Schweiz

Es fehlen nur noch sieben Millionen für die neue Kaserne der Schweizergarde

Die Kasernenstiftung der Schweizergarde sieht die Spendensammlung auf gutem Weg. Dass alle Kantone etwas beitragen könnten, kommt allerdings nicht überall gut an. Die SP im Kanton Luzern behauptet, der Vatikan habe genug Geld, um sich selbst zu schützen.

Ueli Abt

Mittlerweile geht die Kasernenstiftung der Schweizergarde davon aus, dass für Bau und Provisorium während der Bauzeit insgesamt 50 Millionen Franken benötigt werden. Ursprünglich lag dieser Betrag mit 55 Millionen Franken 10 Prozent höher.

Nach Angaben der Kasernenstiftung der Schweizergarde sind im Rahmen der Spendensammlung für den Kasernenneubau bislang 42,7 Millionen Franken zusammengekommen, wobei 2,6 Millionen noch nicht definitiv gesprochen seien.

Auf dem Korridor des geplanten Schweizergarde-Neubaus Visualisierung des Architekturbüros Durisch + Nolli
Auf dem Korridor des geplanten Schweizergarde-Neubaus Visualisierung des Architekturbüros Durisch + Nolli

Somit stehen noch gut 7 Millionen Franken aus. «Wir sind zuversichtlich, dass wir den restlichen Betrag noch zusammenbekommen, zumal einige, allerdings noch nicht spruchreife Spenden in Aussicht gestellt worden sind», sagt Stiftungs-Sprecherin Lara Tonet auf Anfrage. Im Moment stehe das Projekt im Vernehmlassungsverfahren bei den zuständigen Komitees des Vatikans.

Vier Millionen von den Kantonalkirchen

Gemäss Kasernenstiftung steuerten die Kantonalkirchen bislang zusammen fast vier Millionen Franken bei. Die grösste Spende habe bislang der Katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen getätigt – und zwar 1,5 Millionen Franken. Katholisch Stadt Zürich sowie die katholische Kirche im Kanton Zürich spendeten zusammen eine Million, wie aus dem Jahresbericht 2020 der katholischen Kirche im Kanton Zürich hervorgeht. Die katholische Kirche im Kanton Luzern steuert gemäss einem Beschluss der Synode vom Juni eine Viertelmillion bei, die Thurgauer Kantonalkirche 100’000 Franken.

Kantonsbeitrag aus Luzern noch offen

Die Eidgenossenschaft unterstützt den Kasernenneubau mit einem Betrag von 5 Millionen Franken, weitere Millionen kommen von den Kantonen. Gemäss Kasernenstiftung haben die Kantone Aargau, St. Gallen, Graubünden, Uri, Jura, Schwyz, Freiburg, Glarus, Appenzell Innerrhoden, Tessin und Obwalden einen Beitrag zugesagt.

Offen sei derzeit die Beteiligung von Waadt, Basellandschaft, Zug, Schaffhausen, Nidwalden und Solothurn.

«Der Vatikan kann sich selbst schützen.»

David Roth, SP-Präsident Kanton Luzern

Ein Beitrag von 400’000 Franken steht in Luzern zur Diskussion. Dagegen wehrt sich die SP. In der Budgetdebatte von gestern Dienstag hatte SP-Präsident David Roth beantragt, diesen Beitrag aus dem Budget zu streichen. Eine Mehrheit lehnte das allerdings ab, wie die Luzerner Zeitung schreibt.

Genügend Geld, um sich selbst zu schützen

Damit ist die Spende aber noch nicht beschlossen. An einer folgenden Session, voraussichtlich im Dezember, muss der Kantonsrat erst noch einem entsprechenden Dekret der Regierung zustimmen.

Falls der Kantonsrat zustimmt, könnte die SP das Referendum dagegen ergreifen. «Wir werden die Möglichkeit prüfen», sagt SP-Präsident Roth gegenüber kath.ch. Der Vatikan habe genügend Geld, um sich selbst zu schützen.

Schweizergardisten an einem Eingang zum Vatikan.
Schweizergardisten an einem Eingang zum Vatikan.

Roth, selbst Katholik, stört zudem, dass die katholische Kirche im Kanton Luzern eine Viertelmillion für die Kaserne aufwendet. «Noch im März dieses Jahres hat Synodalrätin Sandra Huber versichert, es fliesse kein Geld aus der Kirchensteuern nach Rom. Da wurden die Mitglieder hinters Licht geführt», kritisiert er.

«Das stimmt so nicht», kontert Thomas Räber, der im Luzerner Synodalrat für das Geschäft zuständig war. Es treffe zwar zu, dass der Neubau auf Grund und Boden des Vatikans errichtet werde. «Die Stiftung baut die Kaserne, das Geld geht nicht an den Vatikan», sagt Räber.

Kulturgüter – «und weitere Vermögenswerte»

Lara Tonet von der Kasernenstiftung widerspricht Roths Darstellung, wonach der Vatikan über genügend eigene Mittel für einen Kasernenneubau verfüge. «Es trifft zu, dass der Vatikan über einen enormen Reichtum an wertvollen Kulturgütern, Kirchen und weiteren Vermögenswerten verfügt.» Allerdings koste der Erhalt dieser Schätze riesige Beträge.

Künftig nur noch Einzelzimmer. Visualisierung der geplanten Schweizergarde-Kaserne durch das Architekturbüro Durisch + Nolli
Künftig nur noch Einzelzimmer. Visualisierung der geplanten Schweizergarde-Kaserne durch das Architekturbüro Durisch + Nolli

Die laufenden Einnahmen des Vatikans seien «relativ bescheiden» und stammten aus Museen, der Post, der Vatikanischen Bank und Spenden. Die laufenden Ausgaben seien gross, so etwa durch das Nuntiatur-Netzwerk, die vatikanische Verwaltung oder den Empfang der Pilger. «Daher ist der Vatikanstaat auf Mittel von aussen angewiesen». Traditionell würden Immobilienprojekte auf dem Boden der Vatikanstadt durch Spenden finanziert.

Vermögenswerte in der Höhe von 13 Milliarden Euro

Gemäss einem Bericht von SRF, gestützt auf Recherchen der italienischen Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore», ist der Vatikan aber durchaus vermögend. Laut dem Bericht besitzt der Kleinstaat Vermögenswerte in der Höhe von 13 Milliarden Euro – circa 8 Milliarden Immobilien und 5 Milliarden Wertschriften.

Allerdings war es früher um die Vatikan-Finanzen besser bestellt. Wegen Corona hat der Vatikan einen finanziellen Engpass, weswegen sogar Kurienkardinal Kurt Koch das Salär um 500 Euro gekürzt wurde. Allerdings sind ein Teil der finanziellen Probleme des Vatikans auch hausgemacht und Ergebnis von Korruption und Misswirtschaft. Der Finanzstandort Schweiz ist Teil der Vatikan-Finanzaffäre.

Die Kasernenstiftung ist zuversichtlich, dass sie die fehlenden sieben Millionen bald zusammen hat. Der Neubau soll 2023 beginnen und idealerweise am 6. Mai 2027 eingeweiht werden, dem 500. Jahrestag der Plünderung Roms.


| © Ueli Abt
27. Oktober 2021 | 07:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!