Altarweihe mit Weihrauch: Bischof Markus Büchel
Schweiz

Anstehende Bischofswahl in St. Gallen: Chance für synodalen Weg

Am Freitag wird der St. Galler Bischof Markus Büchel 75 Jahre alt – und muss dem Papst dann seinen Rücktritt anbieten. Die Wahl eines neuen Bischofs obliegt dem Domkapitel. Die Domherren haben es in der Hand, mit der Bischofswahl einen echten synodalen Weg zu gehen.

Christian Maurer

Bischofswahlen in der Deutschschweiz sind ein weltweites Unikum. Nicht der Papst allein entscheidet über die lokalen Oberhirten. Im Bistum St. Gallen ist es das Domkapitel, das einen Wahlvorschlag nach Rom schickt. Der Papst prüft diese Sechserliste und schickt sie zurück in die Schweiz. Das Domkapitel wählt dann aus der Liste den neuen Bischof.

Bevölkerung darf mitreden

Bei den letzten beiden Bischofswechseln gab es begleitend zur Listenerstellung eine sogenannte Konsultation: «Wir fragten nach Eigenschaften, die ein künftiger Bischof haben sollte, und es durften auch Namen genannt werden. Beteiligen durfte sich neben Räten und Gremien die ganze Bevölkerung», sagt Domdekan und Generalvikar Guido Scherrer.

Generalvikar Guido Scherrer
Generalvikar Guido Scherrer

Für die Teilnahme an der Volksbefragung war es nicht einmal nötig, katholisch zu sein. Eine Konsultation werde es sicher wieder geben, sagt Scherrer. «In einer Gruppe mit Vertretern aus dem Domkapitel und von ‹Reformen jetzt› diskutieren wir geeignete Massnahmen diesbezüglich.»

Wie diese Konsultation aussehen soll, ob es bereits eine Vorstellung dazu gibt, ist noch Verschlusssache. Das ist schade, denn gerade im Jahr der zweiten Sitzung der Weltsynode hat das Bistum St. Gallen die unglaubliche Möglichkeit, der ganzen Welt einen synodalen Weg zu einer Bischofswahl vorzuleben.

Outen sich Kronfavoriten?

Als Vorbild könnte die kürzliche Wahl des christkatholischen Bischofs dienen. Nicht nur eine Konsultation führten die Christkatholiken durch. Die Kandidaten stellen sich öffentlichen Hearings und letztendlich einem öffentlichen Wahlverfahren.

Das wäre auch ein Weg für das Bistum St. Gallen. Die Kronfavoriten sind – wenn man auf die letzten elf Bischöfe von St. Gallen schaut – alle Domherren. Der erste Bischof war nicht im Domkapitel, weil es das Gremium damals noch nicht gab und der erste Bischof nicht durch dieses gewählt wurde. Nach ihm gehörte nur Bischof Otmar Mäder bei seiner Wahl nicht dem Domkapitel an.

60 Priester kommen in Frage

Werden sich Kandidaten aus dem Kreis der 13 Domherren als Kandidaten öffentlich bewerben? Es wäre zu wünschen. Bisher halten sich alle auf Anfrage von kath.ch zur Bischofswahl bedeckt. Es wird auf Zeit gespielt. Und Anfragen von Medien sind jetzt offenbar nicht erwünscht.

Wählbar sind viele. Nach Kirchenrecht muss ein Priester mindestens 35 Jahre alt und seit fünf Jahren Priester sein, um zum Bischof ernannt werden zu können. Hinzu kommt, dass ein künftiger Bischof in Verwaltung oder Seelsorge innerhalb des Bistums erfahren sein und der Diözesangeistlichkeit angehören soll. Diese Voraussetzungen erfüllen laut Domdekan Guido Scherrer rund 60 Priester.

St. Gallen ist nicht prioritär

Bis es mit der Wahl des zwölften Bischofs von St. Gallen vorwärts geht, kann es allerdings noch einige Monate dauern. In Rom ist noch Ferienzeit, der Papst hat seine Aktivitäten bis Ende August stark heruntergefahren. Und im September bricht Franziskus zu seiner bisher längsten Auslandsreise, nach Ostasien, auf. Im Oktober findet die Ordentliche Generalversammlung der Weltsynode in Rom statt. Und dann stehen die Vorbereitungen für das Heilige Jahr an.

