Papst verurteilt Israels Vorgehen in Gaza scharf
Anders als Papst Franziskus hat Leo XIV. bislang eher zurückhaltend über den Gaza-Krieg gesprochen. Doch nach dem Beschuss der katholischen Pfarrei im Gazastreifen hat er seinen Tonfall unüberhörbar geändert.
(CIC) Papst Leo XIV. hat erstmals das Vorgehen der israelischen Streitkräfte im Gaza-Streifen in aller Schärfe verurteilt. Beim Mittagsgebet an seinem Urlaubsort Castel Gandolfo sage er am Sonntag: «Ich empfinde tiefen Schmerz über den Angriff israelischer Streitkräfte auf die katholische Kirche in Gaza-Stadt.» Der Beschuss folge «nach vielen, kontinuierlichen militärischen Angriffen gegen die Zivilbevölkerung und gegen religiöse Stätten in Gaza.»
«Danke für euer Glaubenszeugnis»
Unter dem Beifall von Tausenden Menschen auf dem Platz vor der päpstlichen Sommerresidenz forderte Leo XIV. ein sofortiges Ende der «Barbarei des Krieges». Die internationale Gemeinschaft rief der Papst auf, das humanitäre Völkerrecht zu beachten, sich für den Schutz der Zivilbevölkerung einzusetzen und dafür zu sorgen, dass das völkerrechtliche Verbot von Kollektivbestrafungen eingehalten werde.
Auch müsse dem unverhältnismässigen Einsatz von Gewalt und der gewaltsamen Vertreibung der Bevölkerung Einhalt geboten werden.
An die christliche Minderheit im Nahen Osten gewandt sagte der Papst: «Ihr seid im Herzen des Papstes und in dem der ganzen Kirche! Danke für euer Glaubenszeugnis!»
Parolin forderte Untersuchungsbericht
Ende vergangener Woche hatte sich auch der Chefdiplomat des Papstes zum Beschuss der einzigen katholischen Kirche im Gaza-Streifen geäussert. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sagte dem italienischen Fernsehsender RAI2, der Vatikan erwarte, dass die israelische Regierung die Ergebnisse der von ihr versprochenen Untersuchung zu dem Vorfall bekannt gebe. Nach vielen Worten sei es jetzt Zeit für Fakten.
Das Interview wurde am Freitagabend geführt und am Samstag unter anderem von der Plattform Vatican News verbreitet. Parolin sagte weiter, der Anruf des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu bei Papst Leo XIV. vom Freitagmorgen sei «angebracht» gewesen und führte aus: «Man konnte schlechterdings nicht umhin, den Papst über das Geschehene zu informieren, denn es handelt sich um einen absolut schwerwiegenden Vorfall.»
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