Papst Leo XIV. grüsste Menschen bei seinem Besuch der Aufnahmeeinrichtungen für Migranten am 11. Juni 2026 im Hafen von Arguineguín (Spanien).
Vatikan

Papst Leo XIV. beendet Spanienreise mit flammendem Appell gegen Schlepper

Eine Woche lang hat Papst Leo Spanien bereist. Nach triumphalem Jubel in Madrid und Barcelona setzte er zum Anschluss auf den Kanarischen Inseln ganz besondere Akzente. Am Abend kehrt er nach Rom zurück.

Ludwig Ring-Eifel

(CIC) Kurz vor Ende seiner Spanienreise hat Papst Leo XIV. leidenschaftliche Appelle für Integration und gegen Menschenhandel verkündet. Integration bedeute nicht, Parallelwelten zu schaffen. Sie sei ein wechselseitiger Prozess, sagte der Papst nach dem Besuch eines Aufnahmelagers für Migranten auf der Insel Teneriffa am Freitag. «Wer ankommt, lernt, sich in einem neuen Land einzuleben, und wer aufnimmt, lernt, sein eigenes Zuhause zu erweitern, ohne dabei seine Identität zu verwässern.»

«Der Fremde von gestern kann der Bruder und Nachbar von heute sein.»

Die Bevölkerung rief der Papst dazu auf, Migranten so aufzunehmen, dass «der Fremde von gestern der Bruder und Nachbar von heute sein kann». An die Einwanderer appellierte er, «sich vertrauensvoll der Gesellschaft zu öffnen, die euch aufnimmt, ihre Sprache zu lernen, ihre Gesetze zu respektieren, ihre Lebensgewohnheiten kennenzulernen, am gemeinsamen Leben teilzunehmen und eure Gaben dankbar einzubringen».

Schleppern drohen göttliche Strafen

Mit scharfen Worten wandte sich Leo XIV. an die Schlepper, die Menschen illegal auf dem lebensgefährlichen Seeweg nach Europa bringen. Er forderte sie zur Umkehr auf und sagte: «An diejenigen, die Todesrouten organisieren, Menschenhandel betreiben, Dokumente einbehalten, Arbeiter ausbeuten, Frauen bedrohen, Familien betrügen und das Leid anderer zum Geschäft machen: Hört auf damit.»

Das Geld, das man den Armen in ihrer Schutzlosigkeit abnimmt, bringe weder Frieden noch Ehre noch Zukunft, fuhr er fort. «Für jedes verlorene Leben, jede betrogene Familie, jeden unterdrückten Menschen, jede bedrohte Frau, jeden ausgebeuteten Arbeiter werdet ihr euch vor der göttlichen Gerechtigkeit verantworten müssen!»

Ertrunkene als Versagen der Menschheitsfamilie

Politik und Gesellschaft in Europa rief der Papst auf, angesichts der «Meeresfriedhöfe» nicht gleichgültig zu bleiben. «Jedes Leben, das auf diesen Routen verloren geht, ist ein Versagen der Menschheitsfamilie», so der Papst.

Daneben gelte es, auch den «zweiten Schiffbruch zu verhindern», der sich oft nach der Ankunft ereigne. Dazu gehöre, «allein in einer Stadt zu sein, ohne Sprache, ohne Beziehungen, ohne Arbeit, ohne Vertrauen und denjenigen ausgeliefert, die diese Verwundbarkeit ausnutzen». Integration bedeute, diesen zweiten Schiffbruch zu verhindern.

Nach dem Treffen mit Migranten und Aufnahmehelfern stand für Leo XIV. noch ein grosser Gottesdienst im Hafen von Santa Cruz auf dem Programm. Auch dabei ging es um das Thema Migration. Für 16 Uhr war der Rückflug nach Rom vorgesehen. Bei mehreren Auftritten bejubelten grosse Menschemengen den Spanisch sprechenden Papst. Den grössten Gottesdienst hielt er am Sonntag in Madrid vor mehr als 1,2 Millionen Teilnehmern.

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Papst Leo XIV. grüsste Menschen bei seinem Besuch der Aufnahmeeinrichtungen für Migranten am 11. Juni 2026 im Hafen von Arguineguín (Spanien). | © KNA
12. Juni 2026 | 14:00
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