Der völlig ausgebrannte Postbus in Kerzers: Sechs Menschen haben ihr Leben verloren.
Schweiz

«Innigste Gebete gelten den Familien»: Heute Abend Gedenkfeier für Busbrandopfer in Kerzers

Sechs Menschen sind bei einem Brand in einem Postauto in Kerzers FR ums Leben gekommen. Vier weitere Passagiere und ein Rettungssanitäter wurden verletzt. In der katholischen Pfarrei Murten-Kerzers ist man schockiert über das Unglück und organisiert heute Abend zusammen mit der Reformierten Kirche eine ökumenische Gedenkfeier.

Wolfgang Holz

«Wir sind gerade am Organisieren», sagt Tiziana Volken, Co-Leiterin und Pfarreiseelsorgerin der gemeinsamen katholischen Pfarrei Murten-Kerzers, am Telefon im Gespräch mit kath.ch. Es sei heute Abend eine ökumenische Gedenkfeier in der Reformierten Kirche in Kerzers geplant*. Über die Identität von möglichen Gläubigen aus der Pfarrei sei noch nichts bekannt.

«Es ist sehr schwer für uns im Augenblick»

Sie zeigt sich sichtlich betroffen von der Nachricht des furchtbaren Busunglücks am Dienstagabend. «Es ist sehr schwer für uns im Augenblick, weil wir auch ständig im Austausch mit Jugendlichen und Schülern stehen.» Tiziana Volken ist neben ihrer Leitungsaufgabe auch verantwortlich für die Familienpastoral und den Religionsunterricht in der Primarschule.

Bischof Charles Morerod
Bischof Charles Morerod

«Es wird alles getan, um gemeinsam mit den reformierten Brüdern und Schwestern für die Opfer und die trauernden oder von der Katastrophe betroffenen Familien zu beten», versichert Abbé André R. Ouédraogo, Leiter der katholischen Pfarrei Murten-Kerzers, auf Anfrage von kath.ch.

Tiefe Solidarität

Auch das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg bekundet Trauer. «Die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg sowie die Evangelisch-reformierte Kirche Freiburg haben mit grosser Trauer von der Tragödie erfahren, die sich gestern Abend in Kerzers ereignet hat, und möchten ihre tiefe Solidarität zum Ausdruck bringen», heisst es in einer Medienmitteilung des Bistums LGF.

«Möge gegenseitige Hilfe und einander Zuhören inmitten dieses schrecklichen Ereignisses Halt und Kraft geben.»

«Ihre innigsten Gebete gelten den Familien, die von dieser Katastrophe schwer getroffen wurden. Ihre Fürbitten gelten auch all jenen, die den Verletzten und Schockierten zu Hilfe kommen müssen. Möge gegenseitige Hilfe und einander Zuhören inmitten dieses schrecklichen Ereignisses Halt und Kraft geben», schreibt Bischof Charles Morerod. «Das ist eine schreckliche Tragödie. Ich bin in Gedanken bei allen Familien und Angehörigen der Opfer. Ich schliesse sie in meine Gebete ein.»

Brand durch eine Person verursacht

Während die Identität der Verletzten laut der Kantonspolizei Freiburg geklärt sei, stehe die Identifikation der im Bus verbrannten Personen noch aus. Diese dürfte womöglich mehrere Tage in Anspruch nehmen. In der Nacht auf Mittwoch galten der Polizei zufolge auch vier Personen als vermisst. Es sei noch unklar, ob sie sich unter den Todesopfern befinden.

Derzeit geht die Polizei davon aus, dass der Brand durch eine Person mutwillig verursacht worden ist. In den sozialen Medien kursiert ein Video, in dem ein Mann mit verrusstem Gesicht und auf Albanisch sagt: «Ein Mann hat sich selbst drinnen angezündet. Er hat Benzin ausgeleert und sich selbst angezündet!» Die Polizei bestätigt dies nicht, geht aber den Meldungen nach. Es gebe keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund.

Strafuntersuchung: Tötung und Brandstiftung

Wie in einer aktuellen Pressekonferenz heute um 14 Uhr von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt wurde, habe sich die Hypothese aufgrund von Zeugenaussagen bestätigt, dass ein Mann, der sich mit Flüssigkeit übergossen habe, den Brand im Bus ausgelöst hat. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb eine Strafuntersuchung wegen Tötung und Brandstiftung eingeleitet.

Der mutmassliche Brandstifter soll aus dem Kanton Bern stammen und soll sich unter den Todesopfern befinden. «Laut Angaben der Familie handelt es sich um eine psychisch labile Person, die am Rande der Gesellschaft gelebt hat», so die Staatsanwaltschaft. Der 60-Jährige sei in Spitalbehandlung gewesen und der Polizei wegen Betäubungsmitteldelikten bekannt gewesen. Anzeichen für einen ideologischen Terrorakt gebe es keine.

«Es bestürzt mich und macht traurig, dass wiederum Menschen in der Schweiz bei einem schweren Brand ums Leben gekommen sind.»

Guy Parmelin
Guy Parmelin

Auch Bundespräsident Guy Parmelin hat sich zum Brand in Kerzers geäussert. «Es bestürzt mich und macht traurig, dass wiederum Menschen in der Schweiz bei einem schweren Brand ums Leben gekommen sind», schreibt er auf X. Die Hintergründe werden geklärt. Den Angehörigen der Verstorbenen spricht er sein Beileid aus. Er denke an die Verletzten und die Rettungskräfte, schreibt Parmelin weiter.

«Schreckliche Tragödie»

Stefan Regli, CEO Postauto und Mitglied der Konzernleitung, teilte am Mittwoch mit: «Es ist eine schreckliche Tragödie, die gestern in Kerzers passiert ist. Alle Mitarbeitenden von Postauto und der Post sind wie ich schockiert und betroffen. Im Namen des Verwaltungsrates und der gesamten Konzernleitung spreche ich ihnen allen unser tief empfundenes Beileid aus. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.»

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Das völlig ausgebrannte Wrack des Busses wurde in der Nacht geborgen. Nach umfangreicher Spurensuche wurde die Strasse mitten im Ort am Morgen wieder freigegeben. Auf dem Asphalt waren nur noch Brandspuren zu sehen, wie eine Reporterin des Senders SRF berichtete.

*Heute Abend um 19 Uhr findet in der reformierten Kirche von Kerzers eine ökumenische Gebets- und Andachtsfeier statt.


Der völlig ausgebrannte Postbus in Kerzers: Sechs Menschen haben ihr Leben verloren. | © KEYSTONE/Alessandro della Valle
11. März 2026 | 14:36
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