt?

Meier: Es ist natürlich ein Bild, nicht eins zu eins zu vergleichen. Flitterwochen mache ich jetzt keine (lacht). Der Alltag geht weiter. Und doch: Das Grundgefühl ist durchaus vergleichbar. Das merkte ich in den Tagen der Exerzitien vor der Ewigen Profess. Bei diesem Schritt nimmt mein Leben etwas Definitives an. Das lässt sich mit einer Hochzeit vergleichen oder mit einer Familiengründung. Da sagt man sich: Ich habe meine Lebensaufgabe. Bei der Ewigen Profess sagte ich mir: Jetzt werde ich voraussichtlich bis an mein Lebensende in dieser Gemeinschaft bleiben und meine Kräfte einsetzen.

Bruder Benedikt Meier verliest die Professurkunde.
Bruder Benedikt Meier verliest die Professurkunde.

«Meine Eltern sind gläubig, sie haben Verständnis dafür, dass ich meiner Berufung folge.»

Wie stehen Ihre Familie und Ihre Freunde zu Ihrem Ja zum Klosterleben?

Meier: Mittlerweile haben sich alle relativ gut mit dem Entscheid abgefunden. Meine Familie war am Anfang überrascht, als ich ihr davon erzählte. Aber sie unterstützt mich. Meine Eltern sind gläubig, sie haben Verständnis dafür, dass ich meiner Berufung folge. Während der Ewigen Profess schaute ich manchmal zu ihnen rüber und hatte den Eindruck, dass sie sich freuen. Ebenso meine Bekannten, die ich eingeladen hatte. Obwohl sie teilweise nicht tief oder gar nicht im Glauben stehen und den Entscheid nicht nachvollziehen können. Sie sahen, dass ich mich freute, das bereitete ihnen Freude.

«Die Oberen empfahlen mir: Geh erst das Studium fertigmachen.»

Sie haben 2016 einen Versuch im Kloster Disentis abgebrochen – was war der Grund dafür?

Meier: Ich machte damals eine Kandidatur, also einen ersten Schritt ins Klosterleben, bei dem man noch nicht eingekleidet ist. Ich stand mitten im Theologiestudium, es ging auf den Bachelor zu. Da beschloss ich, ins Kloster einzutreten. Doch ich verliess es nach einem Jahr wieder. Das Problem waren die unterschiedlichen Anforderungen von Kandidatur und Studienabschluss. Darauf empfahlen mir die Oberen: Geh erst das Studium fertigmachen, danach können wir wieder über einen Eintritt reden.

Familie und Bekannte an der Ewigen Profess von Bruder Benedikt Meier
Familie und Bekannte an der Ewigen Profess von Bruder Benedikt Meier

Ich habe also die schriftlichen Arbeiten für den Bachelor verfasst, womit ich mich schwertat. Dann schloss ich in Chur den Bachelor ab und ging nach Lugano für den Master. Ich wollte eine Luftveränderung – andere Sprache, anderer Kulturraum, durchaus auch andere Theologie.

«Nach Studienende nahm ich mir Zeit für die Prüfung, ob ich den Ruf nach wie vor spüre.»

Wie kam es, dass Sie 2022 erneut ins Kloster eintraten?

Meier: Nach Studienende nahm ich mir Zeit für die Prüfung, ob ich den Ruf nach wie vor spüre. Oder ob ich etwas anderes sehe für mein Leben. Letztendlich musste ich mir sagen: Das ist es nach wie vor. So habe ich vor etwa vier Jahren beim Kloster angeklopft. Die Oberen sagten: Ja, jetzt geht es. So habe ich im Mai 2022 den zweiten Anlauf genommen – wie es aussieht, den definitiven Anlauf.

Der Abt Vigeli Monn nimmt Bruder Benedikt definitiv in die Ordensgemeinschaft auf.
Der Abt Vigeli Monn nimmt Bruder Benedikt definitiv in die Ordensgemeinschaft auf.

Haben Sie bereits die Priesterweihe erhalten?

Meier: Bisher nicht. Grundsätzlich weiht man im Kloster niemanden vor der Ewigen Profess. Denn zuerst muss der Entscheid über die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft gefällt sein. Für mich fängt jetzt also die Möglichkeit einer Priesterweihe an, wie ich im Gespräch mit dem Abt herausgehört habe. Doch dafür gibt es noch keinen Fahrplan.

Was könnte Ihren Entscheid, lebenslang im Kloster Disentis zu leben, noch kippen?

Meier: Höchstens, wenn ich von der Gemeinschaft weggewiesen würde – ich hoffe, das passiert nicht. Für mich ist der Entscheid definitiv. Ich habe mich lange damit auseinandergesetzt und nun mein Gelübde abgelegt. Wenn ich einen Grundsatzentscheid gefällt habe, möchte ich diesem treu bleiben. Wie in der Ehe: in guten wie in schlechten Tagen. Insofern sehe ich nichts, was meinen Entscheid umstürzen könnte.

«Allein als Priester in einer Pfarrei würde ich mich schwertun.»

Denken Sie, es ist einfacher, als Priester in einer Ordensgemeinschaft zu leben – im Unterschied zum Priester, der in einer Pfarrei allein klarkommen muss?

Meier: Ja, in meinen Augen auf jeden Fall. Ich empfinde es als grosse Hilfe, die Ordensgemeinschaft um mich zu haben, die mich in schwierigen Situationen wieder aufbauen kann. Ein Weltpriester wäre bei Konflikten in der Pfarrei auf sich allein gestellt – ausser, er hat sich ein soziales Umfeld geschaffen. So wie einige Priester, die mit mir Theologie studiert haben und sich nun regelmässig treffen. Ich bin dankbar, dass ich die Berufung zum Ordensleben haben darf. Allein in der Pfarrei würde ich mich schwertun, denke ich.

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Herzlicher Friedensgruss für den definitiv aufgenommenen Bruder Benedikt Meier | © Stefan Schwenke/Kloster Disentis
25. August 2026 | 17:00
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