Vikar Andrien Taha aus Hérémence stammt ursprünglich von der Elfenbeinküste.
Schweiz

«Das ist ein grosser Schock für das ganze Tal»: Fünf der sechs vermissten Skitourengänger im Wallis tot aufgefunden

Fünf der sechs vermissten Skitourengänger sind im Gebiet des Bergs Tête Blanche im Kanton Wallis am Sonntagabend tot aufgefunden worden. Die sechste Person wurde bis zum Montagabend nicht gefunden. Die Tragik des Unfalls: Die fünf Toten – drei Brüder, ein Cousin und ein Onkel – stammen aus der gleichen Familie im Val d’Herens.

«Es ist ein grosser Schock für das ganze Tal», sagte Vikar Andrien Taha aus Hérémence gegenüber kath.ch. Die fünf Toten des Bergunglücks kommen alle aus einer Familie: Drei Brüder, ein Cousin und ein Onkel. Er habe nach dem Unglück mit der Familie telefoniert.

Kerzenmeer bei Mahnwache für die Verstorbenen

«Die Familie ist sehr bekannt im Tal. Sie ist auch sehr gläubig und engagiert sich in unserer katholischen Gemeinde», so Taha. Am Montagabend fand in Vex eine Mahnwache für die fünf Skitourengänger statt. Rund 300 Menschen gedachten der Opfer und zündeten Kerzen an. «Es sind wirklich sehr viele Leute gekommen», so Taha. Die Beerdigung soll am Freitag stattfinden.

Sie gaben alles: Etwa 35 Personen und elf Helikopter waren an der Rettungsaktion der sechs vermissten Skitourengänger im Wallis beteiligt. Ohne Erfolg.
Sie gaben alles: Etwa 35 Personen und elf Helikopter waren an der Rettungsaktion der sechs vermissten Skitourengänger im Wallis beteiligt. Ohne Erfolg.

Die Todesumstände der fünf ums Leben gekommenen Skitourengänger waren am Montagabend noch unklar. Ob die Alpinisten erfroren oder durch eine Lawine starben, konnte laut Polizei noch nicht gesagt werden.

«Wir wollen die Chronologie der Ereignisse verstehen, die zu diesem Drama geführt haben.»

Beatrice Pilloud, Generalstaatsanwältin

Die Staatsanwaltschaft habe eine Untersuchung zu den genauen Umständen des Dramas eingeleitet, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Montag an der Medienkonferenz in Sitten. «Wir wollen die Chronologie der Ereignisse verstehen, die zu diesem Drama geführt haben.»

Der Walliser Polizeikommandant, Christian Varone, sagte, dass die Skitourengänger während des Wartens auf eine Rettung «alles getan hätten, um sich zu schützen». Weitere Einzelheiten wollte er nicht bekanntgeben. Auch die formelle Identifikation der Opfer sei noch im Gange.

Ein Opfer stammt auf Fribourg

Bekannt sei, dass fünf der Skitourengänger zu einer Walliser Familie gehörten und ein Opfer aus der Stadt Freiburg komme, sagte Varone. Gemäss früheren Angaben der Polizei waren die Alpinisten im Alter zwischen 21 und 58 Jahren. Einer der Vermissten war Mitglied der Exekutive von Vex VS, wie der Präsident der Gemeinde bestätigte.

«Die Retter, die Polizisten sind wirklich bis an die äusserste Grenze ihrer Möglichkeiten gegangen.»

Christian Varone, Walliser Polizeikommandant
Zermatter Skigebiet vor dem Matterhorn
Zermatter Skigebiet vor dem Matterhorn

«Es wurde alles in die Wege geleitet, menschlich und materiell, um diese sechs Personen zu retten. Die Retter, die Polizisten sind wirklich bis an die äusserste Grenze ihrer Möglichkeiten gegangen», sagte Varone. «Manchmal muss man sich gegenüber der Natur geschlagen geben.» Er hielt auch fest, dass es eine rote Linie gebe, die nicht überschritten werden dürfe, um nicht die Rettungskräfte in Gefahr zu bringen.

«Bisher seien fünf Personen leider tot aufgefunden worden. Die Suche wird fortgesetzt, um die sechste in einem erweiterten Gebiet der Region Tête Blanche zu lokalisieren», sagte der Polizeikommandant.

Sturm, Lawinengefahr und schlechte Sicht

Die Gruppe war am Samstagmorgen bei relativ gutem Wetter in Zermatt aufgebrochen, um noch am selben Tag nach Arolla zu gelangen. Sie kam jedoch nie am Zielort an. Ein besorgtes Familienmitglied, das dort auf sie wartete, benachrichtigte gegen 16 Uhr die Rettungskräfte.

Die Skitourengänger konnten schliesslich, etwa eine Stunde später, dank eines Anrufs von ihnen bei der Bergrettung lokalisiert werden. Ein Wintersturm behinderte jedoch die Suche, an der laut der kantonalen Walliser Rettungsorganisation etwa 35 Personen und elf Helikopter beteiligt waren.

Die Dent-Blanche-Hütte auf 3500 Meter Höhe
Die Dent-Blanche-Hütte auf 3500 Meter Höhe

Am Samstagabend musste eine Rettungskolonne, die von Zermatt aus gestartet war, auf 3000 Meter Höhe umkehren, woraufhin die Rettungsversuche am Boden aus Sicherheitsgründen eingestellt wurden. Während der Nacht von Samstag auf Sonntag sei ein Wachdienst eingerichtet worden, um jedes Wetterfenster zu bewerten, das einen Rettungseinsatz ermöglichen könnte, fuhr Varone fort. Allerdings ohne Erfolg.

Auf 3500 Metern fünf Leichen

Ein Rettungsteam konnte schliesslich am Sonntag gegen 18.30 Uhr in der Nähe der Dent-Blanche-Hütte abgesetzt werden. Es erreichte gegen 21.20 Uhr den Sektor Tête Blanche, wo es auf einer Höhe von rund 3500 Metern über Meer die Leichen von fünf der sechs vermissten Personen entdeckte.

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Das Unglück vom Wochenende weckt Erinnerungen an das Bergdrama am Pigne d’Arolla vom April 2018, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen. Damals waren insgesamt 14 Skitourengänger in zwei Gruppen auf der Haute Route von Chamonix (F) in Richtung Zermatt von einem Wetterumsturz überrascht worden. (sda/woz)


Vikar Andrien Taha aus Hérémence stammt ursprünglich von der Elfenbeinküste. | © zVg
12. März 2024 | 16:00
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