Monika Schmid
Schweiz

«Trompete von Jericho»: Monika Schmid erhält für ihren Mut Preis von österreichischer Laieninitiative

Rein von aussen betrachtet hat sie keine Mauern zum Einsturz gebracht. In den Köpfen katholischer Menschen hat sie allerdings viel bewegt. Als Reformerin gegen den Klerikalismus bekommt Monika Schmid deshalb von der österreichischen Laieninitiative «Kirchenreform.at» im Herbst den Anerkennungspreis der «Trompete von Jericho 2024» verliehen.

Wolfgang Holz

Jericho-Trompete ist bekanntlich der Name für Sirenen, die beim in der Bibel erwähnten Fall Jerichos zum Einsatz kamen. Der Klang von «Trompeten» oder «Posaunen» soll die Stadtmauern zum Einsturz gebracht haben. «Wenn das Widderhorn geblasen wird und ihr den Hörnerschall hört, soll das ganze Volk in laut schallendes Geschrei ausbrechen. Darauf wird die Mauer der Stadt in sich zusammenstürzen; dann soll das Volk hinübersteigen, jeder an der nächstbesten Stelle», so steht es im Buch Josua im Alten Testament.

Mauern des Katholizismus erschüttert

Monika Schmid hat keine biblische Stadt zum Einsturz gebracht – aber viele Mauern in den Köpfen des konservativen Katholizismus erschüttert. So sieht es auch die Laieninitiative «Kirchenreform.at», die die pensionierten Gemeindeleiterin aus der Schweiz für ihr Reformengagement gegen den Klerikalismus im Herbst auszeichnet.

«Die Zukunft der Kirche verträgt sich nicht mit Klerikalismus.»

Rolf Sauer, Laieninitiative kirchenreform.at

«Wenn am 8. November, dem Vorabend der Kirchenvolkskonferenz, Monika Schmid die Trompete von Jericho verliehen wird, wollen die Reformbewegungen in Österreich damit etwas besonders unterstreichen: Die Zukunft der Kirche verträgt sich nicht mit Klerikalismus», so begründet Rolf Sauer von der Laieninitiative in der Sommerpublikation von «Kirchenreform.at» die Ehrung der Kirchenfrau aus dem zürcherischen Effretikon.

Monika Schmid
Monika Schmid

Leitungsaufgaben in kirchlichen Gemeinden verlangten gleiche Würde aller Menschen, gleich welchen Geschlechts, ob verheiratet oder nicht, so Sauer. Auch unabhängig von der sexuellen Orientierung.

Benennen von Missbrauchsfällen

«Frau Schmid wurde bereits 2012 mit dem Herbert Haag-Preis für Freiheit in der Kirche ausgezeichnet. Warum wir sie erneut auszeichnen wollen: Damals war es ihre klare Benennung der Verschleierung von Missbrauchsfällen durch die Bistumsleitungen, lange bevor diese Schieflage von anderen benannt wurde», argumentiert Sauer. Sie habe sich in St. Martin in Illnau-Effretikon als Gemeindeleiterin voll und ganz eingesetzt, zusammen mit unterschiedlichen Teams.

Konzelebration des Hochgebets

Im August 2022 habe Monika Schmid dann anlässlich ihrer Pensionierung in einem feierlichen Abschiedsgottesdienst – zusammen mit anderen Laien und Priestern – die Liturgie gefeiert: Inklusive berührender Predigt und laut mitgesprochenem Hochgebet einschliesslich der Einsetzungsworte.

