Eine Exkommunikation ist nicht genug: Piusbrüder vor neuem Ausschluss
Die traditionalistischen Piusbrüder steuern auf einen neuen Kirchenausschluss zu. Trotz Vatikan-Verbots wollen sie am 1. Juli Bischöfe in Écône im Wallis weihen – nicht zum ersten Mal. Doch einiges ist diesmal auch anders als 1988.
Severina Bartonitschek
(CIC) Eine Exkommunikation ist nicht genug. So könnte der aktuelle Weg der traditionalistischen Piusbruderschaft überschrieben sein. Denn wenn die Gemeinschaft am 1. Juli tatsächlich neue Bischöfe weiht, ist der Kirchenausschluss unausweichlich – wie der Vatikan unmissverständlich klargemacht hat. Die geplanten Weihen sind vom Papst nicht erlaubt – ebenso wenig wie jene vor knapp 40 Jahren, die bereits einmal zu einem schweren Konflikt mit Rom führten. Doch identisch ist die aktuelle Situation nicht.
Aus Sicht der Piusbrüder sind die Bischofsweihen notwendig, um den Fortbestand ihrer Gemeinschaft zu sichern. Denn nur Bischöfe können Priester weihen, und neue Priester sind für die Bruderschaft enorm wichtig. Unter anderem aus diesem Grund hatte auch der Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), am 30. Juni 1988 gegen päpstliches Verbot vier Männer zu Bischöfen geweiht.
Noch am selben Tag bestätigte der Vatikan damals die Exkommunikation als Tatstrafe für die fünf Beteiligten. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hob den Kirchenausschluss 2009 auf. Die beiden Bischöfe, die nun den neuerlichen «schismatischen Akt» vollziehen wollen, sind die noch lebenden Protagonisten von 1988: der Schweizer Bernard Fellay (68) und der Spanier Alfonso de Gallareta (69). Die damaligen Weihen kamen nach langen, aber letztlich gescheiterten Verhandlungen mit dem Vatikan – und sie markierten aus römischer Sicht einen Tiefpunkt.
Gegen das Konzil, für die «wahre Kirche»
Bereits 1970 gründet Lefebvre die Bruderschaft Sankt Pius X., weil er die Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zu Ökumene, Liturgie und Religionsfreiheit ablehnt. Weil er von seinem Standpunkt nicht abweicht, die Konzilslehren hätten die Tradition der Kirche zerstört, entzieht Rom seiner Bruderschaft 1975 zunächst die kirchenrechtliche Anerkennung, dann Lefebvre seine bischöflichen Rechte. Doch der weiht trotzdem weiter Priester; die Fronten sind verhärtet.
Mit Johannes Paul II. (1978-2005) kommt es Mitte der 80er Jahre zu vorsichtigen Annäherungen: Der Papst erlaubt unter bestimmten Bedingungen die von den Traditionalisten gewünschte «alte» Messform, bei der der Priester den Gottesdienst mit dem Rücken zu den Gläubigen und auf Latein zelebriert. Es folgen Gespräche im Vatikan. Über Monate verhandeln der ultrakonservative Erzbischof und der Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Joseph Ratzinger, über einen Kompromiss.
Kompromiss gefunden – und verloren
Am 5. Mai 1988 scheint der zunächst gefunden. Lefebvre unterzeichnet eine Fünf-Punkte-Erklärung, in der er Treue zur katholischen Kirche und zum Papst verspricht; eine Annahme der Konzilsaussagen über das kirchliche Lehramt, Verzicht auf Polemik und Anerkennung der Liturgiereform. Dafür sollte die Priesterbruderschaft kirchenrechtlich als eine «Gesellschaft des Apostolischen Lebens» errichtet werden.
Doch über Nacht zieht Lefebvre die Zusage zurück. In einem Brief vom 2. Juni bündelt er seine Differenzen mit dem «vom Modernismus verseuchten Rom». Kurz darauf weiht er trotz Vatikanverbot die vier Bischöfe und wird exkommuniziert. Die Strafe erlischt mit seinem Tod am 25. März 1991.
Neue Verhandlungen mit dem Vatikan abgelehnt
Vergleichbare Verständigungsversuche mit dem Vatikan scheint es unter dem aktuellen Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, nicht zu geben – im Gegenteil. Dabei war Rom noch unter Papst Franziskus (2013-2025) und kurz vor Pagliaranis Amtsantritt 2018 den Piusbrüdern erneut entgegengekommen.
Reguläre Beichten bei Priestern der Gemeinschaft sind seither für alle Katholiken gültig. Gleiches gilt für die in Anwesenheit von Piusbrüdern eingegangenen kirchlichen Ehen. Einmal, 2022, trifft Pagliarani Franziskus in einer privaten Audienz.
Bevor der Generalobere im Februar 2026 die kommenden Bischofsweihen ankündigt, schreibt er nach eigenen Angaben 2025 zweimal an den Vatikan. Dem neuen Papst Leo XIV. will er die aktuelle Situation seiner Gemeinschaft darlegen. Nachdem seine Briefe aus seiner Sicht keine zufriedenstellende Reaktion aus Rom auslösen, verkündet er den Weihetermin. Der Vatikan reagiert unverzüglich und lädt ihn zu Gesprächen nach Rom ein.
Der Leiter der Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Fernández, bietet Pagliarani erneute Gespräche über die Mindestvoraussetzungen zur Wiederherstellung der vollen kirchlichen Einheit an – sofern die Piusbrüder die angekündigten Bischofsweihen aussetzen. Doch Pagliarani lehnt einen weiteren Dialog ab und nimmt den angekündigten Kirchenausschluss für sechs Männer seiner Gemeinschaft in Kauf.
Riskantes Spiel
Dabei hätten die Piusbrüder durchaus noch Spielraum. Lefebvre war 82 Jahre alt und der einzige Bischof der Gemeinschaft, als er die Weihen vornahm. Weniger als drei Jahre später war er tot. Heute kann die Bruderschaft mit ihren gut 700 Priestern auf zwei Bischöfe zurückgreifen. Mit 68 und 69 Jahren sind diese zudem deutlich jünger, als der Gründer es damals war.
Offen bleibt zudem, ob der Vatikan über die Exkommunikation der Bischöfe hinaus weitere Massnahmen ergreift. Vorstellbar wären auch eine Rücknahme der unter Franziskus verfügten Öffnung bei Beichten und kirchlichen Trauungen oder Strafandrohungen an die Priester und die Gläubigen der Gemeinschaft.
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