Kardinal Koch über verbotene Bischofsweihen bei Piusbrüdern: «Situation ist sehr ernst»
Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch zeigt sich besorgt über die geplanten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius in Ecône VS, die der Vatikan verboten hat. Er weist auf die Dialogbereitschaft des Vatikans hin.
Regula Pfeifer
Kardinal Kurt Koch hat als Ehrengast und Präsident von «Kirche in Not» am Sonntag an der traditionellen Wallfahrt der Organisation nach Einsiedeln teilgenommen. In diesem Zusammenhang gab er dem Westschweizer Nachrichtenportal cath.ch ein Interview.
Bischofsweihen auf 1. Juli angekündigt
Dabei äussert er sich auch zum Konflikt zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius und dem Vatikan, der einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Die Bruderschaft hat angekündigt am 1. Juli in Ecône im Wallis vier Priester zu Bischöfen zu weihen. Unter den Kandidaten befindet sich der Schweizer Pascal Schreiber (53), der 1998 bereits in Ecône zum Priester geweiht worden war.
Papst Leo XIV. erlaubte diese Weihen aber nicht, wegen lehrmässiger Differenzen. Den Kandidaten und dem weihenden Bischof droht gemäss Kirchenrecht die Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft. Der Glaubenspräfekt Kardinal Victor Manuel Fernandez bezeichnete die angekündigten Bischofsweihen als «schismatischen Akt».
Der Generalobere Davide Pagliarani hingegen versicherte, die Bruderschaft wolle mit der Bischofsweihe keineswegs die uneingeschränkte Jurisdiktionsgewalt des Papstes über die Weltkirche leugnen, ablehnen oder herausfordern. Gleichzeitig beharrte er auf der Durchführung der Weihen.
Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab, etwa zu Ökumene und Religionsfreiheit. Sie beharren auf alten Formen des Gottesdienstes.
Angesprochen auf den Konflikt, weist Kardinal Kurt Koch darauf hin, dass der Dialog mit der Priesterbruderschaft St. Pius nicht in den Zuständigkeitsbereich des Dikasteriums für die Förderung der Einheit der Christen falle, das er leitet. Vielmehr sei dies Aufgabe des Dikasteriums für die Glaubenslehre, wie er gegenüber cath.ch ausführte.
Brüche bei jedem Konzil der Geschichte
Nach dieser Prämisse nimmt er dann doch kurz Stellung. Er weist darauf hin, dass es bei jedem Konzil in der Geschichte des Christentums Brüche und Schismen gegeben habe. Indirekt sagt er damit: Die Piusbrüder und ihre Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils sind kein Einzelfall. Gleichzeitig betont er: «Die aktuelle Situation ist sehr ernst, und das macht mich traurig.»
Dabei stellt sich Kurt Koch auf die Seite des Vatikans. Die Päpste hätten versucht, die Einheit durch den Dialog wiederherzustellen. «Aber die Lefebvrianer (Begriff vom Gründer der Bruderschaft abgeleitet, die Red.) wollen das Zweite Vatikanische Konzil nach wie vor nicht anerkennen.»
Kirche aktuell «zu polarisiert»
Koch selbst äussert sich positiv zu diesem Konzil. Es berge «einen solchen Reichtum, dass noch nicht alles vertieft worden ist». Für ein neues Konzil sei im Übrigen «noch nicht der richtige Zeitpunkt», fügt er an. Die Kirche sei aktuell «zu polarisiert».
Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf. Zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht. (mit Informationen von KNA).
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