Bischof Joseph Maria Bonnemain in der Synode der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, 2024
Bischof Joseph Maria Bonnemain in der Synode der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, 2024

«Bischof Bonnemain in Verlegenheit gebracht»

«Das war sie übrigens auch schon gewohnt, da sie und die Gemeinde von Effretikon die Liturgie als ihre Feier ansehen, als Ausdruck und Inbegriff ihres Zusammenlebens», würdigt Sauer. Sie habe damit ihren Bischof Joseph Bonnemain in Verlegenheit gebracht: Habe damit doch der Verdacht nahegelegen, dass sie mit der Konzelebration «priesterliche Privilegien» usurpiere. Doch nichts habe Monika Schmid ferner gelegen – sie habe nur ganz und gar Teil des Volkes ihrer Gemeinde sein wollen.

Solidarität ausdrücken und für Mut bedanken

«Wir von «Kirchenreform.at» wollen mit diesem Preis Frau Schmid unsere Solidarität ausdrücken, uns bei ihr bedanken für den Mut in dieser so schwerfälligen Kirche, sowie uns selbst ermutigen, klare Schritte weiterzugehen mit der frohen Botschaft in unseren Zeiten», schliesst Rolf Sauer von der Laieninitiative in seiner Vorab-Laudatio.

Der Einzug von Jesus in Jerusalem – Glasfenster in der Kirche Saint Aigan in Chartres
Der Einzug von Jesus in Jerusalem – Glasfenster in der Kirche Saint Aigan in Chartres

Aber woher hat Monika Schmid eigentlich ihren unerschütterlichen Mut, immer wieder gegen den Klerikalismus und für die Würde aller Menschen in der Kirche einzustehen – während andere schweigen?

«Ich könnte einfach nicht schweigen.»

Monika Schmid

«Zum einen sicher aus meiner ganz persönlichen Spiritualität und aus meinem Gottvertrauen heraus», erklärt Monika Schmid gegenüber kath.ch. Zum anderen «könnte ich einfach nicht schweigen, wenn es um Fragen der menschlichen Würde und der Gleichstellung von Personen geht», sagt sie. Sagts und führt diese kirchliche Art von Zivilcourage auf ihre persönliche Resilienz zurück, über die sie dank ihrer Erziehung, aber auch dank ihrer Gene verfüge.

Botschaft des Evangeliums

«Mein Reformwille gründet sich auf die Botschaft des Evangeliums, in dem wir alle Menschen gleichberechtigt als Geliebte vor Gott stehen», so Monika Schmid. Deshalb sei es aus der Perspektive der Frauen von heute nach wie vor nicht akzeptabel, dass es noch immer kein Frauenpriestertum in der katholischen Kirche gebe.

Es gebe durchaus viele andere Reformwillige in der katholischen Kirche: «Aber viele schweigen aus Angst, machen nur die Faust im Sack oder üben Kritik hinter vorgehaltener Hand – oftmals aus Existenznöten, weil sie fürchten, ihre Anstellung in der Kirche zu verlieren.»

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Wobei sie sich selbst nach wie vor nicht äussern will, mit welcher Strafe sie für die Konzelebration während ihres Abschiedsgottesdiensts vom Bischof belegt wurde: «Ich würde es gerne sagen, aber ich darf es nicht sagen.» Sie habe bei ihrem Abschiedsgottesdienst auf jeden Fall niemand provozieren wollen. «Wir haben den Gottesdienst so gefeiert wie immer – im Verständnis des Volks Gottes.»

Trompete aus Glas

Die pensionierte Gemeindeleiterin, die nach wie vor zahlreiche seelsorgerliche und psychologische Beratungen ebenso wie Beerdigungen und Kindersegnungen vornimmt, freut sich auf die Preisverleihung im Herbst. «Ich werde eine Trompete aus Glas als Anerkennungspreis erhalten», verrät sie schon mal.

*Der Preis wird Monika Schmid am 8. November um 19 Uhr im Vivaldi-Saal im ÖJAB-Haus, Johannesgasse 8, in Wien verliehen. Die Laudatio bei der Verleihung der «Trompete von Jericho» hält der Theologe und Publizist Erwin Koller.


Monika Schmid | © Laurent Crottet
8. Juli 2024 | 17:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
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