«Starkes Zeichen für queerfreundliche Seelsorge»: Luzerner Kirchen engagieren sich an Pride Zentralschweiz
In Luzern engagieren sich die katholischen Kirchen vielfältig an der Pride Zentralschweiz vom 23. August – mit eigenen Anlässen wie einem Pride-Slam, kirchlicher Präsenz an Festival und Demo und mit Geld. Das sei selbstverständlich, lassen beide Körperschaften wissen. Zentrale Figur ist dabei Meinrad Furrer, katholischer Leiter des ökumenischen Peterskapelle-Teams.
Regula Pfeifer
Die Kirchen sind an der Pride Zentralschweiz in Luzern präsent, seit ihrer Neubelebung im Jahr 2022. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Peterskapelle in Luzern. «Die Peterskapelle liegt mitten im pulsierenden Luzern an der Reuss und ist unsere Citypastoral», begründet Ingrid Schmid dies. Schmid ist Leiterin des Fachbereichs Kommunikation/Marketing der Katholischen Kirche Stadt Luzern.
«Der Leiter der Peterskapelle, Meinrad Furrer, selbst ein queerer Mensch, investiert hier mit seinem Team und freiwillig Engagierten viel Herzblut.» Er habe sich gleich nach seinem Wechsel von Zürich nach Luzern für die kirchliche Beteiligung eingesetzt. Und er habe «auch gleich die drei Landeskirchen mit ins Boot geholt», so Schmid. Die evangelisch-reformierte und die christkatholische Kirche sind also auch involviert.
Neu: ein Pride Slam
Das Pride-Programm – auch jenes der Kirchen – verläuft ähnlich wie in den drei letzten Jahren. Mit einer Ausnahme: Erstmals organisiert die Kirche einen Pride Slam, an der drei Prediger:innen und drei Poet:innen auftreten, wie der katholische Theologe Meinrad Furrer auf Anfrage schreibt.
Der Pride Slam findet zwei Tage vor der Pride statt, am 21. August, und zwar in der Bar «Madeleine». Dessen Team setze sich auch mit anderen Veranstaltungen für Inklusion und Diversität ein, so Furrer. In der Woche vor der Pride bereitet die Peterskapelle auch mit spirituellen Mittagsimpulsen auf den Anlass vor.
Biblischer Zuspruch am Festival
An der Pride selbst, am Samstag, 23. August, ist das ökumenische Team der Peterskapelle ab 16 Uhr mit einem Stand auf dem Festivalgelände präsent. «Dort bieten wir Informationen und Gespräche – und unser beliebtes Glücksrad mit Texten aus der Queerbibel», kündigt die Katholische Kirche Stadt Luzern an. «Wer dreht, bekommt einen queeren Bibelvers und auf Wunsch ein persönliches Segenswort dazu.»
Den Zuspruch erhalten sie per QR-Code auf einem geschenkten Regenbogenprisma. Es gebe nun neue Zusprüche aufgrund ihrer Weiterarbeit an der Queerbibel, so Furrer. Das Angebot kam offenbar an. «Wir haben letztes Jahr mehrere hundert Menschen damit erreicht quer durch alle Altersschichten und Identitäten.»
Demo mit Banner «Gott liebt vielfältig. Wir auch»
Ab 20 Uhr beteiligen sich die kirchlich Engagierten an der NightPride, einer bunten, musikalisch umrahmten Demonstration durch die Stadt. Sie tragen dabei ein Banner mit der Aufschrift «Gott liebt vielfältig. Wir auch.» Das sei «ein öffentliches Bekenntnis zu einer inklusiven Kirche, die für Menschenrechte, Liebe und Freiheit einsteht», heisst es auf der Churchpride-Webseite. Der Zug endet im Löwenplatz, wo ab 22 Uhr Abendkonzerte und Darbietungen stattfinden.
Tags darauf findet am Sonntag um 14 Uhr in der Peterskapelle ein Ökumenischer Gottesdienst zur Pride Zentralschweiz statt mit dem klingenden Titel «Celebration of Pride». Im Zentrum des Gottesdienstes stehen drei Kurzpredigten zu Texten aus der Queerbibel. Barbara Steiner (reformiert), Rinaldo Keiser (christkatholisch) und Meinrad Furrer (römisch-katholisch) halten je eine Kurzpredigt aus der Queerbibel, die mit dem Glücksrat spontan ausgelost wird.
Katholische Stadt- und Kantonalkirche dabei
Die katholischen Kirchen von Stadt und Kanton Luzern engagieren sich beide personell und finanziell an diesem queeren Anlass der Zentralschweiz. Mitarbeitende und Mitglieder des Synodalrats seien an der Pride präsent und wirkten teilweise mit, informiert Nana Amstad-Paul auf Anfrage. Sie ist Synodalrätin der katholischen Landeskirche Luzern und dabei zuständig für Pastoral und Ökumene.
Die städtische und die kantonale katholische Kirche stehen zu ihrem Engagement an der Pride. Die Kantonalkirche «ist selbstverständlich engagiert und unterstützt gern den Auftritt der katholischen Kirche an der Pride», lässt Nana Amstad-Paul mitteilen.
Für alle Menschen dasein
«Die Katholische Kirche Stadt Luzern ist für alle Menschen da und möchte auf eine achtsame Weise verbindend wirken», begründet Schmid das stadtkirchliche Engagement. «Wir wollen mit unserem Pride-Engagement ein starkes Zeichen setzen für deine queerfreundliche Seelsorge, eine ökumenische Haltung und ein kreatives theologisches Projekt: die Queerbibel.»
Auch ihr finanzielles Engagement geht auf eine Initiative von Meinrad Furrer zurück, wie beide katholische Körperschaften sagen. Er habe den drei Landeskirchen 2022 ein Gesuch um einen Beitrag an den sonntäglichen ökumenischen Pride-Gottesdienst gestellt. Seither unterstützten sie diese Feier sowohl ideell wie finanziell, sagt Schmid und ergänzt: «Die übrigen Veranstaltungen und die Queerbibel werden aus dem Projektbudget der Peterskapelle finanziert.»
Meinrad Furrer wechselte im Sommer 2022 an die Peterskapelle Luzern. Zuvor arbeitete er in Zürich im Team «Kirche urban» mit und wirkte im OK der Zurich Pride mit.
Mehr Infos auf der Webseite des Anlasses und der Katholischen Kirche Stadt Luzern.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




