Franz Sabo: «Im Gegensatz zu Kurt Koch war Ludwig Schick fair und kompromissbereit»
Franz Sabo (69) ist Priester in Röschenz und stammt aus dem Erzbistum Bamberg. Im Streit mit dem damaligen Bischof von Basel, Kurt Koch, mischte sich auch der nun zurückgetretene Erzbischof Ludwig Schick ein.
Jacqueline Straub
Hat Sie der Rücktritt von Erzbischof Ludwig Schick überrascht?
Franz Sabo*: Nein, meine Überraschung hielt sich in Grenzen.
Warum?
Sabo: Er hat ein gewisses Alter erreicht. Er ist schon 73. Da wundert es mich nicht, dass er nicht mehr dieses Amt ausüben will.
Wie lange kennen Sie Erzbischof Ludwig Schick schon?
Sabo: Ich kenne ihn seit 2002, seitdem er Erzbischof von Bamberg wurde.
«Ich habe von ihm einen sehr guten Eindruck.»
Sie sind immer noch im Erzbistum Bamberg inkardiniert, arbeiten aber seit 1992 als Priester im Bistum Basel. Warum sind Sie damals in die Schweiz gekommen?
Sabo: Das sind private Gründe.
Was für einen Eindruck haben Sie von Erzbischof Ludwig Schick?
Sabo: Wir haben uns mal persönlich getroffen, waren zusammen essen und haben uns lange unterhalten. Ich habe von ihm einen sehr guten Eindruck.
Also besser als Ihr Verhältnis zum früheren Bischof von Basel, Kurt Koch?
Sabo: Jeder, der den Fall Röschenz kennt, weiss das. Schon vor 18 Jahren hatte ich Probleme mit Kurt Koch. Dass er jüngst solch einen schlimmen Nazi-Vergleich gemacht hat, zeigt mir, dass ich mit meinen Vorbehalten ihm gegenüber nicht ganz daneben lag.
Bei Ihrem Konflikt mit Kurt Koch mischte sich auch Erzbischof Ludwig Schick ein. Wie hat er sich Ihnen gegenüber verhalten?
Sabo: Er musste sich einmischen, weil ich ja inkardinierter Priester seines Bistums bin. Er ist für mich zuständig. Er hat mir angeboten, im Notfall beizustehen und Hilfe zu leisten.
«Ich glaube, dass er Versöhnung wollte.»
Wie hätte diese Hilfe ausgesehen?
Sabo: Das weiss ich nicht, weil es ja nicht dazu kam. Er hat mir aber gesagt, dass er zu mir steht und wir einen Weg finden werden. Im Gegensatz zu Kurt Koch war Ludwig Schick fair und kompromissbereit.
Stimmt es, dass Sie Schicks Hilfe nicht mehr brauchten, weil Koch um jeden Preis Kardinal werden wollte – er dafür aber eine versöhnliche Geste Ihrerseits brauchte?
Sabo: Es wurde damals gemunkelt, dass er Kardinal werden wollte. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht bestätigen. Ich glaube, dass er Versöhnung wollte. Nach dem Gerichtsurteil wurde ihm zu einer Klärung zwischen uns beiden geraten. Mir war das natürlich auch ein Anliegen.
Welchen Deal haben Sie damals eigentlich mit Kurt Koch geschlossen? Wie kam die versöhnliche Geste zustande?
Sabo: Durch gegenseitige Bemühungen kamen wir aus dem Konflikt heraus. Es gab ein erstes Gespräch unter vier Augen, dieses hat dann auch zum Erfolg geführt. Ich glaube, dass er auch eingesehen hat, dass der damalige Generalvikar Roland-Bernhard Trauffer Mist gebaut hat.
Hat Kurt Koch zugegeben, dass der Generalvikar Fehler gemacht hat?
Sabo: Ein solches Eingeständnis werden Sie von Kurt Koch nicht hören. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass der Generalvikar die ganze Sache zum eigentlichen Drama gemacht hat.
«Kurt Koch und ich haben beide aus dem Prozess gelernt.»
Gab es danach Bedingungen für Sie, etwa, wie Sie sich zu verhalten haben?
Sabo: Nein. Kurt Koch und ich haben beide aus dem Prozess gelernt. Es war aber klar, dass wir uns in Zurückhaltung üben, um einen Weg der Versöhnung zu gehen.
* Franz Sabo (69) ist Priester in Röschenz BL. Kardinal Kurt Koch, damals noch Bischof von Basel, entzog ihm 2005 die Missio canonica, nachdem Sabo öffentlich die kirchliche Hierarchie kritisiert hatte. Er stammt aus dem Erzbistum Bamberg und ist dort immer noch inkardiniert. Das duale System schützte Franz Sabo vor einer Entlassung.
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