Liturgisches Institut macht Umfrage zu Schweizer Sterbesegen
Das Liturgische Institut in Freiburg (Schweiz) will von Seelsorgenden und Ehrenamtlichen in der Pastoral wissen, welche liturgische Hilfe sie für den Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen bräuchten – als Alternative zum Sterbesakrament. Die Umfrage läuft bis am 23. April.
Regula Pfeifer
Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland und Österreich Vorlagen für einen modernen Sterbesegen mit sehr ansprechenden Texten und Zeichen. «Das soll es auch für die Schweiz geben», ist das Team des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz mit Sitz in Freiburg überzeugt.
Lebensübergänge rituell begleiten
«Eigentlich ist überraschend, dass nicht schon viel früher moderne Formen von Sterbesegen entwickelt wurden», schreiben Eleonora Biderbost und Gunda Brüske zuhanden von kath.ch. Denn: «Lebensübergänge rituell zu begleiten, ist ein kulturübergreifendes, jahrtausendealtes Phänomen. Und vom Segen erwarten sich alle Menschen etwas Wohltuendes, auch Kirchenferne.»
Um die Sache adressatengerecht anzugehen, lanciert das Institut eine Umfrage bei Menschen, die in der Seelsorge der Schweiz tätig sind. «Wir möchten wissen, was es braucht für Spital, Seniorenheim, Pfarrei und weitere Orte», so Biderbost und Brüske. Das wollen sie mit der Umfrage eruieren. Die Umfrage läuft bis am 23. April.
Sterbesakrament stösst teilweise auf Ablehnung
Geht es nach den Liturgikerinnen, soll der nicht-sakramentale Sterbesegen fortan auch in der Schweiz eine Alternative zum Sterbesakrament bilden. Dies habe nicht nur mit der Tatsache zu tun, dass Priester nicht immer verfügbar seien. «Das eigentliche Sterbesakrament, die Wegzehrung, kann unter den heutigen medizinischen Bedingungen am Lebensende nicht mehr allen Menschen gereicht werden», schreiben Biderbost und Brüske.
Ausserdem seien Seelsorgende «immer häufiger mit der Situation konfrontiert, dass das Sakrament der Krankensalbung – aus unterschiedlichen Gründen – weder von den Sterbenden noch ihrem Umfeld gewünscht wird oder sogar auf Ablehnung stösst.» Die Liturgikerinnen sind überzeugt: «Hier kann der nicht-sakramentale Sterbesegen ein für Sterbende und Seelsorgende gangbarer und sinnvoller Weg sein.»
Vorteil: ökumenisch anwendbar
Sie weisen auch darauf hin, dass ein Sterbesegen in moderner Form «nicht konfessionell eingeschränkt», also ökumenisch organisierbar sei. Den Begriff «Sterbesegen» allerdings stellt das Liturgische Institut in Frage. Das Team sei der Ansicht, dass die Feier etwas früher, vor Beginn des Sterbeprozesses, liegen müsste. «Die Worte und Zeichen der Berührung dieses besonderen Segens sind so einfühlsam, dass wir uns wünschen, dass die oder der Sterbende diese wunderbare Stärkung noch bewusst erfahren darf.»
Dass es einen solchen Segen braucht, davon sind Biberbost und Brüske überzeugt. «Wenn der Tod immer näher rückt, durchleben Sterbende und ihr Umfeld äusserst schwierige und herausfordernde Momente zwischen Verzweiflung und Akzeptanz», schreiben sie. Das erfordere in der Begleitung dieser Menschen viel Feingefühl und Empathie, sowohl seitens des medizinischen Personals auch seitens Seelsorgenden. Sie seien herausgefordert, den letzten körperlichen und seelischen Bedürfnissen der Sterbenden gerecht zu werden.
Hilfreiche Zeichen und Rituale
Das könne alle Beteiligten emotional, aber auch zeitlich an ihre Grenzen bringen. «In solchen Momenten können formulierte Worte und Gebete, erprobte Zeichen und Rituale, wie sie der neue Sterbesegen bietet, sehr hilfreich und entlastend sein», schreiben die Liturgikerinnen.
Sie sind auch überzeugt, dass eine Schweizer Variante zu bestehenden Unterlagen in Deutschland und Österreich notwendig und sinnvoll ist. So könne hierzulande etwa das Bruder-Klausen-Gebet integriert werden, das eindringlich formuliere: «Nimm mich mir und gibt mich ganz zu eigen dir». Ausserdem bestehe in der Schweiz aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit eine besondere Situation, der das Liturgische Institut mit einer mehrsprachigen Publikation entgegenkommen möchte.
Die Fragen
Wer die Umfrage beginnt, muss zuerst angeben, wo er oder sie arbeitet. In der Krankenhaus-Seelsorge, in der Heimseelsorge, in der Pfarreiseelsorge oder anderswo. Es folgt die zentrale Frage: «Welche liturgische Hilfe würde Ihnen den Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen erleichtern?» Angeben sind die Optionen: Ausgefaltetes Segensformular (mit Text-, Gebets- und Liedvorschlägen) oder Kurzform eines Sterbesegens.
Dann werden neun Elemente oder Teile vorgestellt, die im neuen Sterbesegen angedacht sind. Darunter die Sammlung und Begrüssung des oder der Sterbenden und der Anwesenden, das Kreuzzeichen, ein Segensgebet und Segenszeichen für die sterbende Person und weiteres mehr. Dazu folgt die Frage, ob und was hier fehle.
Wissen will das Liturgische Institut auch, in welchen Sprachen die Sterbesegens-Angebote für den Arbeitsalltag der Befragten vorliegen sollten. Neben den Schweizer Landessprachen sind auch englisch, spanisch, portugiesisch, niederländisch und Sprachen des Balkan genannt. «Was möchten Sie uns sonst noch zu bedenken geben oder mitteilen?», heisst es zum Schluss der Umfrage.
Angebot in einem Jahr
Das Liturgische Institut hat sich vorgenommen, das mehrsprachige Büchlein und zugehörige Faltkarten in den wichtigsten Sprachen bis in einem Jahr bereit zu haben. Ein «ziemlich ehrgeiziges» Ziel, wie Eleonora Biberbost und Gunda Brüske an kath.ch schreiben.
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