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Rom, Rom, Rom: Synodaler Weg ringt weiter um sein Verhältnis zum Vatikan

Kein anderer Ort wurde bei der letzten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Stuttgart so oft genannt wie Rom. In wütend-kritischen Äusserungen wie auch mit detaillierten Informationen zur Reform-Diplomatie der vergangenen Jahre.

Ludwig Ring-Eifel

(CIC) «Rom», immer wieder «Rom» – auch wenn damit der Vatikan gemeint war. Kein anderer Ort der Welt wurde vom 29. bis 31. Januar in Stuttgart so oft genannt. Zwar erwähnten manche Redner in rückblickender Verklärung auch mitunter den «Geist von Frankfurt».

Dort hatten zwischen 2020 und 2023 die grossen Debatten und Abstimmungen der ersten fünf Synodalversammlungen stattgefunden. Die mündeten in jene 15 Texte, die seither beanspruchen, die Reformagenda für die katholische Kirche in Deutschland zu definieren.

Briefe werden in Rom nicht beantwortet

Im scharfen Gegensatz zu dieser positiven Rückschau in Richtung Frankfurt standen viele Äusserungen, mit denen Synodale sich auf Rom bezogen. Dass man dort, genauer im Vatikan, Briefe einfach nicht beantworte, ja nicht einmal Eingangsbestätigungen an die deutschen Absender schicke, war ein wiederholt mit grosser Empörung vorgetragener Vorwurf.

Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius in Deutschland.
Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius in Deutschland.

«So geht man unter Christenmenschen nicht miteinander um!»

Eine Rednerin wandte sich in dieser Sache direkt an den im Saal anwesenden Botschafter Roms, den Apostolischen Nuntius Nikola Eterovic: Er möge bitte nach Rom melden, dass man solch ungehöriges Verhalten («so geht man unter Christenmenschen nicht miteinander um!») nicht länger dulden werde. Als «Arbeitsverweigerung» geisselte ein anderer Redner das römische Verhalten.

Klagen vom ZdK

Der Erfurter Professor Eberhard Tiefensee erinnerte drohend daran, dass in deutschen Verwaltungen inzwischen jeder Antrag, zu dem es drei Monate lang keinen Bescheid gab, automatisch als angenommen gelte. Hinzu kamen Klagen von Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, dass man die Laienmitglieder des deutschen Synodal-Präsidiums in Rom nie auf höchster Ebene empfangen und damit ihre Rolle in dem gesamten Prozess faktisch mit Verachtung gestraft habe.

Papst Franziskus positiv

Dennoch gab es auch positive Verweise auf «Rom». Die waren meist verbunden mit Zitaten aus dem Abschlusspapier der noch unter Papst Franziskus einberufenen und 2024 von ihm abgeschlossenen Weltsynode.

Abschlusssitzung der Weltsynode  über Synodalität am 26.10.2024.
Abschlusssitzung der Weltsynode über Synodalität am 26.10.2024.

In diesem Text wird unter anderem gefordert, dass Bischöfe gegenüber synodalen Gremien Transparenz und Rechenschaft über ihre Entscheidungen an den Tag legen sollen – eine klare Kampfansage an die beinahe monarchischen Regierungsmethoden, die katholische Oberhirten in manchen Ländern bis heute für selbstverständlich halten.

Die Sache mit der «Synodalkonferenz»

Diese vom Papst in Rom abgesegnete, weltweit gültige Aufforderung an die Bischöfe zu Transparenz und Rechenschaft diente denn auch als Begründung für einen Antrag, der am Schluss der Versammlung von Stuttgart beinahe an einer Sperrminorität der Bischöfe gescheitert wäre.

Darin versuchte die Synodalversammlung auf ihren letzten Metern, ihrer ab November startbereiten Nachfolge-Organisation, der «Synodalkonferenz», eine klare Vorgabe mit auf den Weg zu geben: Sie solle die Umsetzung der Reformbeschlüsse in den einzelnen deutschen Bistümern «monitoren» – was wohl in etwa so viel heisst wie: überwachen und kontrollieren.

«Ich möchte so was nicht, dass man bei mir ins Bistum hineinregiert.»

Nach einer heftigen Unmutsäusserung von Kardinal Reinhard Marx – «Ich möchte so was nicht, dass man bei mir ins Bistum hineinregiert» – schloss sich der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf der Kritik an und wies zugleich mahnend darauf hin, dass so etwas vermutlich «weltkirchlich nicht kompatibel» sei.

