Frau inmitten von Särgen mit den sterblichen Überresten der Opfer des Massakers in Srebrenica vor dem Totengedenken im Jahr 2017.
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30 Jahre seit Srebrenica: Katholische kritisiert orthodoxe Kirche

Vor 30 Jahren töteten vorwiegend serbische Truppen mindestens 8000 muslimische Bosniaken. Dieses Massaker in Srebrenica spaltet die Menschen bis heute. Auch zwischen Christen gibt es einem Hilfswerk zufolge Dissens.

(KNA) Aus der katholischen Kirche in Bosnien-Herzegowina kommt Kritik an ihrem orthodoxen Pendant für die Haltung zum Massaker von Srebrenica vor 30 Jahren. Der Prozess der Versöhnung und Vergebung werde behindert, sagte der Sprecher des Erzbistums Vrhbosna mit Sitz in der Hauptstadt Sarajevo, Drazen Kustura, dem päpstlichen Hilfswerk «Kirche in Not».

Keine Begegnungen mit serbisch-orthodoxer Kirche

Das teilte die Organisation am Donnerstag in München mit. Es gebe zwar Begegnungen zwischen Katholiken und Muslimen anlässlich der Gedenkfeiern, hiess es. Aber es sei fast unmöglich, orthodoxe Christen in gemeinsame Aktivitäten einzubeziehen.

Wie Kustura laut Mitteilung erklärte, erkennen die serbische Politik und die serbisch-orthodoxe Kirche das Massaker von Srebrenica als schweres Verbrechen an, leugnen aber einen Völkermord. «Solange diese Haltung vorherrscht, sind gemeinsame Initiativen kaum zu erwarten.»

Grösstes Massaker seit Zweitem Weltkrieg

Im Juli 1995 wurden mindestens 8000 muslimische Bosniaken von vorwiegend serbischen paramilitärischen Truppen getötet. Die Opfer waren überwiegend Jugendliche und Männer zwischen 13 und 75 Jahren.

Es handelte sich um das grösste Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag bezeichnete das Grauen von Srebrenica 2007 als Völkermord. Die Haupttäter erhielten vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal lebenslange Haftstrafen, etliche weitere wurden von verschiedenen Gerichten verurteilt. Auch in Serbien, das den Vorwurf des Genozids aber nicht anerkennt.

Pochen auf Gerechtigkeit

Vergebung und Versöhnung seien möglich, ergänzte der Sprecher des Erzbistums. Dass die einst verfeindeten Parteien heute in relativem Frieden lebten und miteinander redeten, seien wichtige Zeichen. «Wir dürfen jedoch die Notwendigkeit von Gerechtigkeit nicht ausser Acht lassen, das heisst, dass jeder Einzelne für die Verbrechen, die er begangen hat, zur Rechenschaft gezogen werden muss.»

Die katholische Kirche in Bosnien und Herzegowina setze auf den Dialog zwischen den drei wichtigsten Religionsgemeinschaften, hiess es weiter. Durch Bildungs-, Sport- und andere Aktivitäten sollen Spaltungen überwunden und junge Menschen zum Brückenbauen zwischen den Religionen und Volksgruppen ermutigt werden.

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Frau inmitten von Särgen mit den sterblichen Überresten der Opfer des Massakers in Srebrenica vor dem Totengedenken im Jahr 2017. | © Kristian Skeie/Keystone
11. Juli 2025 | 09:00
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