Über Krieg und Frieden spricht Schweizer Armeechef von der Kirchenkanzel
Diakon Stefan Staub von der Katholischen Pfarrei Teufen-Bühler-Stein ist ein kreativer Seelsorger. Er geht ungewöhnliche Wege, um Gläubige zum Nachdenken anzuregen. Nun hat er den Schweizer Armee-Chef Thomas Süssli in den Gottesdienst am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag eingeladen. Warum eigentlich gerade einen Armeechef?
Wolfgang Holz
Die Welt ist sichtlich aus den Fugen geraten. Schon lange war der Weltfrieden nicht mehr so gefährdet wie in der aktuellen Zeit – bedingt durch die furchtbaren Kriege in Nahost in Israel und in Osteuropa zwischen Russland und der Ukraine.
Warum ein Armeechef und kein Friedensforscher?
Da fragt man sich, warum gerade ein Armeechef in die Kirche zum Thema Krieg und Frieden in die Katholische Pfarrei Teufen eingeladen wird. Ein Mann, der Chef ist über eine Armee, ihre Verteidigungsdoktrin und ihre Waffensysteme, und nicht etwa ein Friedensforscher oder Pazifist.
Schliesslich sind ja im Neuen Testament die Worte Jesu aus der Bergpredigt für den Umgang mit Feinden zentral. Und da kommen Waffen eigentlich nicht vor. Gewaltlosigkeit lautet die Strategie der Bergpredigt. Von Panzerhaubitzen ist nirgends die Rede.
«Man kann natürlich Waffengewalt als Möglichkeit zur Friedenserhaltung in Frage stellen.»
Diakon Stefan Staub, selbst Armeeseelsorger, hat Verständnis für mögliche Irritationen. «Man kann natürlich Waffengewalt als Möglichkeit zur Friedenserhaltung in Frage stellen – genau das werde ich auch während des 20-minütigen Kanzelgesprächs mit Fragen an Armeechef Thomas Süssli tun», versichert der Teufner Seelsorger.
«Realität eine andere als in der Bergpredigt»
Aber angesichts des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine müsse man sich schon die Frage stellen, ob der Angegriffene sein Land nicht verteidigen dürfe. «Hier ist die Realität eine andere als in der Bergpredigt, und es braucht natürlich auch einen Dialogpartner, mit dem man friedvolle Gespräche führen kann», ist Staub überzeugt.
«Ich möchte mit meinen Kanzelgesprächen einfach immer ein bisschen provozieren, um die Menschen zum Nachdenken zu bringen.»
Gleichzeitig sehe er aber auch die Grenzen der Sinnhaftigkeit des momentanen Vernichtungskriegs zwischen Russland und der Ukraine, bei dem täglich zahlreiche Menschen sterben. Und an dem nicht zuletzt vor allem die Rüstungsindustrie verdient.
«Ich möchte mit meinen Kanzelgesprächen einfach immer ein bisschen provozieren, um die Menschen zum Nachdenken zu bringen», so Staub. Er hatte auch schon die ehemalige Bundesrätin Doris Leuthard zu Gast und den Comedian Beat Schlatter.
Höchster Soldat der Schweizer Armee
Nun kommt also Thomas Süssli, der Chef der Schweizer Armee, zu Gast in die Pfarrei Teufen. Süssli ist seit 2020 als «Chef der Armee» (CdA) der höchste Soldat der Schweizer Armee im Grad des Korpskommandanten.
Was bewegt den Chef der Armee in Zeiten multipler Krisen in Europa und mit einem Krieg direkt vor der Haustür? Wo sieht der oberste Soldat Lichtblicke und Hoffnungsfunken für eine Lösung der offenen Konflikte? Was bedeutet die neue europäische Sicherheitspolitik für die Schweiz? Mit diesen und weiteren Fragen will Diakon Stefan Staub den Schweizer Armeechef konfrontieren.
«Die Schweiz ist mittendrin»
«Die Rhetorik der Politik ist schärfer geworden. Die Möglichkeit von gewaltsamen Konflikten und militärischen Interventionen im Herzen Europas sind wieder in die Gedankenwelt zurückgekehrt und beeinflussen die Sicherheitspolitik in ganz Europa. Die Möglichkeit von Kriegen ist wieder da und die Schweiz ist mittendrin», gibt Stefan Staub zu bedenken.
*Thomas Süssli ist am Sonntag, 15. September, dem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, im Gottesdienst um 10 Uhr in der Pfarrei Teufen-Bühler-Stein zu Gast. Nach dem Gottesdienst gibt es eine offene Begegnungsmöglichkeit mit Armeechef Thomas Süssli beim Mittagessen für alle.
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