Vatikan-Vertreterin: «Die Synodalität verlangt einen neuen, kollaborativen Führungsstil»
Nathalie Becquart ist die einzige Frau mit Stimmrecht an der Bischofssynode. Unter einer synodalen Kirche stellt sie sich eine Kirche vor, die nicht vertikal und klerikal, sondern horizontal und kooperativ führe.
«Die Synodalität braucht Führungskräfte, die in der Lage sind, synodale Prozesse zu leiten und zu begleiten. Dies, damit sie auf allen Ebenen der Orts- und Universalkirche umgesetzt werden kann. Denn im katholischen System gibt es keine Synodalität ohne Primat. Oder anders gesagt: Weil die katholische Kirche strukturell ein hierarchisches Prinzip enthält, kann sich Synodalität auf allen Ebenen nicht ohne Präsidialdienst entfalten. Dies ist zweifellos eine der grössten Herausforderungen. Um Synodalität umzusetzen, um eine synodale Pastoral zu entfalten, braucht die Kirche heute in Synodalität geschulte Hirten, die einen neuen, kollaborativen Führungsstil ausüben. Dieser ist nicht mehr vertikal und klerikal, sondern vielmehr horizontal und kooperativ.
Eine dienende Führung, die in einem neuen Verhältnis zur Macht und einer neuen Art der Ausübung von Autorität zum Ausdruck kommt, die sich als Dienst an der Freiheit versteht. Es ist eine bestimmte Art der Begleitung, bei der man sich inmitten der anderen und mit ihnen befindet, in einer Mitverantwortung, die die Ermächtigung und Beteiligung aller anstrebt. Dies bedingt, dass ein Autoritätsverständnis beigezogen und umgesetzt wird, das als eine Kraft angesehen wird, die Freiheit freisetzt, und nicht als Machtausübung.
Papst Franziskus gilt als Führungsmodell für eine synodale Kirche. Nach seinem Vorbild sind die Hirten im Dienst der Synodalität aufgefordert, folgende Schlüsselwörter umzusetzen: Nähe, Verfügbarkeit, Vertrauen, Gegenseitigkeit. Sie müssen dabei sowohl als Hirten als auch als Jünger auftreten. Und sie dürfen ihre Verantwortung nicht vergessen: Das Ziel der Synodalität aufrechtzuerhalten, nämlich: ein Volk, eine brüderliche und missionarische Gemeinschaft aufzubauen, die dem Gemeinwohl der Gesellschaft dient.»
Das sagte die vatikanischen Synodenexpertin Nathalie Becquart in einem Online-Vortrag am Montagabend für den französischsprachigen Teil des Bistums Sitten. Der Text wurde am Donnerstagabend kath.ch zur Verfügung gestellt. Die französische Ordensfrau referierte zum Thema «Synodalität, ein Weg der gemeinschaftlichen Bekehrung» auf Französisch. Becquart ist Untersekretärin des Synoden-Sekretariats an der römischen Kurie. Sie koordiniert die Kommission für die Methodologie der Synode, die das Sekretariat für die Bischofssynode im Sommer eingerichtet hat. Sie ist die bisher einzige Frau mit Stimmrecht an der weltweiten Bischofssynode. (rp)
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