Bischof Felix Gmür zum Start von «Sarco»: «Die Suizidkapsel ist gefährlich»
Am Montag ist zum ersten Mal eine Person in der umstrittenen Suizidkapsel «Sarco» gestorben – eine 64-jährige Amerikanerin. Der Basler Bischof Felix Gmür äussert sich dazu kritisch, weil bei dieser Art von Suizidbeihilfe keine ärztliche Beurteilung erforderlich ist.
Regula Pfeifer
Wie beurteilen Sie den Einsatz der Suizid-Kapsel, der im Kanton Schaffhausen und damit in Ihrem Bistum, stattfand?
Felix Gmür: Die Suizidkapsel ist deshalb gefährlich, weil im Unterschied zu den anderen Suizidbeihilfeorganisationen die ärztliche Beurteilung nicht erforderlich ist. Das erleichtert den Zugang zum Suizid zu sehr.
«Ich hätte die suizidwillige Person in die Richtung der Palliativpflege orientiert.»
Was hätten Sie der sterbewilligen Frau geraten, wenn Sie dazu Gelegenheit gehabt hätten?
Gmür: Ich hätte die suizidwillige Person in die Richtung der Palliativpflege orientiert, welche ein ganzheitliches Verständnis der Person hat und diese sowohl in ihrer klinischen als auch in ihrer psychosozialen und existenziellen Dimension betrachtet. Auch den Angehörigen kommt eine bedeutende Rolle zu, damit die verzweifelte Person sich nicht als Last begreift und sich geliebt und unterstützt fühlt.
«Wichtig ist der Austausch mit den Angehörigen.»
Was raten Sie den Katholikinnen und Katholiken in Ihrem Bistum – angesichts der Präsenz der Sterbehilfe-Organisation «The Last Resort» in einem Bistumskanton?
Gmür: Wichtig ist der Austausch mit den Angehörigen und mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger, zugleich die Abklärung, wo es Sterbehospize gibt und wie man dort palliativ und menschlich begleitet wird.
Wie stehen Sie zum diesbezüglichen Polizeieinsatz, bei dem die Schaffhauser Polizei mehrere Personen verhaftete?
Gmür: Die Beurteilung liegt in den Händen der staatlichen Justiz.
*Das Interview wurde schriftlich geführt.
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