Das wird den ganzen Prozess voraussichtlich in die Länge ziehen. Ein Bischofsrücktritt in St. Gallen, der aus vatikanischer Sicht eine ungeliebte, umständliche und auch unwägbare Bischofswahl nach sich zieht, steht da kaum oben auf der Traktandenliste. Aber erst mit der Annahme des Rücktrittsgesuchs von Bischof Markus Büchel durch Papst Franziskus beginnt die eigentliche Vakanz und das eigentliche Wahlverfahren kann starten.

Ivo Fürer im Jahr 2019
Ivo Fürer im Jahr 2019

Schon bei der letzten Bischofswahl ging sehr viel Zeit ins Land. Büchels Vorgänger, Bischof Ivo Fürer, hatte seine Demission einige Tage nach seinem 75. Geburtstag im April 2005 angeboten. Bis Papst Benedikt XVI. den Rücktritt annahm, dauerte es noch ein halbes Jahr, bis Mitte Oktober. Die Wahl von Nachfolger Markus Büchel fand sogar erst im Juli 2006 statt, mehr als ein Jahr nach dem 75. Geburtstag von Bischof Ivo Fürer.

Bischof Büchel ist amtsmüde

So lange wird Bischof Büchel wohl nicht warten wollen. Wichtig wird sein, wie er sein Rücktrittsgesuch formuliert. Wenn er sich einen schnellen Rückzug aus dem Amt wünscht, wird er gesundheitliche Gründe für seinen Rücktritt anführen.

Vieles spricht dafür. Bischof Büchel scheint amtsmüde. Er tritt kaum mehr öffentlich in Erscheinung und lässt sich zu aktuellen Themen nicht mehr vernehmen.

Offen für Frauenpriestertum

Mehrmals ist er jüngst heftig unter Kritik geraten: Mit positiven Äusserungen zur Frauenfrage hat er sich weit aus dem Fenster gelehnt. «Ich kann mir viele Frauen als Priesterinnen vorstellen», sagte er 2022 gegenüber kath.ch. Auch zuvor äusserte er sich ähnlich.

Kurze Zeit später machte er einen unglücklichen Kommentar zur Missbrauchsthematik. Vorgeworfen wurden ihm auch Wegschauen und Nichthandeln bei ihm bekannten Missbrauchsfällen.

Standaktion von "Reformen jetzt" auf dem Kornhausplatz in St. Gallen am 29. April 2024. Das Plakat zeigt Maria Magdalena.
Standaktion von "Reformen jetzt" auf dem Kornhausplatz in St. Gallen am 29. April 2024. Das Plakat zeigt Maria Magdalena.

Seither hält er sich mit öffentlichen Äusserungen zu heiklen Themen zurück. Die knapp 900 Fragen, Wünsche oder Rückmeldungen, die im Rahmen der Postkarten-Aktion von «Reformen jetzt» zusammengekommen sind, hat er vor gut einem Monat zwar persönlich entgegengenommen. Kommentiert hat er die Forderungen nach mehr Rechten für Frauen sowie eine Modernisierung der katholischen Kirche indes nicht.

Mathai Ottappally, Pfarrer
Mathai Ottappally, Pfarrer

Immerhin ist das Domkapitel, das Wahlgremium, seit vergangenen Mai wieder vollzählig. Bischof Markus Büchel hat als neuesten Chorherren den aus Indien stammenden Priester Mathai Ottappally als Ruralkanonikus eingesetzt. Als jüngstes Mitglied kommt er wohl für die Bischofsnachfolge nicht in Frage. Nur zwei Domherren waren schon bei der letzten Wahl dabei, Domdekan Guido Scherrer und Felix Büchi.

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Das Domkapitel besteht aus fünf residierenden Domherren (Kanonikern) und acht nichtresidierenden Domherren, die als Pfarrer auf dem Land wirken – den Ruralkanonikern. Die residierenden Domherren agieren als Berater und Mitarbeiter des Bischofs am Bischöflichen Ordinariat oder sind in der Stadt St. Gallen tätig. Die acht Ruralkanoniker beziehen sich auf die acht Dekanate, die es zur Zeit der Gründung des Bistums St. Gallen gab.


Altarweihe mit Weihrauch: Bischof Markus Büchel | © Sabine Rüthemann
7. August 2024 | 12:02
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