Kardinal Reinhard Marx.
Kardinal Reinhard Marx.

Eine vorsichtige Umschreibung dafür, dass «Rom» (also die Führungsebene der Weltkirche) eine künftige Kontrolle und Überwachung einzelner Bistümer durch ein nationales Gremium wohl kam absegnen wird, weil dies dem universalen Kirchenrecht widersprechen würde.

Bätzing lobte Vermittlungen

Dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Rom in der Frage synodaler Institutionen und ihrer Rechte trotz mancher rhetorischer Spitzen besser und differenzierter entwickelt sind, als bisher bekannt war, machten in Stuttgart die Bischöfe Overbeck und Bätzing deutlich.

Bätzing lobte insbesondere die hilfreichen Vermittlungen und Präzisierungen aus dem römischen «Dikasterium für die Gesetzestexte», namentlich durch den dort angesiedelten deutschen Kirchenrechtsexperten Markus Graulich und durch Kurien-Erzbischof Filippo Iannone.

Mit Kurie-Grösse Iannone abgestimmt

Iannone gehört zu den wichtigsten Kurien-Grössen im alten und im neuen Pontifikat. Iannone war es auch, wie Overbeck der Versammlung haarklein schilderte, mit dem eine von ihm geleitete kleine Expertengruppe seit Jahren in Kontakt stehe. Die Satzung der künftigen Synodalkonferenz sei in mehreren persönlichen Gesprächen sowie in Telefonaten, Videocalls und sogar Kurznachrichten bis in die Einzelformulierungen hinein mit Iannone abgestimmt worden.

Erzbischof Filippo Iannone
Erzbischof Filippo Iannone

Zusätzlich habe es Briefe des Vorsitzenden Bätzing an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegeben, in denen er genau erläuterte, was das künftige nationale Kirchengremium in Deutschland sein soll und was nicht. Grundlegend war dabei die Formel, dass die neue Synodalkonferenz die Autorität der einzelnen Bischöfe nicht einschränken, sondern stärken werde. Dass die Briefe an Parolin gingen, hängt damit zusammen, dass er es war, der schon im Juli 2022 gegenüber den deutschen Bischöfen die rote Linie markiert hatte.

«Erklärung des Heiligen Stuhls»

In einer «Erklärung des Heiligen Stuhls» hatte er mitgeteilt: «Zur Wahrung der Freiheit des Volkes Gottes und der Ausübung des bischöflichen Amtes erscheint es notwendig klarzustellen: Der »Synodale Weg« in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten. Es wäre nicht zulässig, in den Diözesen vor einer auf Ebene der Universalkirche abgestimmten Übereinkunft neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen, welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden.»

Georg Bätzing, Bischof von Limburg
Georg Bätzing, Bischof von Limburg

Es war das erste und einzige Mal, dass von vatikanischer Seite die Gefahr eines schismatischen Risses («Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft») ausdrücklich genannt wurde. Zugleich enthielt der Warnschuss aus Rom den Hinweis, dass es vor der Einrichtung «neuer amtlicher Strukturen» eine «auf Ebene der Universalkirche abgestimmte Übereinkunft» geben könne.

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Und genau an dieser arbeiteten seither die Abgesandten der deutschen Bischöfe (mit Overbeck als informellem Verhandlungsführer) auf der einen und mehrere Vatikanvertreter (mit Iannone als Sprecher) auf der anderen Seite – in immer neuen Anläufen. Dass Parolin als Kardinalstaatssekretär dann noch gesondert und ausführlich informiert wurde, unterstreicht, wie zentral die Rolle des Staatssekretariats auch in solchen innerkirchlichen Abstimmungs- und Reformprozessen ist.

Gibts die «Recognitio» aus Rom?

«Rom» bleibt auch nach dem formalen Ende des deutschen Synodalen Wegs ein entscheidender Ort für dessen Wirksamkeit. Das zeigte sich nicht zuletzt bei der finalen Pressekonferenz nach dem Abschluss der Beratungen und Abstimmungen in Stuttgart.

Dort kündigt der Noch-Bischofskonferenz-Vorsitzende Bätzing auf KNA-Nachfrage an, das neue synodale Gremium in Deutschland werde erst dann seine Arbeit aufnehmen, wenn die Genehmigung («Recognitio») seiner Satzung aus Rom vorliege.


Die Kuppel des Petersdoms im Licht der aufgehenden Sonne. | © Stephan Schwitter
9. Februar 2026 | 10:00
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