Bruno Willi
Schweiz

Pride-Gottesdienst für queere Menschen: «Der Mensch darf frei sein – getragen von Gott»

Am Wochenende steigt in Zürich erneut die Pride-Party, die am Sonntagnachmittag mit einem ökumenischen Gottesdienst ausklingt. Dabei werde der Menschen gedacht, die queer feindliche Erlebnisse erfuhren, sagt Bruno Willi. Der Leiter der HIV-Aidsseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich gestaltet den Gottesdienst mit.

Regula Pfeifer

Mein Eindruck ist, dass Sie das erste Mal am ökumenischen Pride-Gottesdienst vom Sonntag mitwirken, stimmt das?

Bruno Willi: Ja, das ist so.

Was ist Ihre Motivation dafür?

Willi: Wir von der HIV-Aidsseelsorge der katholischen Kirche im Kanton Zürich bieten queeren Menschen die Möglichkeit, uns auf der Stelle zu besuchen. Durch das HIV ist unsere Seelsorge für und mit queeren Personen seit 35 Jahren geprägt.

«Wir haben unsere Stelle auch für queere verletzliche Personen geöffnet.»

Zusätzlich haben wir unsere Stelle vor fünf Jahren für queere verletzliche Personen geöffnet, also für Menschen, die mehrfach Diskriminierung erfahren – wie etwa geflüchtete queere Menschen oder Transpersonen. Diesen Herbst werden wir voraussichtlich unseren Namen ändern, so dass wir bald auch offiziell eine katholische, queere Seelsorge anbieten. Deshalb passen die Pride und der Pride-Gottesdienst auch zu uns.

Was will der Gottesdienst?

Bruno Willi
Bruno Willi

Willi: Der Gottesdienst ist ökumenisch, das heisst, er ist ein Zeichen, dass alle Menschen bei den beteiligten Kirchen willkommen sind und unterstützt werden.

Werden Sie den Gottesdienst leiten?

Willi: Wir sind ein Team von verschiedenen Kirchen und Organisationen, die den Gottesdienst gestalten. Ich werde einen Part haben, beziehungsweise ein Gebet sprechen. Andere übernehmen die Predigt und die Bibeltexte. 

«Wir gedenken jener Menschen, die in ihrem Leben queer feindliche Erlebnisse erfuhren.»

Weshalb ist ein Gottesdienst wichtig an einem Anlass für queere Menschen?

Willi: Es geht darum, sich zu besinnen auf das teilweise schwierige Schicksal von Menschen, die nach ihrem Coming-Out als queerer Mensch abgelehnt wurden, etwa von ihren Familien. Und wir gedenken jener Menschen, die in ihrem Leben queer feindliche Erlebnisse erfuhren.

«Der Gottesdienst ist ein Zeichen von Befreiung und Gemeinschaft.»

Gibt es theologische Gründe dafür?

Willi: Der Gottesdienst ist ein Zeichen von Befreiung und Gemeinschaft. In der Bibel zeigt sich Gott immer wieder, er schenkt Hoffnung, befreit die Menschen. Der Mensch darf frei sein – und das getragen von Gott, von der Religion.

Mann oder Frau? Das ist nicht entscheidend an der Zurich Pride
Mann oder Frau? Das ist nicht entscheidend an der Zurich Pride

Sie sind Stellenleiter HIV-Aidsseelsorge bei der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Welche Hilfe können Sie als Aidsseelsorger geben?

Willi: Wir sind sowohl eine Geh-hin-Kirche als auch ein Safe Space. Wir sind jederzeit für Einzelgespräche über alle Notlagen oder existenzielle Fragen und Themen da. Einen Safe Space beziehungsweise Rückzugsort bieten wir auch, indem die Menschen zu uns kommen und Gemeinschaft mit anderen Personen leben und feiern können. Aber wir gehen auch hinaus. Zum Beispiel haben wir das Glück, dass es in Zürich ein sogenanntes Regenbogenhaus gibt. Dort, vor Ort, bieten wir jeden Mittwochnachmittag professionelle Sozialberatung und Sozialbegleitung an – im Sinne der Geh-hin-Kirche.

Bietet Ihre Seelsorge Lebenshilfe?

Willi: Ja, genau. Wir bieten Lebenshilfe, soziale Unterstützung, handfeste Hilfe jeglicher Art. Zum Beispiel die Begleitung für Menschen, die arbeitslos sind, die aufs Sozialamt müssen, die armutsbetroffen sind oder eine psychiatrische Diagnose haben. Zwei queere Gesundheitszentren vermitteln queere und / oder HIV betroffene Hilfesuchende zu uns, damit wir dafür sorgen, dass sich ihre Lebenssituation verbessert.

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Pride-Gottesdienst in der Augustinerkirche Zürich

Der 22. ökumenische Pride-Gottesdienst findet am Sonntag, 22. Juni, von 14 bis 16 Uhr in der christkatholischen Augustinerkirche Zürich statt. Sein Motto: «Mentale Gesunde x Queerness. Der Pride-Gottesdienst für alle, die mit Verletzlichkeit atmen, fühlen und feiern», wie es auf der Einladung heisst.
Am Gottesdienst wirken mit: die evangelisch-reformierte Pfarrerin Priscilla Schwendimann, die christkatholische Pfarrerin Melanie Handschuh, der römisch-katholische Seelsorger Bruno Willi, Ash Schenker vom Zwischenraum Schweiz und Urs Bertschinger von der Projektleitung Regenbogenkirche/EMK Zürich 2. Die Musik kommt von der Band der Mosaic Church und von Philippe Frey an der Orgel. (rp)


Bruno Willi | © zVg
19. Juni 2025 | 17:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!