Erhalt kirchlicher Kulturgüter – neuer Arbeitskreis will Vernetzung und Austausch fördern
Kunstwerke, liturgische Geräte oder Alltagsgegenstände aus Klöstern, Kirchen und Pfarreien. Damit befasst sich ein neuer Arbeitskreis, in dem staatliche und kirchliche Institutionen mitwirken. «Die Nachlassverwaltung von Kulturgütern wird künftig auch für Pfarreien und Kirchgemeinden vermehrt ein Thema», sagt Experte Albert Holenstein.
Barbara Ludwig
Neun Institutionen haben am 13. Mai in Olten den Arbeitskreis Kirchliche Kulturgüter (AKKG) gegründet. Der Anstoss dazu sei von der Kapuzinerprovinz Schweiz gekommen, deren Archivarin Colette Halter-Pernet seit mehreren Jahren die Auflösung von Kapuziner Niederlassungen in der ganzen Schweiz begleite, sagt Albert Holenstein von der Stiftsbibliothek St. Gallen gegenüber kath.ch. Die Archivarin sei dadurch sehr nah dran an den Fragen, die sich zum Umgang mit Kulturgütern aus aufgehobenen Institutionen stellen.
Unterschiedlicher Umgang
Auf ihre Anregung hin habe im vergangenen September eine Tagung im Landesmuseum Zürich stattgefunden, in Kooperation mit der Kapuzinerprovinz Schweiz und der Stiftsbibliothek. Der Titel der Veranstaltung lautete: «Klösterliche Kulturgüter ohne Zukunft? Perspektiven im Dialog» und sei mit rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut besucht gewesen, so Holenstein.
«In der Diskussion hat sich damals gezeigt, dass eine Vernetzung über die Bistumsgrenzen und die Kantonsgrenzen hinweg von Interesse wäre.» Denn man habe einerseits festgestellt, dass die Bistümer unterschiedlich mit den Kulturgütern umgehen. Die Kantone andererseits hätten unterschiedliche Kulturgütergesetze, die sich je nach Ausgestaltung anders auf die kirchlichen Kulturgüter auswirkten.
Wohin mit den Kulturgütern?
Auf die Tagung folgten weitere Treffen und schliesslich die Gründung des Arbeitskreises im Mai. Engagiert in diesem losen Zusammenschluss sind das Schweizerische Nationalmuseum, das Amt für Kultur des Kantons Freiburg, die Stiftsbibliothek St. Gallen, die Kapuzinerprovinz Schweiz, die Inländische Mission, der Verein Sakrallandschaft Innerschweiz, das Domschatzmuseum Chur und das Bischöfliche Archiv des Bistums Basel.
Der AKKG soll sich auf Wunsch einiger Beteiligten nun nicht nur mit klösterlichen, sondern allgemeiner mit kirchlichen Kulturgütern befassen. «Die Nachlassverwaltung von Kulturgütern wird künftig auch für Pfarreien und Kirchgemeinden vermehrt ein Thema und nicht mehr nur für Klöster», erklärt Albert Holenstein und weist darauf hin, dass immer mal wieder Kirchgemeinden fusionieren. «Irgendwann werden da auch Kirchenstandorte aufgelöst, und es fragt sich: Wohin sollen die Kulturgüter? Was macht man damit?» Dieselben Fragen stellten sich seit einigen Jahrzehnten bei Klöstern, die aufgegeben werden, weil der Nachwuchs ausbleibt.
«Wenn kein Kulturgüterinventar vorhanden ist, ist die Bedrohung virulent.»
Sind die kirchlichen Kulturgüter in der Schweiz bedroht? «Jein», sagt Albert Holenstein, der bei der Stiftsbibliothek die Fachstelle kirchliches Kulturerbe leitet. Dies sei jeweils abhängig davon, wer für die Kulturgüter zuständig sei und wie sensibilisiert diese Person sei. Dies könne sich von Ort zu Ort stark unterscheiden.
«Wenn aber kein Kulturgüterinventar vorhanden ist, ist die Bedrohung virulent», warnt der Experte. Wenn eine solche Institution aufgehoben werde, könne irgendjemand einen Gegenstand mitnehmen, ohne dass dies dokumentiert wird. Dieses Kulturgut sei dann verloren.
Eine weitere Gefahr entsteht, wenn Kulturgüter nach der Aufhebung einer Institution an einem Ort eingeschlossen und quasi vergessen werden. «Wenn Kulturgüter 15 oder 20 Jahre in einem Raum gelagert werden, setzt sich Staub ab. Je nach Klima in dem Raum, kann sich so Schimmel bilden, der die Objekte beschädigt.»
Der neue Arbeitskreis befasst sich nur mit beweglichen kirchlichen Kulturgütern und deren Erhaltung und Sicherung. Das können Kunstwerke wie Gemälde oder Statuen, liturgische Geräte wie Monstranzen und Kelche sein. Aber auch Alltagsgegenstände. Kürzlich habe eine Kollegin in einem Kloster eine der ältesten Waschmaschinen der Schweiz gesehen, berichtet Holenstein. Für Gebäude hingegen ist der kantonale Denkmalschutz zuständig.
Neue Website zum Austausch von Fachwissen
Um Personen und Institutionen zu vernetzen, die sich in diesem Bereich engagieren, will der Arbeitskreis jedes Jahr eine öffentliche Veranstaltung organisieren. Das erste Vernetzungstreffen findet am 17. September in Olten statt.
Weiter soll der Arbeitskreis den Austausch von Fachwissen fördern. Zu diesem Zweck wird eine Website aufgebaut mit Informationen zu verschiedenen relevanten Themen und weiterführenden Kontakten. «Ein Sakristan zum Beispiel, der Fragen zur Aufbewahrung von Paramenten hat, soll hier andocken können. Einen Leitfaden zum Umgang mit Paramenten vorfinden und Kontaktpersonen, die ihm weitere Auskünfte geben können», sagt Holenstein.
Ein drittes Ziel besteht darin, kirchliche Akteure, staatliche Behörden und die Öffentlichkeit für die Bedürfnisse zur Erhaltung kirchlicher Kulturgüter zu sensibilisieren.
Das erste Vernetzungstreffen des Arbeitskreises Kirchliche Kulturgüter (AKKG) findet am 17. September in den Räumlichkeiten der Inländischen Mission in Olten statt. Der Anlass mit verschiedenen Referaten und einer Podiumsdiskussion beginnt um 15.15 Uhr und dauert bis 18 Uhr. Informationen zu Programm und Anmeldung (bis 31. August).
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