Die Kathedrale von Nantes.
International

Frankreichs Regierung und Bischöfe vereinbaren mehr Dialog

Nach dem Kippen der 30-Personen-Beschränkung für Gottesdienste haben Frankreichs Regierung und die katholischen Bischöfe mehr Verständigung untereinander vereinbart.

Alexander Brüggemann

Bei einem Treffen am Amtssitz von Premierminister Jean Castex am Sonntagabend wünschten sich die Bischöfe erneut bessere Kriterien für die Wiederaufnahme der Messen, wie die Zeitung «La Croix» berichtete.

Die Kirchenleitung hatte in den vergangenen Monaten dreimal das oberste Verwaltungsgericht, den Staatsrat, angerufen. Das Gericht entschied am Wochenende, dass die Regierung die 30-Personen-Beschränkung für Gottesdienste binnen drei Tagen überarbeiten müsse.

Besondere Bedeutung der Religionsfreiheit

Die Richter erklärten die derzeitigen Corona-Schutzbestimmungen für unverhältnismässig und erinnerten an den besonderen Rang der Religionsfreiheit.

In vielen Städten Frankreichs hatten Mitte November teils Hunderte Menschen für eine Wiederaufnahme von öffentlichen Gottesdiensten demonstriert. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr hatten Gläubige den Bischöfen vorgeworfen, sie hätten sie spirituell im Stich gelassen und nicht genug um die Messfeier als geistliches «Grundnahrungsmittel» der Katholiken gekämpft.

Unsinniger Entscheid

Zuletzt hatte die Regierung in Paris nachgegeben und Gottesdienste für maximal 30 Personen wieder zugelassen. Auch dagegen erhob die Bischofskonferenz Widerspruch.

Sie fordert eine Zulassung von 30 Prozent der normalen Auslastung von Gotteshäusern nach Fläche. 30 Personen in teils riesigen Kirchen seien unverhältnismässig.

Religiöser Ungehorsam

Am Wochenende wurden in mehreren Pariser Kirchen Gottesdienste mit mehr als 30 Personen gefeiert, was für Irritationen sorgte. Einzelne Moscheen kündigten unterdesssen an, auf die nach dem harten Lockdown erlaubte Wiedereröffnung zu verzichten, um keine Auswahl der Beter vornehmen zu müssen.

In Frankreich hat das Coronavirus bisher 52’000 Todesfälle gefordert, die dritthöchste Zahl an Pandemie-Toten in Europa nach Grossbritannien und Italien. Zum 15. Dezember soll bei landesweit weniger als 5’000 Neuinfektionen pro Tag die landesweite, vollständige Ausgangssperre einer Ausgangsbeschränkung von 21.00 bis 7.00 Uhr weichen.

Ausnahmen am Jahresende

Ausnahmen soll es nur an Heiligabend und Silvester geben. Auch Museen und Kinos öffnen erst frühestens am 15. Dezember; Bars und Restaurants bleiben noch mindestens bis 20. Januar geschlossen. (kna)


Die Kathedrale von Nantes. | © adrien0/Pixabay, Pixabay Licence
1. Dezember 2020 | 16:52
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