Martin von Walterskirchen (vorne links) im Kirchenkleid der Malteser am Sitz des Malteserordens auf dem Aventin in Rom.
Schweiz

Ordensreform: Malteser erwarten keine Konsequenzen für die Schweiz

Papst Franziskus will den Malteserorden reformieren – dagegen gibt es Widerstand. Martin von Walterskirchen, Chef der Schweizer Malteser, geht nicht davon aus, dass die Reform Konsequenzen für die Arbeit in der Schweiz hat.

Barbara Ludwig

Am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass sich Malteser aus aller Welt wegen der anstehenden Reform ihres Ordens Sorgen machen. In einem offenen Brief an Papst Franziskus baten die Präsidenten nationaler Assoziationen, die laufenden Reformpläne zu stoppen. Das Kirchenoberhaupt solle neue Vorschläge ausarbeiten lassen, unter breiter Beteiligung der Mitglieder.

Brief nicht unterzeichnet

Martin von Walterskirchen ist Präsident der Helvetischen Assoziation des Ordens. Er kenne die Reform-Vorschläge «nur ungenügend», teilt er auf Anfrage mit.

Von Walterskirchen gehört auch nicht zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern des Appells an den Papst. Er erwarte nicht, dass «die Reform unsere Arbeit in der Schweiz beeinflussen oder behindern würde». Auf der Ebene der Ordensregierung in Rom seien jedoch Auswirkungen nicht auszuschliessen, so der Präsident der Helvetischen Assoziation.

«Die Reform soll gemäss den Grundsätzen des Ordens erfolgen.»

Martin von Walterskirchen, Präsident der Helvetischen Assoziation des Malteserordens

Er äussert zudem Verständnis für die Sorgen der Unterzeichnenden: «Sie verlangen, durchaus zu Recht, dass die Reform des Ordens gemäss den in unserer Ordensverfassung festgehaltenen Grundsätzen erfolgen soll.»

Martin von Walterskirchen, Präsident der Helvetischen Assoziation des Malteserordens.
Martin von Walterskirchen, Präsident der Helvetischen Assoziation des Malteserordens.

Laien sollen Verantwortung abgeben

Die Autoren des offenen Briefes befürchten, der Orden und seine Werke könnten «schweren Schaden erleiden», wenn die aktuellen Reformpläne umgesetzt werden. Es gehe um die Arbeit von rund 80’000 Freiwilligen und 42 Mitarbeitenden, wie aus einem Bericht der italienischen Wochenzeitschrift «L’Espresso» vom Samstag hervorgeht. 

Besonders kritisieren die Autoren den Vorschlag von Kardinal Silvano Tomasi, die Verantwortung von rund 13’000 Laien auf wenige Ordensritter zu übertragen. Den Rittern fehle die Erfahrung und die Qualifikation, so grosse Organisationen zu führen.

Tomasi hatte im vergangenen Jahr vom Papst weitreichende Befugnisse mit Blick auf die Wahl einer neuen Leitung des Ordens erhalten. Auch ist er zuständig für die Reform.

In der Schweiz tragen Laiinnen und Laien die Verantwortung

In der Schweiz liege die ganze Verantwortung bei den Rittern und Damen des zweiten und dritten Standes des Ordens, erklärt von Walterskirchen. In beiden Fällen sind es ehrenamtlich tätige Laien und Laiinnen. Ritter und Damen des zweiten Standes legen ein kirchliches Gehorsamsversprechen ab. Ritter und Damen des dritten Standes verpflichten sich, im Sinne des Ordens zu leben und handeln.

Dem ersten Stand können hingegen nur Männer angehören, die die Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams ablegen. Dies sind die Profess-Ritter, 40 an der Zahl.

Unabhängig vom Stand lebten aber alle Mitglieder das Charisma des Ordens, betont der Chef der Schweizer Malteser. «Sie sorgen für Benachteiligte und stehen für den Glauben ein.» Kleriker könnten sowohl dem ersten als auch dem dritten Stand angehören.

Ritter, Damen und Freiwillige arbeiten ehrenamtlich

In der Schweiz gibt es nebst 230 Mitgliedern, Rittern und Damen, rund 1000 Freiwillige. Letztere gehörten auch ohne Mitgliedschaft zur Ordensfamilie, so von Walterskirchen. Sowohl Ritter und Damen als auch die Freiwilligen sind im karitativen Bereich tätig und arbeiten ehrenamtlich.

«Beispielsweise hat unser Werk ‹Aide et Assistance› seit Februar 31 Lastwagen mit Hilfsgütern für die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Personen in die Grenzregionen der Ukraine geschickt», sagt von Walterskirchen. (mit Material von kna)


Martin von Walterskirchen (vorne links) im Kirchenkleid der Malteser am Sitz des Malteserordens auf dem Aventin in Rom. | © zVg/Soverano Ordine di Malta
17. August 2022 | 16:48
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