Bischof Felix Gmür (Mitte) und EKS-Präsidentin Rita Famos
Schweiz

Kirchen fordern: Politik soll auf Geldkürzungen an Ärmste verzichten

Der Bundesrat will 1,5 Milliarden Franken von der Entwicklungszusammenarbeit abzweigen – für den Wiederaufbau der Ukraine. Die beiden grossen Landeskirchen der Schweiz stellen sich dagegen. Das dürfe nicht auf Kosten der Ärmsten in der Welt gehen.

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz und die Schweizer Bischofskonferenz fordern die Bundespolitik auf, die Hilfe für die Ukraine nicht mit den Geldern für die Länder des globalen Südens zu finanzieren. Der Schweizerische Katholische Frauenbund hat sich kürzlich ebenso geäussert.

«Alle Möglichkeiten ausloten»

Die Kirchen bitten nun das Bundesparlament, «alle Möglichkeiten auszuloten, um eine Kürzung der Bundesbeiträge bei der Entwicklungszusammenarbeit zu vermeiden.» Denn eine solche Kürzung würde «die Ärmsten und Verwundbarsten auf dieser Welt unverhältnismässig stark treffen.»

Nationalratssaal.
Nationalratssaal.

Angesichts der von Kriegen und Konflikten geprägten Weltlage müsse sich die Schweiz dringend weiter in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren, zeigen sich die Kirchen überzeugt.

Bund und kirchliche Hilfswerke: bewährte Zusammenarbeit

Sie erinnern daran, dass sie mit ihren christlichen Hilfswerken einen wichtigen Beitrag an die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit leisten. Denn der Bund arbeite diesbezüglich mit nationalen und internationalen Organisationen zusammen, insbesondere auch mit Schweizer Hilfswerken, die mit Partnern vor Ort arbeiteten.

Reichliche Palette: Dorfgruppe, die von Fastenaktion unterstützt wird, mit ihrer Produktion von Nahrungsmitteln im Kongo.
Reichliche Palette: Dorfgruppe, die von Fastenaktion unterstützt wird, mit ihrer Produktion von Nahrungsmitteln im Kongo.

Diese Zusammenarbeit habe sich bewährt, so die beiden grossen Landeskirchen. Denn gerade nichtstaatliche Akteure hätten oft Zugang zu vernachlässigten Regionen, in die staatliche Akteure nicht hingelangten. So erhielten Menschen in Not weltweit schnelle und effiziente Hilfe aus der Schweiz.

Kirchen helfen Spenden sammeln

Wichtig sei auch die Spendenkultur, welche die Kirchen in der Schweiz förderten, so die Mitteilung. Viele ehrenamtlich Tätige in den Kirchen setzten sich in Pfarreien und Kirchgemeinden entsprechend ein.

Plakat der Fastenaktion, 2017
Plakat der Fastenaktion, 2017

In den Ländern des Südens seien es ausserdem oft Religionsgemeinschaften, welche für Gesundheit, Bildung und Soziales sorgten, fügen die Kirchen hinzu. Religiöse Akteurinnen und Akteure genössen dort «hohes Vertrauen in der Bevölkerung».

Mitwirken gegen globale Ungerechtigkeit

Ihr Engagement für die Ärmsten der Welt erklären die Kirchen mit internen Entscheiden und Schreiben. So erwähnt die katholische Kirche die Enzykliken «Populorum Progessio von 1967 und «Laudato si» von 2015. Gerade Letztere fordert die Gläubigen dazu auf, den Schrei der Erde und der Armen zu hören. Die reformierte Kirche stützt sich auf das Bekenntnis von Accra von 2004 ab, das das Engagement gegen die ungerechte Weltwirtschaftsordnung hervorhob.

Vor kurzem hat sich der Schweizerische Katholische Frauenbund ebenfalls gegen eine Kürzung der Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit ausgesprochen. (rp)

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Bischof Felix Gmür (Mitte) und EKS-Präsidentin Rita Famos | © Roberto Conciatori
30. August 2024 | 13:31
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