«Reformen Jetzt» ist jetzt Co-Player des Bistums bei Sankt Galler-Bischofswahl
Seit Dienstag hat die dreiwöchige Konsultation für die Bischofswahl in St. Gallen begonnen. In einem synodalen Prozess können sich Gruppen an einem Fragenbogen beteiligen, um über die Wunscheigenschaften des Nachfolgers von Bischof Markus Büchel zu befinden. Wie nimmt eigentlich die Sankt Galler Reformbewegung «Reformen jetzt» an dem Prozess teil?
Wolfgang Holz
Rund 10’000 Postkarten mit Bildern von Heiligen hat die St. Galler Bewegung «Reformen jetzt» Ende April in Umlauf gebracht. Die St. Galler Bewegung rief die Menschen im Bistum St. Gallen aufgerufen, ihre Wünsche und Kritik an die Kirche kundzutun. Interessierte konnten dazu eine Postkarte benutzen, auf die sie ihre Botschaft zuhanden der Bistumsleitung festhalten können.
Die Postkarten-Aktion, mit der die spontan letzten September gegründeten Gruppe das «Stimmungsbild in der Bevölkerung einfangen» will, ist denn auch nur eine Aktion neben verschiedenen Reformvorstössen gewesen, die sich besonderen Themen widmen.
Konsultationsverfahren hoch geschaltet
Nun steht, wenige Monate später, überraschend die Bischofswahl in St. Gallen an. Schneller als erwartet hat Papst Franziskus bekanntlich auf den angebotenen Rücktritt von Bischof Markus Büchel reagiert. Die Zeit drängt. In drei Monaten wird ein neuer Bischof gewählt.
Das Bistum hat auf seiner Website ein Konsultationsverfahren mit Fragen hoch geschaltet, an dem sich nicht nur alle Katholikinnen und Katholiken, sondern auch andere Christen, sogar ausserhalb des Kantons, beteiligen können – die sich in (Klein-) Gruppen zusammenschliessen und darüber beraten.
Da fragt man sich nun, wie «Reformen Jetzt» an der Konsultation teilnimmt. Auch als Gruppe? «Auf verschiedene Art und Weise», wie Ann-Katrin Gässlein erklärt. Gässlein arbeitet als Theologin in der Citypastoral bei der Katholischen Kirche im Lebensraum St. Gallen und seit Sommer 2017 als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Universität Luzern.
Konstruktive Zusammenarbeit
Die 43-Jährige ist aktives Mitglied von «Reformen Jetzt» und setzt sich insbesondere für Transparenz und gute Kommunikation beim Prozess der Bischofswahl ein..»Das Domkapitel ist an unsere Reformbewegung herangetreten und hat uns eingeladen, an einem transparenten und pro-aktiven Kommunikationsprozess während der Bischofswahl mitzuwirken», berichtet Gässlein gegenüber kath.ch. «Die Zusammenarbeit verläuft sehr konstruktiv».
«Die Treffen waren jeweils sehr produktiv.»
Zwei Arbeitsgruppen seien gegründet worden, an denen «Reformen Jetzt» mitgearbeitet habe. Die eine Arbeitsgruppe habe sich mit der Konsultation für die Bischofswahl beschäftigt, die andere mit der Kommunikation. «Die Treffen waren jeweils sehr produktiv», so Ann-Katrin Gässlein.
Synodale Vorgehensweise gut
Sie findet die Vorgehensweise, in Gruppen im synodalen Stil die Eigenschaften eines Wunschkandidaten zu erörtern, gelungen. Wie viele Gruppen bereits gebildet worden seien, könne sie nicht sagen. «Aber die Anlage der Konsultation ist praktikabel, ökumenisch ausgerichtet, und hat eine theologische Verankerung», ist sie überzeugt.
«Reformen Jetzt» ist damit zum Co-Player des Bistums geworden. Auch bei der Erstellung des Fragebogens konnten Mitglieder von «Reformen Jetzt» mitsprechen.
«Auch ein Ehepaar oder eine Familie eine Gruppe bilden, um an der Konsultation teilzunehmen.»
Selbst habe sie beruflich und privat, unter ihren Freunden und Bekannten angeregt, eine Gruppe zu bilden und zusammen die Erwartungen an den künftigen Bischof zu formulieren «Beispielsweise kann auch ein Ehepaar oder eine Familie eine Gruppe bilden, um an der Konsultation teilzunehmen.» Nur eben Rückmeldungen von Einzelpersonen, quasi aus dem stillen Kämmerlein heraus, sind nicht das Ziel der Konsultation.
Ergebnisse der Konsultation sollen veröffentlicht werden
«Reformen Jetzt» wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass nach Ablauf der Konsultation die Ergebnisse auch veröffentlicht werden – «ohne Namensvorschläge von möglichen Kandidaten», so Gässlein. Solche werden auch in der Konsultation nicht abgefragt. «Das ist ein guter Kompromiss zwischen legitimer Transparenz bei einer Umfrage und dem Schutz der Privatsphäre von den Priestern unseres Bistums», zeigt sie sich zufrieden.
«Von der ursprünglichen Forderung einer offenen Diskussionsrunde mit möglichen Kandidaten für das Bischofsamt haben wir schon vor den Sommerferien Abstand genommen, weil sich dies kirchenrechtlich nicht realisieren lässt», lässt Ann-Katrin Gässlein wissen.
Aktuelles Hörspielvideo zur Bischofswahl
Dafür sei in der «AG Kommunikation» beschlossen worden, die an der Wahl beteiligten Gremien genauer vorzustellen. Die Kommunikationsstelle des Bistums hat bereits begonnen, die 13 wahlberechtigten Domherren zu porträtieren. Den Anfang macht der St. Galler Pfarrer Roman Giger.
Als gemeinsames Projekt wurde jüngst ein zehnminütiges Hörspielvideo auf der Website des Bistums hochgeschaltet, welches das Prozedere der Bischofswahl «verständlich für alle» erklären soll. Text und Konzeption stammen aus der Feder von Ann-Katrin Gässlein von «Reformen jetzt».
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