Anton Ebnöther – Täter oder Opfer von Umständen und Zölibat?
Der Film «Unser Vater» füllt Kinosäle. Die Geschichte des Priesters, der verschiedene Frauen schwängerte und mindestens sechs Kinder zeugte, erregt die Gemüter. Dabei steht die Frage im Raum, ob Anton Ebnöther Täter oder Opfer des Systems Kirche war, wie die NZZ in einem Dossier aufzeigt.
«Toni Ebnöther ist für seine Kinder und den Filmemacher Gimes allerdings nicht einfach ein Bösewicht. Er sei, sagt Gimes, auch ein Produkt seiner Umgebung gewesen – des Priestertums mit seinem unantastbaren Status und des Systems Kirche, das ihn gewähren liess. Auch wenn dies sein Verhalten nicht entschuldige.
«Er hätte gern etwas anderes studiert, aber finanziell ging es nicht.»
Kommentar im Film «Unser Vater»
Dazu komme seine Herkunft: Er stammte aus einer armen Bauernfamilie im entlegenen Wägital, und die Ausbildung zum Priester war für ihn der einzige Weg zu Kultur und sozialem Aufstieg. ‹Er hätte gern etwas anderes studiert, aber finanziell ging es nicht.› Auch seine strenge katholische Familie erwartete von ihm, dass er Geistlicher wurde.
Toni Ebnöther – Opfer von Umständen und Zölibat? Oder Toni Ebnöther – Täter, der Stellung und Ruf der Kirche ausnützte?
Zwischen diesen beiden Lesarten bewegt sich der Film ‹Unser Vater› – wie auch die Debatte um sexuelle Missbräuche durch Priester als Ganzes.
Wo dabei die Wahrheit liegt, bleibt offen. Selbst in Anton Ebnöthers Fall, selbst bei jenen, die am meisten davon betroffen sind, gehen die Deutungen auseinander.»
Das schreibt die NZZ in einem Dossier zum Fall Ebnöther. In diesem werden Stimmen von Betroffenen zitiert, die Lesarten des Films verhandelt und die Rolle von Anton Ebnöther diskutiert. Hier zeigt sich auch das System der Vertuschung und Versetzung, das in der katholischen Kirche herrschte.
Der Film «Unser Vater» läuft weiterhin in zahlreichen Kinos der Schweiz. Die öffentliche Debatte geht weiter.
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